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Es begann mit dem Verlobungsring

Kieler Seifen Es begann mit dem Verlobungsring

Als im Herbst 2014 ihr Vater starb, da fühlte Janine Kordes neben aller Trauer eine große Verantwortung. Nun würde sie ja wohl eine Firma mit zehn Mitarbeitern übernehmen – den Hygiene Service mit Sitz im Kieler Gewerbegebiet Wittland. Wenige Wochen später wurde aus ihr eine „echte“ Existenzgründerin – durch einen Zufall.

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Janine Kordes und Mitarbeiter Matthias Horn im Lager: Die Unternehmerin hat mit den Kieler Seifen Privatkunden im Fokus und will zunächst den deutschen Markt erobern.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel.  Weil der 1996 von ihren Vater gegründete Hersteller für gewerbliche Reinigungsmittel als Einzelunternehmen firmierte, wurde der Neuanfang noch einschneidender als die heute 39-Jährige dachte: „Von Leasingverträgen bis zur Versicherung: Praktisch alle Vereinbarungen, die mein Vater unterschrieben hatte, mussten neu gemacht werden. Erst da wurde mir so richtig bewusst: Jetzt machst Du dich selbstständig.“

 Die zündende Idee für die Existenzgründung lieferte ein Missgeschick, das bereits länger zurück lag: Bei der Arbeit im väterlichen Betrieb war Janine Kordes der Verlobungsring in ein Plastikfass mit Reinigungsmittel gefallen. Nach dem ersten Schreck zeigte sich: Das Ergebnis war im wahrsten Sinne brillant, der Ring strahlte wie neu. Und so machte sich Janine Kordes an die Entwicklung eines Schmuckreinigers, der für alle Edelmetalle, viele Steinarten und auch für Modeschmuck einsetzbar sein sollte. Resultat war ein Schmuckschaum – das erste Produkt der Unternehmensneugründung Kieler Seifen.

Kieler Seifen wollen sich von der Konkurrenz absetzen

 Janine Kordes hat viel vor mit diesem Unternehmen, das anders als die Firma ihres Vaters den privaten Kunden im Fokus hat. Natürlich gibt es auf dem Markt bereits Produkte, die für die Reinigung von Schmuck konzipiert sind. Und auch die Entwicklungen, die die Kieler Seifen in der Pipeline haben, sind keine Weltneuheiten: spezielle Grillreiniger etwa, Display-Reiniger oder Zusätze für Ultraschall-Reinigungsgeräte. Doch mit ihren Nischenprodukten wollen sich die Kieler Seifen von der Konkurrenz nicht nur durch niedrigen Verbrauch und kurze Einwirkzeiten absetzen, sondern auch in zwei Punkten, die bei der Vermarktung von Reinigern bislang eher eine untergeordnete Rolle spielen: der regionalen Produktion und dem Design. „Schauen Sie mal bei Amazon nach Grillreinigern“, sagt Janine Kordes, „die sind alle nicht besonders sexy.“

 Die Kieler Alternativen hingegen sollen nicht nur perfekt und umweltfreundlich reinigen, sondern auch das Auge des Kunden ansprechen und zudem bequem anwendbar sein. So kommt der Kieler Schmuckschaum nicht im plumpen Kanister daher, sondern als lavendelfarbene und nach Lavendel duftende Flüssigkeit im durchsichtigen Pumpfläschchen. Mit neuen Designideen will die Unternehmerin auch Großmutters Grüner Seife zu einer Renaissance verhelfen: „Das ist ein umweltverträgliches und universell anwendbares Produkt, das aber von manch’ aufgemotztem und viel beworbenem Chemie-Reiniger an den Rand gedrängt worden ist.“

Zunächst gab es den Kieler Schmuckschaum nur bei Amazon oder über die firmeneigene Internet-Seite. Doch inzwischen ordern auch die ersten Juweliere. Noch sind die Verkaufszahlen überschaubar, aber auch die Kosten halten sich in Grenzen, weil die Kapazitäten des Schwesterbetriebes Hygiene Service mit genutzt werden können. „Ich brenne für dieses Produkt“, sagt Janine Kordes, die in Berlin wohnt, aber regelmäßig in Kiel ist. In ihrem Büro hängt eine Weltkarte. Es gibt viel zu tun. Doch erst mal will der deutsche Markt erobert sein.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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