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Staus vergraulen Spediteure

Marode Infrastruktur Staus vergraulen Spediteure

Die Spediteure in Schleswig-Holstein schlagen Alarm. Lastwagen stehen im Stau, Waren kommen nicht rechtzeitig zu ihren Kunden. Die marode Verkehrsinfrastruktur im Norden treibt die Kosten in die Höhe. Erste Unternehmen verlagern jetzt ihre Standorte.

Fockbek. Die Liste, die eine ganze Branche verzweifeln lässt, wird immer länger: A7-Ausbau, Rader Hochbrücke, Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels, Staus vor dem Elbtunnel. „Wir sind inzwischen von Deutschland abgehängt“, klagt Fritz Dethlefsen, Inhaber der Spedition Braase in Fockbek. Dort sind 50 Lkw-Einheiten stationiert – noch. Denn der Spediteur wird sich einen zweiten Standort aufbauen – südlich vom Stauland Schleswig-Holstein. In den nächsten Wochen sollen die ersten Lkw-Einheiten in den Raum Bremen verlagert werden. „Als Unternehmer brauche ich eine langfristige Perspektive“, sagt der Spediteur. Dazu gehöre auch, wie und in welcher Zeit der Warenverkehr durch das Land rollen kann. Mit dem Nadelöhr vor der Haustür sei kein Wachstum mehr möglich, so Dethlefsen. Seine Kunden sitzen in Dänemark oder in Süddeutschland. Und die wollen ihre Waren termingerecht vor Ort haben.

Die Kostenrechnung der Fockbeker Spedition, die europaweit tätig ist, ist beispielhaft für die gesamte Logistikbranche: Im vergangenen Jahr verlor jeder Lkw im Durchschnitt elf Minuten auf der Strecke von Fockbek zum Kreuz Hamburg-Maschen, das entspricht innerhalb einer Woche knapp 37 Stunden. „Damit steht ein Lkw-Fahrer von uns eine Woche lang nur im Stau“, rechnet Dirk Zernitz, Geschäftsführer der Spedition, vor. Das sei betriebswirtschaftlich eine Katastrophe. Die Zusatzkosten betragen allein für die Spedition Braase 150000 Euro im Jahr.

Braase ist kein Einzelfall. Die Kosten durch Wartezeiten und Umwege belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen immer mehr. Insgesamt 600000 Euro summieren sich täglich, wie der Logistikverband Schleswig-Holstein errechnet hat. „Und der Konkurrenzdruck aus Osteuropa wird immer größer“, sagt Geschäftsführer Thomas Rackow, der insgesamt 600 Unternehmen aus der Logistikbranche vertritt. Allein die ungewisse Zukunft der Rader Hochbrücke verunsichert die Spediteure. Erst ein Gutachten soll Klarheit bringen, ob die Autobahnbrücke länger als zwölf Jahre hält. Die Logistiker gehen inzwischen vom schlimmsten Fall aus.

Bereits jetzt ist die veraltete Brücke für Schwertransporte über 84 Tonnen gesperrt. Doch es liegen schon jetzt 44000 Anträge zur Genehmigung vor. „Die müssen alle dann über Ausweichrouten durchs Land fahren“, sagt Rackow. Er kritisiert, dass die Politik seit Jahren den drohenden Verkehrsinfarkt im Norden übersehen hat. „Das holt uns jetzt ein“, meint Rackow.

Fritz Dethlefsen, der Spediteur aus Fockbek, will nicht mehr so lange warten. Die Entscheidung, Teile des Unternehmens zu verlagern, sei ihm nicht leichtgefallen. „Aber in Schleswig-Holstein macht es einfach keinen Spaß mehr“, sagt er.

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Ein Artikel von
Olaf Albrecht
Holsteiner Zeitung

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