15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Aufgeben kam nicht in Frage

Küche Ahoi! Aufgeben kam nicht in Frage

Die besten Partys steigen in der Küche. Warum also dieses Zusammenfinden nicht aus der privaten Wohnungsküche herausholen und zum Geschäftskonzept machen, dachte sich die Silvia Janzen und eröffnete vor knapp einem Jahr ihren Gastronomiebetrieb „Küche Ahoi!“ am Blücherplatz.

Voriger Artikel
"Priwall Waterfront": Lübecker Bürgerschaft stimmt zu
Nächster Artikel
Bundesweite Greenpeace-Proteste an Shell-Tankstellen

Silvia Janzen setzt in der „Küche Ahoi!“ auf einen Mix verschiedener Geschäftsideen. Das Konzept geht auf, ist aber auch ein echter Fulltime-Job.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Einen Hochstapler und jede Menge Ärger gab es zum Start inklusive.

 Früher saß Silvia Janzen jeden Tag in einer Werbeagentur, beriet Kunden, entwickelte Strategien. 25 Jahre lang arbeitete sie selbstständig als strategische Planerin, acht Jahre davon als als Mitglied der Geschäftsleitung in einer großen Kieler Agentur. Lange Arbeitstage und Nachtschichten waren da keine Seltenheit. „Ich war schon immer ein Workaholic. Lieber mehr Arbeit als zu wenig.“ Doch irgendwann kam sie an einen Punkt, wo sie sich fragte: „Will ich diesen Job wirklich bis zum Ende meines Arbeitslebens machen?“

 Die Antwort der Unternehmerin lautete Nein. „Mit 50 kann man ja noch mal etwas Neues wagen. Ich wollte einen Erlebnisraum für Kommunikation und zum Kochen schaffen“, sagt die gebürtige Itzehoerin. Ohne viel Schickimicki – einfach etwas Bodenständiges und Ehrliches. „Und was ist ehrlicher als Kochen? Wenn du Sachen in den Topf schmeißt und es am Ende nicht schmeckt, lässt sich da schlecht was beschönigen.“

 Doch allein auf das Anbieten vegetarischer und veganer Küche mit regionalen Produkten wollte sich Silvia Janzen nicht verlassen. Neben dem zwei Mal pro Woche stattfindenden Café-Betrieb ist die Küche das Herz des Lokals, in dem neben Koch-Events auch -kurse stattfinden. „Hier werden Junggesellenabschiede, Geburtstage und Betriebsfeste gefeiert.“ Abseits des Kochens gibt es die Möglichkeit, sich einen Büroschreibtischplatz zu mieten. „Ich möchte so kreative Köpfe zusammenbringen“, sagt Janzen, die nebenbei selbst noch Unternehmensberatung und Marketing-Strategien anbietet. Zukünftig solle auch der Vertrieb von „Eingewecktem“ wie beispielsweise dem sattgelben Kieler Gemüsecurrys ein weiteres Standbein bilden. So wolle sie ihre Marke weiter auf dem Markt etablieren. „Außerdem setze ich voll auf Kooperationen – wie mit einem großen schwedischen Möbelhaus oder meiner ,Kochfrau´ Irmgard Zantopp, mit der ich demnächst ein Kochbuch mit veganen Rezepten veröffentlichen werde.“

 Die Buchungslage ist heute gut. Es sei jedoch nicht von Anfang an alles rund gelaufen, erinnert sich die studierte Betriebswirtin. „Ich hatte großes Pech bei der Auswahl meines ersten Büropartners, der sich zunächst als IT-Spezialist ausgab und später als polizeilich gesuchter Hochstapler herausstellte.“ Auch der Versuch, täglich einen veganen Mittagstisch mit frischen Bioprodukten anzubieten und parallel dazu das Ladencafé zu betreiben, lief nicht wirtschaftlich. „Das rechnete sich einfach nicht. Wir öffnen unser Café jetzt nur noch am Donnerstag, wenn Markt ist, und sonntags zum Frühstück.“ Ein weiterer Stolperstein sei die Personalakquise gewesen, sagt Janzen und ergänzt: „Heute kann ich zum Glück auf eine achtköpfige Stammmannschaft zurückgreifen.“

 Finanziert habe sie sich ihren Lebenstraum über Eigenkapital. „Ich bin sogar an meine Reserven, eine Lebensversicherung, gegangen.“ Als jahrelang Selbstständige seien ihr keine Fördermittel oder Kredite gewährt worden. Bereut habe sie allerdings nichts. „Ich arbeite heute zwar genauso viel wie früher, aber das ist in Ordnung. Schließlich macht mir meine Arbeit Spaß. Aufgeben kam nie in Frage.“ Allerdings gehöre schon eine ordentliche Portion Mut dazu, sich im Gastronomiebereich mit 50 noch einmal selbstständig zu machen. Wohlstand bringe ihr der neue Job nämlich noch nicht ein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3