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Die harte Jagd nach der Millionen-App

Kiel Die harte Jagd nach der Millionen-App

„Mit einer App reich werden, das geht nicht mehr so einfach wie in den Anfangsjahren“, sagt Jörg Pechau. „Aber wenn man eine richtig gute Idee hat, ist das immer noch möglich.“ Der 47-Jährige entwickelt mit seinem Team von I.C.N.H. seit sechs Jahren Apps für Unternehmen. Zu den Kunden der Kieler gehören große Firmen wie Hermes, Elitepartner und Eventim.

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Reich werden mit einer App? Das geht laut den Kieler Entwicklern Stefan Aust (li.), Jörg Pechau (Mitte) und Niels Kausche nicht mehr so einfach wie früher.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Gerade brüten zwei Mitarbeiter in dem kleinen Büro im Innovations- und Technologiezentrum (Kitz) über einer mobilen Anwendung für einen Klimagerätehändler. Der Star-Wars-Roboter C3PO schaut ihnen von einem Poster über die Schulter. Im Regal kämpfen Miniatur-Jedis vor einem Todesstern aus Legosteinen. Für jedes abgeschlossene Projekt, belohnen sich die Informatiker mit einem neuen Spielzeug-Set.

 Die Auftragslage bei dem Start-up ist gut. Pechau und sein Geschäftspartner Stefan Aust beschäftigen fünf Mitarbeiter. Ihr Problem ist, geeigneten Nachwuchs zu finden. Für Wilhelm Hasselbring, Informatikprofessor an der Kieler Christian-Albrechts-Universität, ist das nicht überraschend. „Momentan können wir gar nicht genug Absolventen ausbilden. Die Nachfrage nach Informatikern ist hoch.“ Einen eigenen Studiengang „App-Entwicklung“ gibt es in Deutschland bislang nicht. Das ist laut Hasselbring aber auch nicht nötig. „Mit den Programmierkenntnissen aus dem Informatikstudium haben die Studierenden die ausreichende Grundlage dafür.“

 Eine der größten Herausforderung für die Entwickler ist es, am Ende ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln. Im Jahr 2017 werden nach Vorhersagen des IT-Marktforschungsinstituts Gartner mehr als 268 Milliarden Mal mobile Apps heruntergeladen und damit ein Umsatz von über 77 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Doch laut dem Forschungsinstitut Vision Mobile machen heute 17 Prozent der App-Entwickler weltweit gar keinen Umsatz. Insgesamt 52 Prozent verdienen weniger als 1000 Dollar (920 Euro) im Monat.

 „Neulich stand ein junger Mann vor mir bei Starbucks und schimpfte über eine Schrott-App, die ihn auch noch 99 Cent gekostet habe. Dann kaufte er sich einen Kaffee für knapp fünf Euro“, erzählt Pechau. Momente, in denen er sich ärgert. „Die Menschen machen sich nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter so einer App steckt. Um von 99 Cent pro Download leben oder sogar Angestellte bezahlen zu können, muss man schon ganz schön viele verkaufen.“

 Drei bis vier Wochen dauert es, bis Entwickler ihren Kunden eine erste App-Version liefern können. „Wir gehen erst mal mit einem geringen Funktionsumfang heraus. Dann lernen wir vom Anwender. Wir sehen, was er besonders nutzt, und passen dann die Features an“, erklärt Pechau. Die Entwicklung einer App koste schnell einen fünfstelligen Betrag und mehrere Monate oder Jahre. Von Gratis-Apps hält er auf Dauer deswegen wenig. „Wenn jeder die Apps verschenkt“, sagt er, „dann werden sie von den Menschen weniger wertgeschätzt.“

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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Foto: Sie entwickelten einen digitalen Helfer für die Küche: Tobias Eichberger (li.) und Thorben Falk mit ihrer finit-App.

Der App-Markt wächst rasant. Manche Entwickler wurden mit einer guten Idee in kurzer Zeit zu Milliardären. Doch der Markt ist umkämpft, der Alltag der meisten Gründer sieht anders aus. Die Kieler Thorben Falk (20) und Tobias Eichberger (22) haben im Februar eine eigene App herausgebracht: „finit“ ist ein Intervalltimer.

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