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Schlappe für die Meyer Werft

Kreuzfahrtschiff-Bauer Schlappe für die Meyer Werft

Die Meyer Werft in Papenburg kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus: Erst wollte der Schiff-Bauer die Konzern-Holding nach Luxemburg verlegen, um keinen Aufsichtsrat einrichten zu müssen. Donnerstag hat das Unternehmen nun den Rechtsstreit mit dem fristlos gekündigten Betriebsratschef vor dem Arbeitsgericht Lingen verloren.

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Starke Rückendeckung für Ibrahim Ergin: Der fristlos gekündigte Betriebsratsvorsitzende der Meyer Werft in Papenburg (Niedersachsen) wurde kurz vor dem Prozess vor dem Arbeitsgericht in Lingen von etwa 250 Gewerkschaftsmitgliedern und Beschäftigten der Meyer Werft begleitet, die sich mit dem 40-Jährigen solidarisch erklärten.

Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Kiel/Lingen. Die Geschäftsleitung habe nicht vollständig ihre Pflicht erfüllt, den Betriebsrat über den Grund der Kündigung zu informieren, sagte der Direktor des Arbeitsgerichtes, Christoph Schmedt. Der Geschäftsführer der Werft, Lambert Kruse, kündigte an, die nächste Instanz anzurufen.

 Für Peter Seeger, Geschäftsführer der IG Metall Kiel-Neumünster, ist dieses Urteil ein klares Signal: „Die Vorwürfe gegen Herrn Ergin treffen einfach nicht zu, das weiß ich aus persönlichen Gesprächen.“ Seeger bezeichnete die Auseinandersetzung mit Ergin, der seit März Betriebsratsvorsitzender in Papenburg ist, als „Rachefeldzug“ und „Hetzjagd“. Werft-Chef Bernhard Meyer habe den Betriebsrat unter Druck gesetzt, um einen Aufsichtsrat zu verhindern. Auch Ernst Kiel, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Kieler Werft Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS), ist entsetzt über den Streit in Papenburg: „Hier in Kiel gehen wir in Konfliktsituationen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern anders miteinander um.“ Für die Schiffbaubranche habe eine solche gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Betriebsrat negative Folgen: „Da sehe ich einen Riss, einen Bruch, der uns allen nicht gut tut.“

 Äußerst kritisch bewertet Kiel in diesem Zusammenhang den Grund für die fristlose Kündigung seines Kollegen Ergin: Demnach soll die Werftführung Aussagen von Auszubildenden nachgegangen sein, in denen angeführt wurde, dass Ergin diese 2011 und 2012 genötigt haben soll, in die IG Metall einzutreten. „Das ist nur eine vorgeschobene Geschichte“, mutmaßt Kiel. Natürlich könnten sich Betriebsräte dafür einsetzen, Beschäftigte als Gewerkschaftsmitglieder zu gewinnen.

 „Die Meyer Werft will ein Exempel statuieren“, sagte Hans-Jochen Tombarge, IG-Metall-Bevollmächtigter und Betriebsratsvorsitzender bei Danfoss in Neumünster. Einen vergleichbaren Fall habe er in der Region „noch nie erlebt“. „Der Betriebsrat ist zwar nicht für die Harmonie im Betrieb zuständig – ein solcher Prozess ist aber eine harte Nummer.“ Tombarge lobte die Solidarität der etwa 250 Gewerkschafter und Beschäftigten der Meyer Werft, die für Ibrahim Ergin vor dem Arbeitsgericht demonstrierten: „Da muss man Zeichen setzen.“

 Werft-Geschäftsführer Lambert Kruse wehrt sich gegen Vorwürfe einer Kampagne: „Es geht nicht um den Betriebsrat“, sagte er. Man werfe dem Betriebsratsvorsitzenden Ergin persönliches Fehlverhalten vor. Gleiche Konsequenzen würde die Werft auch bei anderen Mitarbeitern ziehen. Die Vorwürfe gegen Ergin waren erstmals in diesem August bekanntgeworden, Mitte September unterrichtete das Unternehmen den Betriebsrat und wollte die Zustimmung zur fristlosen Kündigung des 40-Jährigen. Der Betriebsrat lehnte ab, die Werft rief das Arbeitsgericht an. Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, forderte unterdessen die Meyer Werft auf, zu einer sachlichen und konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und ihrem Vorsitzenden zurückzukehren. „Ibrahim Ergin ist und bleibt der Betriebsratsvorsitzende der Meyer Werft. Das muss auch die Geschäftsführung nach dem Beschluss des Gerichts endlich einsehen.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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