8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Militärpolizei stürmt auf Thyssen-Krupp-Gelände

Malmö Militärpolizei stürmt auf Thyssen-Krupp-Gelände

Der Auftritt soll martialisch gewesen sein: Als die Vertreter von FMV, dem Ausrüster des schwedischen Militärs, bei Thyssen Krupp AB in Malmö vor dem Tor standen, wurden sie von der schwedischen Militärpolizei begleitet.

Malmö/Kiel. Einige Medienvertreter wollen gar den schwedischen Geheimdienst Säpo gesichtet haben. Das Ziel der ungewöhnlichen Aktion: Man wollte Sicherheitstechnik für das geplante schwedische U-Boot A26 abtransportieren. Offenbar will man verhindern, dass Thyssen Krupp in dem U-Boot-Streit mit Schweden das Material außer Landes schaffen könnte.

 Sowohl beim FMV als auch bei Thyssen Krupp bestätigt man den Vorgang, will aber keine Einzelheiten nennen. „Es hat einen regulären Transport von schützenswerter Ausrüstung stattgefunden, mehr kann ich nicht sagen“, meinte Louise Bjarke vom FMV. Über den Erfolg der Aktion gibt es widersprüchliche Informationen. Das FMV betätigte laut schwedischen Medien, dass man geheimes Material abtransportiert habe und deshalb der Polizeischutz notwendig gewesen sei.

 In Unternehmenskreisen von Thyssen Krupp wird hingegen bestritten, dass überhaupt Material das Gelände der Tochter TKMS AB in Malmö verlassen hat. Außerdem habe man grundsätzlich mit solch einer Aktion gerechnet. Und: Selbstverständlich werde man dem FMV das geben, wofür es die Rechte besitze. Schließlich werde man das A26 nicht bauen und benötige daher auch keine Teile oder Ausrüstung dafür. Aber was wem gehört – das ist offenbar strittig.

 So oder so zeigt die Aktion den abgrundtiefen Riss zwischen Thyssen Krupp und dem FMV. Der Streit war wie berichtet im Februar eskaliert, als das FMV die Verhandlungen mit Thyssen Krupp über den Bau von A26 abbrach und stattdessen Saab die künftige Ausrüstung mit Unterwasserfahrzeugen für die schwedische Marine in Aussicht stellte. Inzwischen sollen bereits 40 Fachleute der Thyssen-Krupp-Tochter TKMS AB in Malmö und Karlskrona zu Saab gewechselt sein. TKMS-AB-Mitarbeiter bestätigen, dass ihnen Thyssen Krupp einen Extra-Monatslohn am Jahresende in Aussicht gestellt habe. Vorausgesetzt, dass dann noch Dreiviertel der Belegschaft an Bord sei. „Aber“, so formuliert der Mitarbeiter, „noch viel mehr Kollegen verlassen das sinkende Schiff“.

 Im schwedischen Fernsehen TV4 hat derweil Saab-Chef Håkan Buskhe die Spekulationen weiter angeheizt. Es sei klar, dass man eine Werft benötige, und die habe Thyssen Krupp in Karlskrona. Man sei daher bereit, die Werft zu kaufen. Auf die Frage nach einem Zeithorizont antwortete Bushke: „Es wird sich eher um Monate als Jahre handeln.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH