21 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Der Herr der Steine

Lego-Versandhandel Der Herr der Steine

Er versorgt jeden mit Legosteinen nach Wunsch und Farbe: Bei der Post in Schacht-Audorf kennt man Heiner Tramp schon. Jeden Morgen gibt der 56-Jährige dort einen Schwung an Päckchen und Paketen ab.

Voriger Artikel
EU-Fischereireform zwingt zur Modernisierung der Flotte
Nächster Artikel
Zugdrachen-Hersteller SkySails erfolgreich mit Software

Rund 1500 unterschiedliche Steine und Figuren hat Heiner Tramp inzwischen im Angebot.

Quelle: Björn Schaller

Schacht-Audorf. Danach geht es sofort weiter zur Annahmestelle vom Hermes-Versand, wo er die nächste Ladung einliefert. Tramp verkauft Legosteine in alle Welt – hauptberuflich. Schon vor mehr als zehn Jahren hat er sich mit dem Versandhandel selbstständig gemacht. Der Laden brummt.

Der Lego-Versand ist nicht die erste Firma, die Tramp aufgebaut hat. Er war einst Mitbegründer des IT-Unternehmens Cabus. Gut 15 Jahre lang war Tramp in der Branche tätig, bis sich sein Weg und der der Firma im Jahr 2002 schließlich trennten. Das hatte mehrere Gründe, sagt er im Rückblick, unter anderem hatten er und die Aktionäre unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich Cabus weiterentwickeln sollte. „Die Firma war nicht mehr mein Baby.“ Außerdem fraß der Job viel Zeit, für die Familie blieb wenig Luft, die Ehe zerbrach. „Ich wollte so nicht weitermachen“, sagt er. „Und ich wollte wieder mehr selbst machen.“

"Alle Männer spielen gerne"

So entwickelte er die Idee, seine Brötchen künftig mit dem Verkauf von Lego zu verdienen. Das Spielen mit den kleinen Plastik-Klötzchen war damals das große Hobby seiner Tochter – und auch sein eigenes. „Alle Männer spielen gerne.“ Aus eigener Erfahrung wusste er, dass es aufwendig und teuer war, einzelne Bausteine nachzukaufen. Und noch schwieriger war es, spezielle Figuren zu bekommen, wenn man nicht gleich ein ganzes Set erwerben wollte. „Genau das anzubieten“, sagt Tramp heute, „das war die Marktlücke.“

Während er in der Anfangszeit gebrauchte Steine anbot, vertreibt er heute nur noch Neuware. Tramp kauft dutzende Lego-Sets und verkauft die Einzelteile separat weiter. Wie rechnet sich das Geschäftsmodell? Tramp vergleicht das Konzept mit dem Verkauf von Kfz-Ersatzteilen: „Würde man alle Bestandteile eines Autos einzeln kaufen, müsste man viel mehr als für einen Neuwagen bezahlen.“ Genauso erwirtschaftet auch Tramp seinen Gewinn.

20 bis 60 Sendungen täglich

Von Anfang an war das Internet sein einziger Vertriebsweg. Heute ist Tramp auf zwei Verkaufsportalen vertreten: Bei Ebay und auf der Plattform Bricklink.com, der weltgrößten Lego-Verkaufsbörse. Dort findet er Abnehmer für seine Steine rund um den Globus. Rund 40 Prozent der Bestellungen kommen aus dem Ausland, schätzt er. Und die haben meist ein größeres Volumen als die aus dem Inland. Ware im Wert von bis zu 1000 Euro verschickt Tramp mitunter – gegen Vorkasse. „Ich habe einen guten Ruf“, sagt Tramp, „und ich habe recht viele Stammkunden.“

Über den Sommer sind es jeden Tag gut 20 Sendungen, die Tramp aufgibt. Im Weihnachtsgeschäft schnellt die Zahl wieder auf gut 60 hoch. „Die Logistik muss funktionieren“, betont er, „sonst rechnet sich das alles nicht.“ Zum Verpacken der Steine beschäftigt Tramp eine Aushilfe. Sein Sortiment umfasst inzwischen rund 1500 verschiedene Steine und Figuren. Einige davon lassen sich teurer verkaufen, die Standardsteine sind für ihn weniger lukrativ. Manches Klötzchen muss er am Ende verramschen. „Daher schaue ich mir natürlich sehr genau an, welche Packungen ich kaufe, um den Beifang gering zu halten.“

Ein Hobby ist Lego für Tramp längst nicht mehr. In seiner Freizeit beschäftigt er sich lieber mit Fotografie.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3