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Kieler Werftchefin fordert Tempo bei Marine-Aufträgen

Kritik am Bund Kieler Werftchefin fordert Tempo bei Marine-Aufträgen

Auftragsvergabe des Bundes zu langsam? Die Chefin von German Naval Yards kritisiert, Unternehmen warteten zulange auf Entscheidungen aus Berlin. Sie stößt eine Debatte über die Zukunft der Branche an.

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Die "El Moudamir" hat German Naval Yards für Algerien gebaut.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Die Kieler Werftchefin Susanne Wiegand fordert vom Bund mehr Tempo bei der Vergabe von Marine-Aufträgen. „Wenn wir so weiter machen wie bisher und uns ungemein langwierige Beschaffungsprozeduren leisten, werden wir in Deutschland die notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten sukzessive verlieren, weil viele Unternehmen nicht noch länger auf Aufträge warten können“, sagte die Geschäftsführerin der German Naval Yards. So sehr das Geschäft mit den Kreuzfahrtschiffen boome, so sehr sei der mittlerweile deutlich reduzierte Bestand an Marinewerften bedroht.

Den geplanten Stellenabbau bei der Hamburger Werft Blohm+Voss wollte Wiegand nicht kommentieren. „Grundsätzlich aber zeigen die aktuellen Vorgänge in der deutschen Werftindustrie, wie dringend wir ein Umdenken in der Politik brauchen“, sagte die Werftchefin. Die hiesigen Marinewerften seien mittlerweile „so reduziert, dass wir alle noch vorhandenen Kapazitäten brauchen, um die anstehenden Aufgaben überhaupt bewältigen zu können“. Daher forderte Wiegand: „Es muss Schluss sein damit, dass deutsche Werften bei Großaufträgen gegenseitig ausgespielt werden.“

Die Bundesregierung wolle die Verteidigungsausgaben signifikant erhöhen, die Deutsche Marine ihre Flotte modernisieren, sagte Wiegand. Neben den sechs geplanten Mehrzweckkampfschiffen (MKS 180) und fünf Korvetten werde es absehbar weitere Bauaufträge geben, beispielsweise für Betriebsstofftanker. „Dazu braucht Deutschland aber auch die entsprechenden Kompetenzen, Kapazitäten und Arbeitskräfte. Und dies gilt nicht nur für die Werften, sondern auch für die vielen Zulieferer, die ganze Wertschöpfungskette – von Schleswig-Holstein bis Bayern.“

Wiegand begrüßte die Pläne der Bundesregierung, allerdings warnte sie vor einer weiteren Schwächung des deutschen Marineschiffbaus: „Die Bundesregierung würde sich in eine Abhängigkeit begeben, da sie gezwungen wäre, zunehmend wichtige Technologien im Ausland zu beschaffen. Das ist weder industriepolitisch sinnvoll noch sicherheitspolitisch vertretbar.“

Die Werftchefin will deshalb eine politische Debatte anstoßen. „Nach meiner Auffassung müssen wir jetzt dringend darüber diskutieren, wie wir die Beschaffungsprozesse verbessern und diese sensible Industrie strukturell so aufstellen, dass Deutschland die übergeordneten sicherheitspolitischen Ziele und die berechtigten Anforderungen unserer Bündnispartner in der NATO erreichen und erfüllen kann.“

Ende Februar war bekannt geworden, dass die Hamburger Werft Blohm+Voss unter dem Dach der Bremer Lürssen-Gruppe neu aufgestellt wird. Dabei fallen rund 300 der bislang knapp 1000 Arbeitsplätze weg.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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