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Aus dem Bankgeschäft in die Kunst

Flintbek Aus dem Bankgeschäft in die Kunst

Früher saß Manuela Rathje jeden Tag in der Bankfiliale, heute lässt sie Pinsel über die Leinwand gleiten. Die 53-jährige Bankkauffrau aus Flintbek hat sich vor zwei Jahren als Kunstpädagogin selbstständig gemacht.

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Beim Schritt in die Selbstständigkeit half ihr auch die Erfahrung aus der Bank. „Die Kundenakquise hatte ich drauf, das habe ich in 30 Jahren Vertrieb gelernt“, sagt Manuela Rathje.

Quelle: Frank Peter

Flintbek. Sanft taucht Manuela Rathje ihren Pinsel in hellgrüne Farbe, lässt ihn über die Leinwand gleiten. Sie arbeitet an einem Gemälde mit zwei Frauenköpfen, während sich nebenan eine Kursteilnehmerin an einem abstrakten Pferd versucht. Es riecht nach einer Mischung aus Farbe und Lösungsmitteln. Mittwochsmalerei heißt der Kursus, den Rathje an diesem Tag in ihrem Atelier Manou in Flintbek betreut. Die 53-Jährige hat sich vor zwei Jahren als Kunstpädagogin selbstständig gemacht.

Früher saß Manuela Rathje jeden Tag in der Bankfiliale, beriet Kunden, beschäftigte sich mit Zahlen. 30 Jahre lang arbeitete sie als Bankkauffrau, davon lange Zeit in einer Filiale im Kieler Stadtteil Düsternbrook. Malen war in dieser Zeit für sie nur Freizeitvergnügen. „Ich habe immer gedacht, ich würde in der Bank in Rente gehen“, sagt Manuela Rathje. Doch im Jahr 2010 wurde sie krank. Sie war ausgebrannt, setzte anderthalb Jahre im Job aus. Ihr Arbeitgeber bot ihr damals eine Erwerbsminderungsrente an, aber das wollte Rathje nicht. Sie wollte wieder arbeiten. „Als ich krank wurde, habe ich gemalt, gemalt, gemalt“, sagt sie. Ihr kam die Idee, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

 Einen Hang zur Kunst hatte Manuela Rathje schon immer. Bevor sie 1982 bei der Sparkasse anfing, hatte sie eine Ausbildung zur Bauzeichnerin gemacht. „Ich habe aber nur ein Jahr als Bauzeichnerin gearbeitet. Die Branche hatte damals ein Tief“, erzählt sie. „Meine Mutter arbeitete damals in der Bank und sagte: ,Komm doch lieber zu uns, das ist etwas Sicheres.’“ Unglücklich war Rathje mit dieser Entscheidung nicht: „Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt.“

 Als sie sich vor drei Jahren entschied, von der Bank zur Kunst zu wechseln, hätten sie viele in ihrem Umfeld für verrückt erklärt. Doch Rathje war sich sicher, das Richtige zu tun. Sie ließ sich nach dem kunstpädagogischen Reggio-Ansatz zur Atelierista weiterbilden. Den finalen Impuls gab ihr ein Existenzgründerseminar bei der Wirtschaftsakademie in Kiel, in dem sie sich damit auseinandersetzte, wie sie mit ihrer Kunst eigentlich Geld verdienen will.

 Beim Schritt in die Selbstständigkeit half ihr auch die Erfahrung aus der Bank. „Die Kundenakquise hatte ich drauf, das habe ich in 30 Jahren Vertrieb gelernt“, sagt sie. Auch die Buchhaltung sei kein Problem gewesen. Mit einem Gründungszuschuss von 1300 Euro pro Monat mietete sie zuerst in Kiel ein Atelier und arbeitete nach eigenen Angaben sofort kostendeckend. Später zog sie in ihr eigenes Atelier nach Flintbek um. Inzwischen hat Manuela Rathje mehrere Standbeine: Neben dem Verkauf ihrer Bilder und den Malkursen wird sie oft als Referentin gebucht.

 „Ich arbeite heute in Stunden mehr als früher“, sagt Rathje. „Aber es macht mich sehr zufrieden.“ Ihre Arbeit sei sehr dankbar. Sie freue sich immer wieder zu sehen, wie glücklich ihre Kursteilnehmer sind, wenn sie ihr erstes Bild fertig gemalt hätten. „In der Bank zählte nur das Ergebnis“, sagt sie. Hier sei es egal, was am Ende herauskomme, die Hauptsache sei die Freude und Begeisterung beim Malen. „Ich habe jetzt das Gefühl, ich habe meine Berufung gefunden.“

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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