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Das lange Warten auf die neue Küche

Küchen Factory Outlet Das lange Warten auf die neue Küche

Die Beratung: kompetent. Die Küche: schick. Der Preis: mehr als in Ordnung. Und so schlug Svenja P. (Name geändert) zu. Gut vier Monate ist es nun her, seit die Angestellte aus Kiel den Vertrag mit der KFO Handelsgesellschaft mbh & Co. geschlossen hat. Auf ihre Küche wartet sie bis heute.

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Gravierende Folgen für einige Kunden: Discountanbieter Küchen Factory Outlet ist pleite.

Quelle: Michael Kaniecki

Schwentinental/Hamburg. 6430 Euro sollte die Küche kosten, knapp 2000 zahlte Svenja P. sofort, der Rest sollte bei Lieferung in bar beglichen werden. „Fast hätte ich die ganze Summe gleich bezahlt, jetzt bin ich froh, dass ich das nicht getan habe“, sagt die 56-Jährige. Die Küche ist bis heute nicht da, und ob sie jemals kommt, steht in den Sternen. Denn der Discountanbieter Küchen Factory Outlet aus Schwentinental ist pleite.

Nachdem das Amtsgericht Neumünster den Insolvenzantrag von Geschäftsführer Andreas Paul wegen fehlender Unterlagen zunächst nicht bearbeiten wollte, wurde inzwischen der Hamburger Anwalt Jens-Sören Schröder als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. 21 Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende, müssen in Schwentinental und beim KFO-Ableger in Lübeck um ihren Arbeitsplatz bangen. Nach Angaben Schröders weist die KFO-Auftragsliste für beide Standorte fast 190 laufende oder noch nicht vollständig abgewickelte Aufträge aus. Mehr als 150 Kunden haben sich bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein gemeldet.

Hoffnungen für Kunden gibt es kaum

Große Hoffnungen, dass doch noch alles gut wird, können weder Verbraucherschützer noch Schröder den Betroffenen machen. Denn auch die Lieferanten haben Forderungen an das KFO, und die haben in der Regel Vorrang. Derzeit prüft Schröder, „wie über die Hersteller eine Auslieferung der Waren noch erfolgen kann.“ Schadenersatzforderungen können Kunden erst nach Eröffnung des Verfahrens zur Insolvenztabelle anmelden.

Wie es zu der Pleite kam, ist bislang noch offen. Nach Angaben Schröders verweist eine von der KFO hinzugezogene Unternehmensberaterin auf ein „deutlich erhöhtes Reklamationsvolumen“. Die Liste der Mängel, über die KFO-Kunden berichten, ist lang: Ein Kücheneinbau zog sich über sieben Monate hin, Mitarbeiter erschienen nicht zum Ausmessen, beim Einbau wurden Elektrogeräte nicht angeschlossen, Teile fehlten, Arbeitsplatten wurden verschnitten.

"Doch lieber woanders kaufen"

Hanna Doreen Jeske, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, rät Küchenkäufern daher dringend von hohen Vorauszahlungen ab: „Denn wenn man sich darauf einlässt, gibt man natürlich auch Druckmittel aus der Hand.“ Wenn der Verkäufer auf einer Vorauszahlung besteht, sollte der Kunde im Gegenzug auf eine Bankbürgschaft pochen. Und wenn der Händler sich darauf nicht einlassen will? „Dann“, sagt Jeske, „sollte man seine Küche doch lieber woanders kaufen.“

Svenja P. hat in ihrer Küche einen Campingtisch aufgestellt und sich von Freunden einen Kühlschrank und zwei Kochplatten geliehen. Dass die neue Einbauküche noch kommt, glaubt sie nicht mehr. Doch solange ihr das nicht schwarz auf weiß bescheinigt wurde, kann sie auch nicht einfach irgendwo anders eine neue Küche bestellen. Denn ist eine Küche bereits angezahlt, aber noch nicht ausgeliefert, hat der Insolvenzverwalter ein Wahlrecht, ob er das Geschäft durchführt oder ablehnt. Jeske: „Bis dahin sollten Verbraucher vorsichtshalber nicht woanders eine neue Küche bestellen.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Insolvenzantrag Küchen Factory
Foto: Das Geschäft in der Gutenbergstraße in Schwentinental ist geschlossen, am Eingang klebt ein Zettel mit einer Telefonnummer, unter der aber niemand zu erreichen ist.

Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt vor dem Geschäftsgebaren des Küchen Factory Outlets (KFO/Schwentinental). Und im Internet häufen sich die kritischen Kommentare („Katastrophe“, „Finger weg“) über das Unternehmen. Jetzt hat Geschäftsführer Andreas Paul Insolvenzantrag gestellt.

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