16 ° / 11 ° Regen

Navigation:
Gaststättenverband beklagt Fachkräftemangel

Nord- und Ostsee Gaststättenverband beklagt Fachkräftemangel

Wenn die Strandbar eher schließt: Zu Beginn der Hauptsaison sind im Hotel- und Gaststätten-Gewerbe noch 2000 Stellen unbesetzt. Über die Gründe für den Mangel an Kellnern und Zimmermädchen wird gestritten.

Voriger Artikel
Hapag-Lloyd plant neue Allianz mit fünf Reedereien
Nächster Artikel
Eine Kiste macht Karriere

Zu Beginn der Hauptsaison sind im Hotel- und Gaststätten-Gewerbe noch 2000 Stellen unbesetzt.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Kiel. Mit dem Pfingstwochenende strömen wieder zahlreiche Urlauber in die Ferienorte an Nord- und Ostsee. Doch die Gaststätten und Hotels suchen noch händeringend Personal, das sich gebührend um die Gäste kümmern kann. „Die Betriebe haben Schwierigkeiten, ihre Stellen mit geschulten Kräften zu besetzen“, sagte Stefan Scholtis, Landesgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Kiel. Häufig fehlten Köche, aber auch Service-Personal.

„Das geht so weit, dass aus einem Ruhetag zwei werden, die Außengastronomie oder die Speisekarte kleiner ausfällt“, sagte Scholtis. Andere Kneipen machten womöglich eher dicht. „Die Betriebe können nicht so arbeiten, wie sie es gern würden“, sagte er.

Die Agentur für Arbeit bestätigte diesen Trend. Im April 2016 seien in Schleswig-Holstein 2041 offene Stellen im Bereich Gastgewerbe und Hotellerie gemeldet gewesen, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Das sind 141 oder 7,4 Prozent mehr als noch im April 2015. Auch unter den Top Ten der unbesetzten Ausbildungsplätze sind Koch (Platz 3) und Hotelfachmann (Platz 8) mit jeweils 348 beziehungsweise 240 offenen Lehrstellen vorne dabei.

Selbst in den Wintermonaten stieg der Behörde zufolge inzwischen die Nachfrage nach Beschäftigten. In den Zahlen zeige sich, „dass ganzjährige Tourismusangebote und Beschäftigungsverhältnisse zunehmen“, sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur.

Problem: Demografischer Wandel

Als Hauptgrund für den Fachkräftemangel macht Dehoga-Chef Scholtis den demografischen Wandel aus. „Die Zahl der Schulabgänger sinkt“, klagte er. Dementsprechend würden sich immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung in der Branche entscheiden. Für Finn Petersern von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind die Betriebe dagegen selbst schuld: „Das hängt mit den Arbeitsbedingungen zusammen, schlecht bezahlt, am Wochenende, Mehrarbeit“, sagte er. Hinzu komme eine hohe Abbrecherquote unter Auszubildenden. Haupt-Koopmann von der Arbeitsagentur formulierte es so: „Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe stehen im harten Wettbewerb mit anderen Branchen.“

Trotzdem ist der Anteil sozialversicherungpflichtiger Arbeitnehmer in der personalintensiven Branche zuletzt stark angestiegen. So arbeiteten im Februar 2016 nach Angaben der Arbeitsagentur 2300 mehr Menschen regulär angestellt als noch im Februar 2015 (+7,4 Prozent). Die Zahl der Minijobber sinkt. Für NGG-Geschäftsführer Petersen ist das eine Folge des Mindestlohns - und den damit verbundenen Aufzeichnungspflichten. Mini-Jobber lohnten sich für viele Betriebe gar nicht mehr, weil sie sie bei 8,50 Euro Lohn nur noch kaum mehr als 50 Stunden im Monat einsetzen könnten.

Wie kann der Fachkräftemangel also behoben werden? Dehoga-Chef Scholtis wünscht sich von der Politik eine flexiblere Arbeitszeitregelung. „Jeder Betrieb sollte die täglichen Arbeitszeiten variabel festsetzen können“, forderte er. Statt der täglichen Obergrenze von zehn Stunden solle es eine Wochenarbeitszeit-Regelung geben. So könne die Gastronomie zu Hochzeiten einen Kellner auch mal länger arbeiten lassen. Für NGG-Mann Petersen ein Unding. Bessere Arbeitsbedingungen könnten helfen, sagte er - und plädierte etwa für versetzte Arbeitszeiten.

Von all dem bekommen die Touristen in den Ferienorten noch wenig mit. Auch gibt es dem Dehoga zufolge noch genügend Restaurants: „Die gastronomische Versorgung ist gewährleistet“, betonte Scholtis trotz Fachkräftemangel.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3