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Post kommt in zwei Wochen

Massen-Rückruf bei VW Post kommt in zwei Wochen

Ob ihr Diesel in die Werkstatt muss – das dürften die meisten der 2,4 Millionen in Deutschland vom Abgasskandal betroffenen VW-Kunden bereits herausgefunden haben, indem sie die Fahrzeug-Identifikationsnummer auf der Volkswagen-Website eingegeben haben. Doch in gut zwei Wochen erst werden die getäuschten Fahrzeuginhaber schriftlich erfahren, wie es weitergehen soll.

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Der ADAC Schleswig-Holstein warnt den Autobauer VW davor, sich durch ein Rückkaufprogramm seiner Verantwortung als Hersteller zu entziehen.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Wolfsburg/Kiel. „In 14 Tagen werden wir die Rückruf-Schreiben an die Kunden versenden“, sagte Unternehmenssprecher Michael Franke gestern dieser Zeitung. Dass die Kunden damit gut sechs Wochen seit Bekanntwerden der Rückrufaktion auf eine persönliche Information warten mussten, begründet Franke zum einen mit der großen Zahl betroffener Eigentümer („Allein das Drucken der Briefe dauert eine Woche“) sowie mit der Tatsache, dass für den Versand eine Firma zwischengeschaltet werden musste, da VW die Adress-Daten des Kraftfahrtbundesamtes aus Datenschutzgründen nicht selbst zu Gesicht bekommen darf.

 Ob VW an ein Rückkauf-Programm für betroffene Fahrzeuge denkt, ist weiter offen – ausschließen will Franke das nicht. Für den Konzern könnte sich eine Ankauf-Prämie vor allem dann lohnen, wenn nach einer Umrüstung zwar die Abgaswerte stimmen, jedoch die Leistungsdaten nicht mehr. „Dann könnte es Schadenersatzforderung geben“, sagt Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Kraftfahrzeuggewerbeverbandes Schleswig-Holstein. Würde der Konzern Fahrzeuge ankaufen und diese beispielsweise mit 130 statt 140 PS anbieten, könne er dieses Risiko umgehen.

 Der ADAC Schleswig-Holstein warnt den Autobauer davor, sich durch ein Rückkaufprogramm seiner Verantwortung als Hersteller zu entziehen: „Es darf keine Kompromisse geben“, sagt Sprecher Ulf Evert. „Alle geltenden Vorschriften und Versprechen müssen eingehalten werden.“ Weder Sontag noch Evert können sich vorstellen, dass VW betroffene Fahrzeuge, so wie sie sind, in Länder mit weniger strengen Abgasnormen exportiert. Einen derartigen Imageverlust werde der Konzern nicht riskieren. Dass ein Ankaufprogramm die Gebrauchtwagenpreise unter Druck bringen könnte, hält Sontag zwar für möglich, in größerem Ausmaß jedoch nicht für wahrscheinlich.

 Unterdessen bereiten sich die 60 Volkswagen Betriebe in Schleswig-Holstein auf den massenhaften Rückruf von VW-Fahrzeugen vor. „Die von uns für unsere Kunden eingerichtete Hotline wurde anfänglich intensiv in Anspruch genommen, inzwischen ist die Zahl der Anfragen zurückgegangen“, sagt Lars Hartwich von Schmidt & Hoffmann in Kiel. Die Stimmung der Kunden bezeichnet er als „grundsätzlich sachlich und verständnisvoll“. Exakte Auskünfte im Einzelfall jedoch müssen die Betriebe den Kunden weiter schuldig bleiben. Reicht ein Software-Update? Oder muss das Auto technisch nachgerüstet werden? „Welche Arbeiten nötig sind, wird momentan für jede betroffene Baureihe und jedes betroffene Modelljahr geprüft“, sagt VW-Sprecher Franke. Über das Prozedere in jedem Einzelfall würden die Kunden „in den nächsten Wochen und Monaten informiert“.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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