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Kiels Industrie hinkt hinterher

Kiels Industrie hinkt hinterher

Die Industrie in Kiel entwickelt sich schwächer als im Bundesgebiet – und auch schlechter als in Schleswig-Holstein. Die IHK Kiel fordert daher bessere Rahmenbedingungen für das verarbeitende Gewerbe in der Landeshauptstadt und drängt auf einen „Bewusstseinswandel“ in Verwaltung und Politik.

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Der Kieler Hafen mit Werft (li.) und Fährterminals: Das verarbeitende Gewerbe der Landeshauptstadt ist ebenfalls stark maritim geprägt. Zahlreiche Schiffbauzulieferer haben hier ihren Sitz.

Quelle: Volker Rebehn

 Diese und weitere Forderungen leitet die Kammer aus einer Studie zum „Industriestandort Kiel“ ab, die IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater und Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann am Dienstag vorgestellt haben. Die IHK Schleswig-Holstein hatte bereits im Frühsommer eine entsprechende Studie zur Industrie im gesamten Land präsentiert. „Die Kieler Industrie hat sich seit der Jahrtausendwende im Vergleich zum Land und erst recht zum Bund weit unterdurchschnittlich entwickelt“, stellt die IHK Kiel nun fest. Damit sei sie ein Grund für das ebenfalls vergleichsweise schlechte Wachstum der gesamten Wirtschaft Kiels.

 In Zahlen: Die Kieler Wirtschaft ist zwar von 2000 bis 2012 um 15 Prozent gewachsen, in Schleswig-Holstein insgesamt jedoch erhöhte sich die Wertschöpfung um 21 Prozent, in Deutschland sogar um knapp 30 Prozent. So sank der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung Kiels um fast ein Drittel – von 13,2 auf 9,2 Prozent. In Schleswig-Holstein insgesamt ging der Anteil des verarbeitenden Gewerbes seit dem Jahr 2000 von 16,2 auf 14,8 Prozent zurück. In Deutschland blieb das Niveau dagegen konstant bei 22,4 Prozent.

 Auch ist die Wertschöpfung je Beschäftigtem (2012) mit 59180 Euro geringer als in Schleswig-Holstein (64000) oder im Bund (73460). Und während in Deutschland zwischen 2008 und 2013 die Zahl der Industriebetriebe sogar leicht anstieg (+0,5 Prozent) und in Schleswig-Holstein nur um knapp vier Prozent zurückging, sank ihre Zahl in Kiel um elf Prozent: von 85 auf 74.

 Das sind nicht nur aus Sicht der IHK alarmierende Anzeichen, sondern auch die Gewerkschaft IG Metall und die Landeshauptstadt sehen das so. Gemeinsam wurde daher im vergangenen Jahr der „Industriepolitische Dialog“ ins Leben gerufen. Die IHK hat nun auf der Basis ihrer Studie und der Befragung von 225 Kieler Unternehmen einen Katalog von Handlungsempfehlungen abgeleitet. In vielen Punkten würden Kieler Betriebe „hohen Handlungsdruck sehen“, der identisch sei mit dem der Industrie des gesamten Landes. Doch kämen in Kiel einige Standortfaktoren hinzu, „deren Verbesserung den Industriestandort Kiel substanziell aufwerten würden“, so die Kammer.

 IHK-Präsident Vater fasste die Ergebnisse in sechs Punkten zusammen: leistungsfähige Breitbandanbindungen in Gewerbe- und Wohngebieten, Strompreise, die die Wettbewerbsfähigkeit sichern, ausreichendes Angebot an Fachkräften, zügig verbessertes Verwaltungshandeln, Verbesserungen im Verkehr sowie Maßnahmen gegen die Gewerbeflächenknappheit.

 Vater lobte ausdrücklich die Arbeit von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der das Thema Wirtschaft zur Chefsache erklärt habe. Aber als Wirtschaftsdezernent müsse es ihm auch gelingen, „einen Bewusstseinswandel auch in anderen Dezernaten herbeizuführen“ und für einen Abbau städtischer Verwaltungsauflagen und die Verkürzung der Genehmigungsverfahren zu sorgen. IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann wies auf die Planungen zum MFG-5-Gelände in Kiel-Holtenau hin. Die Flächen direkt am Wasser mit Schienenanbindung und gutem Straßenanschluss seien gerade für das verarbeitende Gewerbe attraktiv: „Das ist eine in Deutschland einmalige Gewerbefläche.“ Daher müsse es gelingen, zeitnah den Unternehmen Flächen zur Verfügung zu stellen.

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