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Immobiliendeal alarmiert Mieterverein

Kiel/Rendsburg Immobiliendeal alarmiert Mieterverein

Die Übernahme eines großen Wohnungspakets in Kiel und Rendsburg durch den chinesischen Staatsfonds CIC nährt erhebliche Sorgen vor Heuschrecken und handfesten Nachteilen für betroffene Mieter. Der Mieterverein rät Betroffenen, keinen neuen Mietvertrag zu unterzeichnen.

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Auch um diese Wohnungen geht es: Blick auf die Woermannstraße im Kieler Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel/Hongkong. „Wir nehmen mit Schrecken zur Kenntnis, dass der Ausverkauf ehemals preisgünstiger und zum Teil auch kommunaler Wohnungen ungebremst weitergeht“, sagte Heidrun Clausen, Geschäftsführerin des Kieler Mietervereins. Wie berichtet, geht es bundesweit um 16000 Wohnungen, die einem US-Investmentfonds gehören, dessen Anteile bislang mehrheitlich vom australischen Investor BGP Holding gehalten werden. Etwa 3000 Wohnungen aus diesem Paket befinden sich in Schleswig-Holstein – 1400 in Rendsburg und 1600 in Kiel. Bei den Kieler Einheiten handelt es sich um einen Teil von ursprünglich 10000 Wohnungen der privatisierten und ab 1997 zerschlagenen Kieler Werkswohnungen GmbH. Der Schwerpunkt der 1600 Mietwohnungen befindet sich im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf. Aktuell bietet BGP laut eigener Internetseite in Kiel lediglich drei freie Wohnungen an: in der Schwentinestraße, der Lüderitzstraße sowie in der Woermannstraße.

 Mieterschützerin Clausen bedauert, „dass es in Deutschland überhaupt möglich ist, Wohnungsbestände an Investoren zu verkaufen, die ihren Sitz nicht einmal in der Europäischen Union haben müssen“. Je größer die Distanz zwischen Firmensitz des Eigentümers und Standort einer Wohnung sei, „desto anonymer ist auch das Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter“. Damit steigt nach Einschätzung des Vereins auch die Gefahr von Mieterhöhungen, denn anders als einem Vermieter vor Ort fehle einem Finanzinvestor jegliches Wissen über die finanzielle Belastbarkeit der Mieter.

 Aufgrund des im Vergleich mit den Metropolen günstigen Preisniveaus und gleichzeitig wachsender Bevölkerung lockt der Kieler Wohnungsmarkt Finanzinvestoren seit Langem an. Erst im Februar dieses Jahres hatte der Branchenriese Deutsche Wohnen AG (Frankfurt) auf dem Ostufer 3800 Wohnungen gekauft. Mit Abstand größter Player auf dem Kieler Wohnungsmarkt ist jedoch die ebenfalls börsennotierte Vonovia SE mit Sitz in Bochum. Der Konzern, der bis 2015 Deutsche Annington hieß, hatte 2014 von der Vitus-Gruppe rund 10000 Wohnungen der einstigen Kieler Wohnungsgesellschaft KWG übernommen. Anfang 2016 war Vonovia mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme der Deutschen Wohnen gescheitert.

Kiel will Wohnungsmarkt beobachten

 Überrascht und auch verärgert durch dem Verkauf der einst für die Kieler Werftbeschäftigten gebauten Wohnungen zeigte sich Kiels Wohnungsdezernent Gerwin Stöcken: „Kiel hat ohnehin einen sehr internationalisierten Wohnungsmarkt. Wir sind nicht interessiert daran, dass Wohnungen weitergereicht werden, nur um Profitinteressen zu verfolgen.“ Daher habe es die Stadt „sehr überrascht, dass wir über diesen Verkauf nicht informiert waren“. Man werde das Verhalten des Käufers am Wohnungsmarkt „sehr genau und kritisch beobachten“.

 Ob das allerdings den Mietern hilft, steht auf einem anderen Blatt. Denn viel mehr tun, als auf die Einhaltung rechtlicher Regeln zu achten, kann die Stadt nicht. Nach Einschätzung des Mietervereins hat sich die Situation vieler Mieter durch das Weiterreichen ganzer Wohnungspakete an immer neue Finanzinvestoren deutlich verschlechtert. So würden vor allem auf Rendite bedachte Konzerne lediglich auf deutlichen Druck hin in die Qualität des Bestandes investieren: „Modernisierung ist nicht selten nur ein Mittel, um höhere Mieten durchzusetzen, wenn der Spielraum dazu ansonsten ausgereizt ist.“

Tipps für Mieter

 Betroffenen Mietern rät Clausen dringend, ihre Rechte zu wahren. In keinem Fall bestehe die Verpflichtung, einen neuen Mietvertrag zu unterschreiben. Auch einer Übertragung der Mietsicherheit auf den neuen Eigentümer müsse der Mieter nicht zustimmen: „Dafür, dass diese verzinst zurückgezahlt wird, haftet im Zweifel ohnehin der ursprüngliche Vermieter mit.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Staatsfonds CIC
Foto: Der Staatsfonds CIC hat Wohnungen in Kiel und Rendsburg gekauft.

Der chinesische Staatsfonds CIC ist nach Medienberichten auf Einkaufstour in Deutschland. Demnach hat der Investor eines von der US-Investmentbank Morgan Stanley aufgelegten Fonds 16000 Wohnungen von der australischen BGP Holdings gekauft - darunter auch einige in Kiel und Rendsburg.

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