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TKMS will Chef der Werftsparte ersetzen

Konzernspitze TKMS will Chef der Werftsparte ersetzen

Bei der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) herrscht Unruhe in der Belegschaft. Grund sind die letzten Meldungen aus der Konzernzentrale in Essen. Der Vorstand des ThyssenKrupp-Konzerns will offenbar nach dem verlorenen U-Boot-Auftrag aus Australien die Werftsparte umstrukturieren.

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Das neue U-Boot „S42“ kommt am Freitag bei ThyssenKrupp Marine Systems erstmals zu Wasser. Das Boot gehört zum Export-Typ HDW 209/1400.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Dabei soll es auch um eine Neuausrichtung der Werft gehen, die als Weltmarktführer beim Bau konventioneller U-Boote gilt.

Laut der Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ trifft die Neuaufstellung zuerst die Spitze des Unternehmens. Der für den Marinebereich zuständige Vorstand Hans Christoph Atzpodien (60) soll demnach seinen Posten in Kürze räumen und das Unternehmen verlassen. Den Bericht dementierte der Konzern am Donnerstag nicht. „Wir nehmen dazu keine Stellung“, hieß es dazu knapp aus Essen.

 Hans Christoph Atzpodien hat den Umbau des Werftkonzerns ab 2007 an den Standorten Kiel, Hamburg und Emden von einer Universalwerft hin zu einer reinen Marinewerft forciert. Mit ihm als Vorstand wurde 2013 auch der Hauptsitz des Werftkonzerns von Hamburg nach Kiel verlegt. „Wir haben als Arbeitnehmerseite in den letzten Jahren auf vielen Feldern mit ihm als Vorstand konstruktiv zusammengearbeitet“, sagte Peter Seeger, Geschäftsführer der IG Metall Kiel-Neumünster. Es habe aber auch Konflikte gegeben: „Es wurde aus unserer Sicht zu wenig über die Zukunftsperspektiven diskutiert“, so Seeger.

 Wer auf Atzpodien im Vorstand des Essener Konzerns folgen soll, ist noch unklar. Diese Frage soll nach Informationen unserer Zeitung Ende September bei einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats auf der Tagesordnung stehen. Der Abschied vom Chef der Marinesparte wird nicht die einzige personelle Veränderung bei TKMS sein, auch in der Geschäftsführung der Kieler Werft in Kiel stehen Wechsel an. Ende September scheidet der Personal-Geschäftsführer Walter Klausmann (64) aus. Er geht wie geplant in den Ruhestand und übergibt diese Aufgabe an Sabine Maaßen. Die 50-Jährige war bislang Justitiarin der IG Metall und wird zukünftig das Personalressort als Arbeitsdirektorin der Werft leiten.

 Ebenfalls Ende September verlässt Torsten Könker (52) die Geschäftsführung in Kiel. Er war zuständig für Compliance, Qualitätsmanagement und Projekt-Strategie und soll eine andere Funktion im Konzern übernehmen, teilte ThyssenKrupp mit. Seine Aufgabe übernahm bereits am 1. August Tilo Quink (45), der zuvor für ThyssenKrupp in China tätig war. Weitere personelle Veränderungen sollen in den kommenden Wochen erfolgen, war aus Konzernkreisen zu hören. Ob auch Andreas Burmester als Vorsitzender der Geschäftsführung des TKMS-Werftkonzerns von den Umstrukturierungen betroffen ist, ist noch unklar.

 Auch wie es mit der Fertigung am Standort Kiel mit mehr als 2300 Mitarbeitern im U-Boot langfristig weitergeht, ist noch offen. Derzeit ist die Werft gut ausgelastet. Neben Booten für Ägypten (siehe Infokasten) baut sie zwei U-Boote für Singapur und ein U-Boot für Israel. Aktuell wird die Werft umgebaut und für neue U-Boottypen fit gemacht. TKMS befindet sich im Wettbewerb um den Bau von U-Booten für Indien und Norwegen. Ein Auftrag über die Modernisierung von zwei indischen U-Booten hatte TKMS gerade bekommen. Weitere potenzielle Kunden sind die Niederlande und Kanada.

 Der Verlust des Australien-Auftrags hatte den deutschen ThyssenKrupp-Konzern Ende April überraschend getroffen. Einer der Gründe für die Vergabe des Auftrags an den französischen Staatskonzern DCNS sollen Größe und Fähigkeiten des in Frankreich entwickelten U-Boottyps „Barracuda“ sein. Dieser Typ kann auf Wunsch mit Nuklear-Antrieb ausgerüstet werden, ist schneller und kann mit schweren Flugkörpern bewaffnet werden. Die Kieler U-Boote zeichnen sich hingegen durch defensive Fähigkeiten aus.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Es war ohne Frage eine herbe Schlappe, als der ThyssenKrupp-Konzern beim Rennen um den heiß umkämpften Australien-Auftrag leer ausging. Die Schuld daran trugen aber nicht die U-Bootbauer in Kiel. Die Qualität ihrer Produkte ist weltweit spitze.

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