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Auf dem Weg zu guter Arbeit

Masterplan Wirtschaft Auf dem Weg zu guter Arbeit

Der erste Schritt ist gemacht: Auf dem Weg zu einem Masterplan für gute Arbeit in der Region Kiel waren sich die Teilnehmer eines vom DGB und der SPD organisierten Kongresses am Donnerstag einig: „Wir müssen viel miteinander reden, uns vernetzen und kooperieren“, fasste Frank Hornschu, Geschäftsführer der DGB-Region, zusammen.

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Viele Reinigungskräfte arbeiten in Teilzeit – die einen freiwillig, die anderen unfreiwillig.

Quelle: Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Kiel. Das Auftakttreffen im Kieler Legienhof nannte Hornschu gelungen: „Wir werden jetzt weiter daran arbeiten, dass Arbeit künftig so bezahlt wird, dass man davon leben kann.“ Auch wenn in den zurückliegenden zehn Jahren etwa 20 Prozent mehr sozialversicherungspflichtige Jobs in Kiel entstanden seien, gäbe es einen „besorgniserregenden“ Trend hin zu problematischen Arbeitsverhältnissen. Von 120000 Jobs in Kiel seien 69000 „atypisch“, also auf Basis von Werksverträgen, Teilzeit- und Minijobs oder durch Befristungen abgeschlossen. „Viele klassische Jobs werden zum Beispiel im Handel umgewandelt und zerschlagen, das führt bei den Menschen zur Verunsicherung und später in die Altersarmut“, argumentierte Hornschu. Deshalb müsse mit „allen beteiligten Akteuren“ wie den Arbeitgebern, der Politik, den Schulen, der Arbeitsagentur oder den Gewerkschaften ein „ständiger und verbindlicher“ Dialog aufgenommen werden. Entscheidend für das Angebot an guter Arbeit sei zudem die Wettbewerbsfähigkeit und auch Neuansiedlung von Industriebetrieben in Kiel: „Ein solcher Arbeitsplatz kann bis zu vier Jobs im Dienstleistungsgewerbe nach sich ziehen.“

Unternehmensverband und Jobcenter offen

Auch Ingo Scheuse vom Unternehmensverband (UV) Kiel, der für 340 Betriebe mit 41000 Beschäftigten steht, zeigte sich aufgeschlossen: „Wir müssen den Menschen hier in der Region eine dauerhafte Arbeitsperspektive bieten, junge Leute an die Unternehmen binden und Langzeitarbeitslosen eine Chance geben.“ Allerdings, schränkte Scheuse ein, würden Zeitarbeit und Teilzeit nicht zwingend gegen gute Arbeit sprechen: „Teilzeit wird oftmals von den Beschäftigten gewünscht, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Und Zeitarbeit ist für manche Unternehmen wichtig, um am Markt reagieren zu können.“

Als „sehr ambitioniertes Ziel“ bezeichnete Karsten Böhmke vom Jobcenter Kiel den Weg zu einem Masterplan für die Stadt Kiel: 24000 erwerbsfähige Kieler seien in der Grundsicherung, „da brauchen wir viele individuelle Masterpläne“. Unterstützung würde das Jobcenter durch gezieltes Coaching bieten. „Allerdings verlange ich von unseren Kunden auch mehr Flexibilität. Wenn Jobs ausgeschlagen werden, weil man vom Ost- auf das Westufer fahren muss, dann ist das problematisch.“ Aber auch die Arbeitgeber müssten sich bewegen: „Ein Einkommen muss wieder reichen, um eine Familie zu ernähren.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Was macht gute Arbeit aus? Ein festes, verlässliches Einkommen; Sicherheit des Arbeitsplatzes; Spaß bei der Arbeit – und nicht zuletzt, dass man von seinen Vorgesetzten anständig behandelt wird.

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