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Werft baut größte U-Boote ihrer Geschichte

Kiel: Geheimprojekt für Singapur Werft baut größte U-Boote ihrer Geschichte

Es ist einer der geheimsten Militäraufträge in der Kieler Werftgeschichte. Im Schatten der Kieler Woche feierte ThyssenKrupp Marine System den Baustart für die größten je in Deutschland bestellten U-Boote. Auftraggeber für die Mega-U-Boote ist die Marine von Singapur. Der Milliardenauftrag sichert fast 2500 Arbeitsplätze auf der Werft bis über das Jahr 2020 hinaus.

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Die U-Boote der Klasse 214 (links ein Exemplar für Portugal) gehören mit 68 Metern Länge zu den größten Neubauten in Kiel. Die Boote für Singapur sind vier Meter länger.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Der Auftrag ist „top secret“. Ein Sprecher der Kieler Werft lehnte jeden Kommentar zu dem Projekt ab und verwies auf das „Verschwiegenheitsabkommen“, in dem Singapur die Öffentlichkeitsarbeit der Werft verbietet. Das Verteidigungsministerium in Singapur hat bislang lediglich eine siebenzeilige Pressemitteilung über den Milliarden-Auftrag herausgeben. Der Bundessicherheitsrat hat aber grünes Licht gegeben. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bezeichnete den Bau als „unproblematisch“.

 Trotz aller Geheimhaltung: Völlig unbemerkt bliebt der Festakt nicht, bei dem am Mittwoch in der U-Boothalle die Brenn-Maschine mit der Spantenfertigung des ersten U-Bootes begann. Offiziere aus Singapur waren auch während der Kieler Woche unterwegs. Sie besuchten das Ehrenmal in Laboe und legten in Möltenort einen Kranz für die auf See gestorbenen deutschen U-Bootsoldaten nieder.

 Für Deutschland ist der Auftrag ein Milliarden-Geschäft. Der Bau der beiden Boote und ein ebenfalls von Singapur mit TKMS sowie der Deutschen Marine vereinbartes Ausbildungs- und Logistikpaket haben einen Wert von etwa 1,4 Milliarden Euro. Damit sind diese U-Boote deutlich teurer als moderne Brennstoffzellen-U-Boote der „HDW-Klasse 214“, die TKMS für Griechenland, Portugal und Korea baut. Abgesichert wird das Geschäft nach Informationen aus Werftkreisen durch Hermesbürgschaften über 1,2 Milliarden Euro. Parallel werden Offiziere aus Singapur an der Marineschule Mürwik, auf der „Gorch Fock“ und im Ausbildungszentrum U-Boote in Eckernförde geschult. Das Gefechtsführungssystem soll von der deutschen Firma Atlas Elektronik (Wedel) zusammen mit der singapurischen ST-Electronics entwickelt werden.

 Ab 2020 sollen die U-Boote der Klasse „HDW Typ 218SG“ in Fahrt kommen. Bekannt wurde, dass die Boote eine Einsatzverdrängung von deutlich über 2400 Tonnen haben und etwa 72 Metern lang werden. Damit wird dieser Typ die 68 Meter langen Israel-Boote des Typs „Dolphin AIP“ als die größten in Deutschland gebauten U-Boote ablösen. Für den Bau der Singapur-Boote werden die Fertigungskapazitäten in Kiel auch modifiziert. So ist eine Vergrößerung des U-Boot-Lifts in Planung, mit dem diese gewaltigen Exemplare auch zu Wasser gelassen werden.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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