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Gewerkschaften gehen in die Offensive

Kiel Gewerkschaften gehen in die Offensive

Fast zwei Tage hat der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, in Kiel verbracht und zahlreiche Gespräche geführt. Am Dienstag besuchte er Vossloh Locomotives in Friedrichsort.

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DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann (Mi.) auf einer Vossloh-Lok. Er sprach mit Geschäftsführer Thomas Schwichtenberg (li.) und dem Betriebsratsvorsitzenden Michael Ulrich.

Quelle: Axel Nickolaus

Kiel. Und er fühlte sich nach dem Besuch beim Lokhersteller erneut bestätigt: Deutschland hat die Krise im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bislang sehr gut überstanden, weil „wir immer noch relativ viel Industrie und weil wir ganz spezielle Arbeitsbeziehungen haben“.

 Vossloh beispielsweise habe in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Eigentümerwechsel und mehrere Krise erlebt, aber das Unternehmen stehe relativ stabil da, so stabil, dass der Vossloh-Konzern derzeit Investitionen in Millionenhöhe vornimmt und in Kiel-Suchsdorf ein neues Werk beziehen wird. Die tariflichen Rahmenbedingungen sorgen laut Hoffmann dafür, dass Vossloh ein „atmendes Unternehmen“ sei, das auf die stark zyklische Nachfrage nach Dieselloks reagieren kann. In Zeiten starker Nachfrage könne die Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöht werden, stocke der Absatz, werde sie auf 30 Wochenstunden gesenkt.

 Reiner Hoffmann, ein Jahr im Amt ist, zieht aus solchen Beispielen für die Arbeit der Gewerkschaften Schlussfolgerungen: „Wir müssen die Industrie in Deutschland weiter stärken und mit dem Modell der Mitbestimmung in die Offensive gehen.“ Unternehmen, in denen Arbeitnehmer mitgestalten können, seien auf vielen Zukunftsfeldern besser aufgestellt. Themen wie Qualifikation und Weiterbildung, Gesundheitsvorsorge und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden vorangetrieben, aber auch Innovationen. Und Hoffmann erwähnt auch Beispiele von Unternehmen, denen gerade in Zeiten der Krise Freiräume für Zukunftsinvestitionen ermöglicht wurden, indem Arbeitnehmer für eine befristete Zeit auf Teil des Lohnes oder Sonderzahlungen verzichtet hätten.

"Gelebte Praxis von Mitbestimmung"

 Daher wird der DGB das Modell der Mitbestimmung noch offensiver vertreten: „Wir wollen die gelebte Praxis von Mitbestimmung deutlich machen.“ Der DGB-Vorsitzende weiß aber auch, dass man sich dabei an die rasant verändernde Arbeitswelt anpassen muss. Denn durch den Einzug digitaler Technologien in immer mehr Arbeitsbereiche werden viele Beschäftigte künftig anders zusammenarbeiten als bisher. Und der DGB und seine acht Mitgliedsgewerkschaften wollen die Mitbestimmung auf europäischer Ebene sichern.

 Mit einem Anteil von 24 Prozent an der Wirtschaftsleistung ist die Industrie in Deutschland noch genau doppelt so stark wie in Großbritannien. Der DGB will diese starke Position halten, beispielsweise indem Arbeitnehmervertreter in den Unternehmen darauf achten, dass in Forschung und Entwicklung investiert wird. Wichtig seien aber auch industriepolitische Gesprächsrunden wie sie IG Metall und DGB in Kiel initiiert hätten und dabei Wirtschaft und Politik mit ins Boot geholt hätten. Auf Bundesebene hat sich erst vor wenigen Tagen der Verein Netzwerk Zukunft der Industrie gegründet; Mitglieder sind Gewerkschaften sowie Industrie- und Arbeitgeberverbände, auch das Wirtschaftsministerium ist eingebunden.

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