19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Diese Miesmuschel erfordert ganz viel Handarbeit

Kiel Diese Miesmuschel erfordert ganz viel Handarbeit

Tim Staufenberger hat eine alte Tradition wiederbelebt. Als vor gut 140 Jahren die Marine nach Kiel kam und der Bau des Nord-Ostsee-Kanals begann, endete die Muschelzucht. „Nachdem die Marineflieger Holtenau wieder verlassen haben, sind die Miesmuscheln zurückgekommen“, sagt der 37-Jährige.

Voriger Artikel
Größtes Containerschiff der Welt in Hamburg getauft
Nächster Artikel
Der Spion unter dem Fahrersitz

Etwa zwei Tonnen Miesmuscheln werden derzeit in der Förde geerntet. Der Ertrag soll künftig stetig gesteigert werden.

Quelle: jög

Kiel. In Staufenbergers Mischkalkulation bildet die Zucht der Schalentiere dem größten Posten. Hinzu kommen die Einnahmen aus der Produktion von Algen und aus Forschungsaufträgen, die der studierte Meeresbiologe übernimmt.

Staufenberger stellt sich mit seiner Firma, der Kieler Meeresfarm, möglichst breit aufstellt. Das liegt unter anderem daran, dass der Verkauf der Muscheln ein Saisongeschäft ist. Los geht es im September, sechs Monate lang kommt die Delikatesse dann auf dem Teller. Doch so lange reichen Staufenbergers Bestände gar nicht. „Knapp zwei Tonnen werde ich in diesem Jahr aus der Förde holen – die sind in sechs Wochen verkauft.“ Bereits für kommendes Jahr peilt der Unternehmer die doppelte Menge an; in den nächsten drei bis fünf Jahre könnte die Ausbeute seiner Aquakultur auf Höhe des früheren MFG5-Geländes auf zehn Tonnen anwachsen.

 Bei den Kunden ist die Muschel aus der Förde beliebt. Im Vergleich zu anderen Arten wird sie groß, hat aber eine ziemlich dünne Schale. Ein rein maschinelles Herausholen der Tiere funktioniert deswegen nicht. Viele Schritte sind und bleiben Handarbeit, für die Staufenberger Studenten als Saisonarbeiter anstellt. In Dänemark, wo die Muschelzucht seit Jahren boomt, können die Betriebe ohne Probleme mit schwerem Gerät arbeiten. „Was ich in einem Jahr produziere, wird in Dänemark an einem Tag produziert“, sagt er. In der Nordsee gibt es sieben Muschelfischer. An der deutschen Ostseeküste ist der Meeresfarm-Chef der einzige Produzent. Am Markt hat sich seine Firma längst etabliert. Staufenberger kann von seiner Arbeit leben. Denn neben Muscheln produziert er auch Algen. Diese werden von Oceanbasis zu Kosmetika verarbeitet. Mit dieser am Holtenauer Tiessenkai ansässigen Firma und ihrer Schwester Costal Research and Management (CRM) arbeitet Staufenberger sehr eng zusammen.

 Algen züchtet Staufenberger außerdem für die Kieler Uni. In einem Kooperationsprojekt wird an sogenannten Mikroalgen geforscht. Von Zeit zu Zeit lässt sich der Biologe für weitere wissenschaftliche Projekte engagieren – untersucht beispielsweise Proben, die er bei Taucheinsätzen nimmt, und arbeitet so Gutachten zu. Für das nächste Jahr rechnet Staufenberger mit einem externen Auftragsvolumen von knapp 150000 Euro, wenn er bei den entsprechenden Ausschreibungen von EU, Bund und Ländern zum Zuge kommt. Gut 20 Prozent seiner Einnahmen würden die Aufträge dann wieder ausmachen, ungefähr 70 bringen die Muschel- und zehn Prozent die Algenproduktion ein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3