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Diebstahl: Handel will härtere Strafen

Organisierte Banden Diebstahl: Handel will härtere Strafen

Der Einzelhandel fordert ein härteres Vorgehen gegen Ladendiebe. Immer häufiger schlagen professionelle Banden in den Geschäften zu. Allein in Schleswig-Holstein lag der wirtschaftliche Schaden im vergangenen Jahr bei 83 Millionen Euro.

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Laut Polizeistatistik wurden im vergangenen Jahr 1061 schwere Ladendiebstähle angezeigt

Quelle: Ulf Dahl (Symbolfoto)

Kiel. „Die Mindeststrafen müssen angehoben und gefasste Täter schneller verurteilt werden“, verlangt Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Nord in Kiel.

Laut Polizeistatistik wurden im vergangenen Jahr 1061 schwere Ladendiebstähle angezeigt – ein Plus von 342 Fällen, was einer Steigerung von 47,6 Prozent im Vergleich zu 2015 entspricht. In Kiel ist der Zuwachs noch größer: Dort stieg die Zahl der Fälle, bei denen Diebe bewaffnet oder als Gruppe unterwegs waren, von 25 auf 66 – ein Plus von 164 Prozent. Besonders erschreckend ist laut Böckenholt, dass der Anteil organisierter Tätergruppen in den vergangenen drei Jahren um 30 Prozent zugenommen hat.

Unternehmen rüsten auf

Die Konsequenz: Die Unternehmen rüsten auf. Laut Handelsverband Nord hat die Branche allein in Schleswig-Holstein 48 Millionen Euro in Sicherheitstechnik investiert. Dennoch stehen die Betriebe auf verlorenem Posten: „Die Qualität, mit der die Kriminellen zur Tat schreiten, ist alarmierend“, so Böckenholt. Jacken würden mit präparierten großen Taschen versehen. Um Sicherheitsetiketten abzuschirmen, würden diese zusätzlich mit Aluminiumfolien ausgeschlagen. „Es gibt auch immer wieder Fälle, in denen Diebe Gürtel tragen, an denen spezielle Halterungen für Spirituosen oder Parfüms angebracht sind“, berichtet der Verbands-Chef. Eine besonders beliebte Masche sei der fingierte Streit: „Die Bandenmitglieder zetteln eine Schlägerei an, lenken alle Aufmerksamkeit auf sich – und während die Angestellten den Streit schlichten, schlagen die Komplizen zu“, sagt Böckenholt.

Sein Verband, der 33000 Betriebe in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern vertritt, verlangt konsequente Strafverfolgung. „Das beschleunigte Strafverfahren muss stärker angewendet werden, Täter ohne festen Wohnsitz müssen bis zur Hauptverhandlung in Haft bleiben“, so Böckenholt. Das Amtsgericht Neumünster und die Staatsanwaltschaft Kiel seien vorbildlich, „häufig hapert es allerdings an den Gerichten“. Viel zu oft würden Strafverfahren eingestellt. Eine Einschätzung, die Thomas Nommensen von der Deutschen Polizeigewerkschaft teilt: „Die chronisch unterbesetzte Polizei hat kaum Zeit, sich mit Ermittlungen wegen Ladendiebstahls intensiv zu befassen.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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