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Der Russe, dem die Kieler kein Vertrauen schenkten

Kirov-Gruppe Der Russe, dem die Kieler kein Vertrauen schenkten

Die russische Kirov-Gruppe scheiterte mit Ansiedlungsplänen in Friedrichsort und baut nun in Rostock.

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Georgij Semenenko, Chef der russischen Kirov-Gruppe, steht auf der Baustelle des Werks für Großwälzlager im Fischereihafen von Rostock. Seine Firma hat weltweit 7000 Mitarbeiter.

Quelle: Stefan Sauer

Kiel. Sie ist 140 Meter lang, 15 Millionen Euro teuer und liegt direkt am Wasser: Die neue Halle der Firma Deutsche Großwälzlager GmbH (DGWL) nimmt im Fischereihafen Form an. Ab September sollen in der Halle 22 Facharbeiter Wälzlager mit einem Durchmesser von bis zu 6,5 Metern produzieren. Es handelt sich um Lager für Kräne, Tunnelbohrgerät oder Windanlagen. Das Geschäft mit großen Maschinen boomt. Einziger Schönheitsfehler: Die Halle entsteht in Rostock und nicht in Kiel. „Unsere erste Wahl war aber Kiel. Wir wollten unbedingt eine Halle an der Kieler Förde haben“, sagt Albrecht Bochow, Vorstand der russischen Kirov-Gruppe. Die Firma hatte Friedrichsort oder Holtenau für ihre deutsche Tochter DGWL favorisiert. Wunsch sei es gewesen, eine Halle bei Caterpillar zu nutzen. Am Standort Kiel gebe es viele Fachkräfte aus Metall-Berufen, die optimal zum Start des neuen Großwälzlager-Werks gepasst hätten.

 „Doch leider hat man uns in Kiel nicht haben wollen“, sagt Bochow. Ein Jahr lang habe man in Kiel mit Vertretern der Stadt, Land, der Wirtschaftsförderung und Banken verhandelt. „Es ging aber einfach nicht voran. Stattdessen kamen immer neue Fragen nach Gutachten, und es wurde unsere Ernsthaftigkeit in Zweifel gezogen“, schildert Bochow. Im September sei er dann einfach mal nach Rostock gefahren und habe dort mit der Wirtschaftsförderung Gespräche aufgenommen. „Dann ging alles auf einmal ganz schnell. Wir bekamen ein Gesamtpaket. Im Dezember hatten wir die Kreditzusage der Ostsee-Sparkasse, die Unterstützung durch die Landesregierung und ein Grundstück im Fischereihafen. Im Januar lag die Baugenehmigung vor. Ab September wird produziert“, sagt Bochow. In dieser Woche besuchte der Kirov-Investor Georgij Semeneko die Baustelle. Seine Firma hat weltweit 7000 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz beträgt 550 Millionen Euro.

 In Schleswig-Holstein sorgt die Entscheidung durchweg für Bedauern. „Wir hätten das Unternehmen natürlich gern hier in Kiel gehabt. Der Oberbürgermeister hat sich dafür stark gemacht“, sagt Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska. Das sieht auch Bochow so: „Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und auch Staatssekretär Ralph Müller-Beck haben sich sehr für uns stark gemacht. Die Probleme traten dann auf, als es von der Führungsebene in die Arbeitsebene ging“. Das Wirtschaftsministerium weist diese Kritik entschieden zurück. „Wir sind es unseren Steuerzahlern schuldig, dass unsere Banken und Wirtschaftsförderer vor der Vergabe von öffentlichen Krediten oder Bürgschaften sehr genau nachfragen. Wenn ein Investor dann Antworten schuldig bleibt, haben wir wenig bis gar keinen Ermessensspielraum“, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Frank Nägele. Grund für die schnelle Investition in Rostock sei möglicherweise auch die etwas üppigere öffentliche Förderung in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben alle Unterlagen vorgelegt. Es kamen aber immer neue Anfragen und Prüfungen“, entgegnet Bochow.

 Für die Kieler Industrie- und Handelskammer ist der Fall Kirov Grund zur Sorge. „Wir bedauern die Entscheidung. Sie zeigt aber auch, dass wir dringend attraktive Gewerbeflächen am Wasser brauchen“, sagt Martin Kruse, Leiter des Geschäftsbereichs Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer zu Kiel. Auch die Förde Sparkasse weist die Kritik des Unternehmers zurück. Eine ausgiebige Prüfung sei vor einer Kreditvergabe eben nötig, heißt es dort.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Vor einer Woche war die Freude groß. Eine schwedische Reederei hatte den Umzug von Lübeck nach Kiel angekündigt. Kiel habe klare Standortvorteile, hieß es. Die russische Kirov-Gruppe sah das ähnlich.

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