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Treibstoff für den Karriereturbo

Meister-Bafög Treibstoff für den Karriereturbo

Ab dem 1. August soll dank einer Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) das Meister-Bafög erhöht werden. Dann steigen die Unterhaltssätze für Fortbildungsteilnehmer. Bekamen Singles bislang höchstens 697 Euro im Monat, so erhalten sie nun maximal 768 Euro.

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Gleich in doppelter Ministerstärke warb das Land am Mittwoch für das verbesserte Meister-Bafög: Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (2. v. re.) und Bildungsministerin Britta Ernst informierten mit Andreas Katschke von der Handwerkskammer Lübeck (re.) und Michael Schack von der IHK (3.v.li.) über die Fördermöglichkeiten.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Von sechs Uhr morgens bis 13.30 Uhr Schicht auf der Werft, mittags kurz ausruhen und dann in die Abendschule: So sah in den vergangenen zwei Jahren der Alltag von Daniel Heiden aus, der sich neben seinem Job als Schweißer bei German Naval Yards in Kiel zum Industriemeister Metall fortbilden ließ. „Ich wollte nicht stehenbleiben, sondern weiterkommen“, sagt der 26-Jährige. „Die Förderung hat mir dabei sehr geholfen.“

Die Förderung, damit meint er das sogenannte Meister-Bafög, das ab dem 1. August dank einer Novelle des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) erhöht werden soll. Dann steigen die Unterhaltssätze für Fortbildungsteilnehmer. Bekamen Singles bislang höchstens 697 Euro im Monat, so erhalten sie nun maximal 768 Euro.

 Zum Vergleich: Bei Studierenden, die Bafög bekommen, liegt der Höchstsatz bei 735 Euro. „Wer mehr Fachkräfte und Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung will, muss Taten sprechen lassen“, betonte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch beim Werftbesuch.

 Im Jahr 2015 nahmen in Schleswig-Holstein 5200 junge Leute das Meister-Bafög in Anspruch. Auf Platz eins der am häufigsten geförderten Berufe waren im vergangenen Jahr Erzieherinnen, gefolgt von Wirtschaftsfachwirten und Industriemeistern Metall sowie Kraftfahrzeugtechnikermeistern und Elektronikermeistern.

 „Wir erwarten mittelfristig einen Anstieg der Geförderten um etwa sieben Prozent“, so Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD). Grund dafür ist, dass mit der Neuerung auch Bachelorabsolventen oder Studienabbrecher, die sich für eine Aufstiegsqualifizierung entscheiden, das Bafög beantragen dürfen. „Dadurch wird die Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Ausbildung erhöht“, so Michael Schack, Weiterbildungsleiter der IHK Schleswig-Holstein. Das biete die Chance neue Karrierewege einzuschlagen.

 Ab August wird zudem die Förderung der Lehrgangskosten auf bis zu maximal 15000 Euro aufgestockt (zuvor 10226 Euro). Ebenfalls mehr Unterstützung gibt es beim Meisterstück: Bislang wurden maximal 1534 Euro für Materialkosten gefördert, nun sind es bis zu 2000 Euro.

 Das Land teilt sich die AFBG-Kosten mit dem Bund und übernimmt 22 Prozent davon. 2015 zahlte Schleswig-Holstein rund 6,2 Millionen Euro, voraussichtlich steigen die Kosten nun auf 6,7 Millionen Euro. „Das Land nimmt richtig Geld in die Hand“, lobte Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. Eine Investition, die sich lohne, denn die Meisterausbildung sei für Gesellen ein „richtiger Karriereturbo“, so Katschke. „Und das Meister-Bafög ist der Treibstoff, damit der Turbo zünden kann.“

 Vom verbesserten Bafög wird Daniel Heiden nicht mehr profitieren, er ist fast fertig mit dem Meister. Neben der Förderung, sei aber auch die Unterstützung im Unternehmen wichtig, sagt er. „Mein Meister hat mich freigestellt, wenn ich Zeit zum Lernen brauchte und Sonnabends hatte ich keine Schicht.“ Ohne das Verständnis wäre die Fortbildung kaum möglich gewesen. Heiden hofft, dass sich seine Mühe nun mit einem Auftieg auf der Karriereleiter und einem höheren Gehalt auszahlt.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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