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Mehr Personal in Kliniken gefordert

Hamburg/Kiel Mehr Personal in Kliniken gefordert

Bund und Länder sprechen von einer Reform und wollen Überkapazitäten in Krankenhäusern abbauen. Beschäftigte von 1300 Kliniken versammelten sich am Mittwoch zur bislang größten Protestaktion. Auch in Schleswig Holstein beteiligten sich mehrere Tausend Mitarbeiter. Ihr Votum: So geht es nicht weiter.

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In Hamburg und Schleswig-Holstein haben am Mittwoch Tausende Mitarbeiter von Krankenhäusern gegen Personalmangel demonstriert.

Quelle: Arno Burg

Hamburg/Kiel. Kurz und intensiv – so musste am Mittwoch die Protestaktion der Klinikbeschäftigten in Schleswig-Holstein laufen. „Wir haben keine Zeit. Das ist ja genau unser Problem und vor allem das Problem der Patienten“, erklärte Yvonne Herrmann, Krankenschwester des Städtischen Krankenhauses Kiel. Mehrere Tausend Mitarbeiter von rund 50 Kliniken forderten 5200 zusätzliche Kräfte für Schleswig-Holstein.

Pünktlich um 13 Uhr versammelten sich nach Angaben von Verdi Klinikmitarbeiter vor Krankenhäusern, unter anderem in Kiel, Eutin, Preetz, Neumünster, Lübeck, Elmshorn, Reinbek, Pinneberg und Heide. Jeder Teilnehmer hielt einen weißen Zettel mit einer Nummer in die Höhe. 16200 Nummern waren bei der bundesweiten Aktion an 1300 Kliniken vergeben worden. Jede einzelne symbolisierte einen fehlenden Beschäftigten. „Von den 5200 Stellen, die allein in Schleswig-Holstein fehlen, entfallen 2250 auf die Pflege. Es fehlen aber Mitarbeiter in allen Bereichen“, erklärte Steffen Kühhirt von Verdi.

Das bestätigte auch Michaela Kopp, die in Kiel als medizinisch-technische Laborassistentin arbeitet. „Das fängt bei den Reinigungskräften an, die unterminimal besetzt sind. Besonders hoch ist der Stresspegel bei den Kollegen, die direkt mit Patienten arbeiten. Niemand möchte doch, dass die Kranken leiden.“ Auch vor anderen Kliniken berichteten Mitarbeiter immer wieder, dass man die Pausen ausfallen lässt, dass man zu weit oder gar allein für bis zu 30 Patienten zuständig ist, dass Patienten 20 Minuten auf den Toilettengang warten müssen ... „Wir sollen im Krankenhaus eigentlich agieren, aber wir können nur noch reagieren und das Schlimmste verhindern“, erklärte die Kieler Krankenschwester Silke Schwarz (45).

Die zentrale Forderung lautete daher: Eine gesetzliche Personalbemessung muss her. „Und es muss endlich Schluss damit sein, dass Investitionen in Gebäude über Einsparungen beim Personal mitfinanziert werden“, sagte Kühhirt. Unterstützung gab es vom Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein, Bernd Krämer: „Die Aktion unterstreicht, was wir seit Jahren kritisieren: Die Arbeitsverdichtung in unseren Kliniken hat ein unerträgliches Ausmaß erreicht."

Der Hamburger Gewerkschaftssekretär Michael Stock erinnerte an die Ergebnisse des „Nachtdienst-Checks“ von Verdi. Im März hatte die Gewerkschaft nach der Besetzung in  200 Krankenhäusern gefragt. Damals hätten 59 Prozent der Pflegekräfte gesagt, in den vergangenen vier Wochen habe es mindestens eine gefährliche Situation gegeben, die durch mehr Personal vermeidbar gewesen wäre.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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