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Verantwortlich für 48 alte Menschen

Klein Wittensee Verantwortlich für 48 alte Menschen

Wie kaum ein anderer Beruf gilt die Altenpflege als Knochenjob. Für Indra Ehlers ist sie inzwischen tägliches Brot: Die gelernte Kfz-Mechanikerin hat 2012 ihr Examen an der Altenpflegeschule der Diakonie in Rendsburg abgelegt. Seit April ist die 42-Jährige Pflegeleitung eines Seniorenheims in Klein Wittensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) – und damit Chefin von gut 20 Pflegekräften und Helfern.

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Michael Bader (72) lebt seit einem guten Jahr im „Haus am See“. Indra Ehlers bemüht sich, steten Kontakt zu den 48 Heimbewohnern zu halten. „Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann kann ich das nur, wenn ich den Menschen, den es betrifft, auch kenne.“

Quelle: Michael Kaniecki

Klein Wittensee. In der Pflege hat Indra Ehlers in nur wenigen Jahren eine steile Karriere hingelegt. Die Branche boomt seit Jahren: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wächst kontinuierlich und wird sich bis 2050 noch einmal verdoppeln. Ehlers fand allerdings auf Umwegen in das Berufsfeld, in dem schon ihre Mutter tätig war. Zunächst ergriff sie den Job ihres Vaters: Bereits in Kindertagen schnupperte sie Werkstattluft und wurde Kfz-Mechanikerin. „Ich war nicht das typische Mädchen, das mit Puppen gespielt hat“, sagt sie. „Ich kannte schon jede Schraube von meinem ersten Auto, bevor ich 18 wurde und es fahren durfte.“

 Ehlers ging in ihrem Beruf auf. Besonderes Talent hatte sie darin, Autos zu tunen: Gekonnt stellte sie Doppelvergaser allein nach Gehör vollkommen synchron ein. Ihren Beruf konnte sie mit der Leidenschaft verbinden, selbst als Rallye-Fahrerin hinter dem Lenkrad zu sitzen. Auch wenn sie heute keine Rennen mehr fährt, bleibt das Autofahren ihre große Leidenschaft. „Andere Frauen kaufen Schuhe, ich tanke“, sagt Indra Ehlers, Mutter dreier Töchter.

 Ihre erste Schwangerschaft leitete den Abschied aus dem Kfz-Gewerbe ein. Sie pausierte, um beim Hantieren mit Lacken und Lösungen nicht giftigen Dämpfen ausgesetzt zu sein. Bis zum zweiten Kind folgte ein berufliches Zwischenspiel bei einem Reifenhändler in Rendsburg. Danach ließ sie sich zur Schweißerin fortbilden, fand in der Region allerdings keine Anstellung. Arbeit hätte es in Dänemark gegeben. So blieben ihr zunächst nur verschiedene Hilfsjobs. Glücklich wurde sie damit nicht.

 Bei ihrem Wechsel in die Pflege ließ sich Ehlers von den Medienberichten über den Fachkräftemangel in der Branche leiten. Kurzentschlossen meldete sie sich in einer Altenpflegeschule an, fand innerhalb von vier Tagen ein Heim für die praktische Ausbildung und holte sich vom Arbeitsamt die Zusage für finanzielle Unterstützung.

 Drei Jahre lang lernte sie, bevor sie 2012 fertig wurde. Indra Ehlers sagt, dass sie noch immer in den Beruf und ihre Leitungsfunktion hineinwächst. Jetzt im September wird sie ihre mündliche Prüfung für die Zusatzqualifikation als Pflegeleitung ablegen. Außerdem gehören Fortbildungskurse fest in den Jahresablauf. Vertiefen will sie demnächst etwa ihre Kenntnisse in der Sterbebegleitung.

 Bis zur Rente sind es noch mehr als 20 Jahre. Wird sie ihren jetzigen Beruf bis dahin ausüben? „Es gibt keinen härteren Job als den, den ich hier mache“, sagt Indra Ehlers. In der Pflege könne man mit Mitte 60 nicht noch arbeiten. Außerdem bekämen viele Beschäftigte mit den Jahren einen Tunnelblick, andere würden durch von manchem Arbeitgeber regelrecht verheizt. Sie selbst denkt in einer kürzeren zeitlichen Spanne: Ehlers will in den nächsten drei Jahren daran arbeiten, das „Haus am See“ auf Vordermann zu bringen.

 Dazu gehört es nach ihrem Verständnis nicht nur, sich um die Verwaltung und Organisation zu kümmern, sondern selbst immer noch mit „am Bett“ zu stehen und sich um die 48 Bewohner des „Hauses am See“ zu kümmern. „Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann kann ich das nur, wenn ich den Menschen, den es betrifft, auch kenne“, sagt sie. Mit ihrem Job im Altenheim ist Ehlers inzwischen zur Familienernährerin aufgestiegen. Ihr Mann kann seinen erlernten Beruf als Maurer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben und hangelt sich mit Fahrdiensten durch. „Ich bin die Vollverdienerin.“ Auch ihre älteste Tochter, inzwischen 17 Jahre alt, strebt in die Pflege. „Ich habe ihr gesagt, sie soll richtig was draus machen“, sagt Indra Ehlers. Denn Zukunft, die hat der Beruf.

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