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"Der echte Norden" wird auch Wirtschaftsmarke

Tourismus "Der echte Norden" wird auch Wirtschaftsmarke

Die Landeskampagne „Schleswig-Holstein – der echte Norden“ geht in die zweite Phase: Ab Montag werden an landesweit 600 Standorten einige Vorzeige-Unternehmer plakatiert, darunter die Geschäftsführerin der Kieler Werft „Gebr. Friedrich“, Katrin Birr. Die Regierung hatte die umstrittene Landeswerbung vor zwei Jahren gestartet.

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Die Plakate sind Teil der Kampagne "Schleswig-Holstein - Der echte Norden", mit dem das Bundesland nicht nur als Tourismusziel, sondern auch als Wirtschaftsstandort angepriesen wird.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Inzwischen werben alle Behörden mit dem Slogan, im Internet ebenso wie auf Briefpapier und Kugelschreibern.

„Schleswig-Holstein steht in einem enorm starken Wettbewerb mit anderen Bundesländern, die bereits alle seit Jahren mit Standort-Kampagnen für sich werben“, berichtet Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) im Landeshaus. „Es ist deshalb allerhöchste Zeit, dass auch Schleswig-Holstein selbstbewusst nach außen auftritt.“ Ziel der Echte-Norden-Plakataktion sei zunächst, in Schleswig-Holstein mehr „Binnenidentität“ zu erzeugen. „Wir müssen das gemeinsame Gefühl stärken.“ Im nächsten Jahr will Meyer dann etwa auf der Kieler Woche, aber vor allem jenseits der Landesgrenzen für den echten Norden werben, etwa auf Messen wie der Cebit in Hannover.

Bei der Kampagne gebe es einen besonderen Clou, sagt der Geschäftsführer der Landes-Wirtschaftsförderungsgesellschaft WTSH, Bernd Bösche. „Wir sind das einzige Bundesland, das Unternehmen flächendeckend einbezieht.“ Bereits mehr als 70 Betriebe zahlen als Premiumpartner Jahresbeiträge von bis zu 2500 Euro, darunter auch die Friedrich-Werft in Kiel. Deren Geschäftsführerin Katrin Birr macht auch bei der Plakataktion mit, wirbt an eine Schiffsschraube gelehnt und mit der Förde im Hintergrund für Schleswig-Holstein. Der Slogan: „Chief Executive Officer. Oder wie wir sagen: Chefin.“

„Es geht darum, eine positive Stimmung zu erzeugen“, berichtet Birr. Schleswig-Holstein habe viel zu bieten, müsse sich nicht verstecken. „Ich bin vom Echte-Norden-Slogan im Gegensatz zu einigen Bekannten extremst begeistert“, erzählt die Kielerin. Die Plakataktion habe es allerdings in sich gehabt. Mehr als vier Stunden habe die Foto-Session auf der Werft gedauert, gut 700 Bilder seien entstanden. „Ein Foto-Model werde ich nicht mehr“, schmunzelt Birr. Dass sie sich ab nächster Woche von Plakaten her selbst anlächelt, macht sie etwas nervös. „Ich hoffe, dass ich nicht gegen einen Baum fahre.“

Der Gesellschafter der Hamburger Werbeagentur KNSK, Olaf Uthmann, ist mit seinen Wirtschaftsmodels zufrieden. Die Kampagne solle die „typisch norddeutsche Haltung“ der Schleswig-Holsteiner zeigen. Sie würden „einfach und klar denken“, „ungekünstelt“ und damit „authentisch“ auftreten. Uthmann, der die europaweite Ausschreibung gewonnen hatte und damit die Kieler Agentur Boy ablöst, hat für die auf zwei Jahre angelegte Echte-Norden-Werbung ein Jahresbudget von 250000 Euro. Nach Einschätzung von Meyer ist das im bundesweiten Vergleich kaum der Rede wert.

Um so wichtiger ist, dass der Slogan vom echten Norden mehrfach für Schlagzeilen sorgte und sich damit gleichsam selbst vermarktet. So hatte es Kritik etwa aus Niedersachsen gegeben. „Ich habe von dort länger nichts gehört“, schmunzelt Meyer. Intern habe man ihm sogar zur Kampagne gratuliert. Laut einer Studie rangiert der echte Norden bundesweit auf Platz zwei der Länder-Slogans. Bekannter ist nur Baden-Württembergs Eigenwerbung: „Wir können alles. Außer hochdeutsch.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Man solle die Exotik von Leuchttürmen, Wattenmeer und Backsteinarchitektur nicht unterschätzen, sagte jüngst Andrea Gastager, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash). Nur: Diese Art von Exotik gibt es auch in Niedersachsen. Und – abzüglich des Wattenmeers – auch in Mecklenburg-Vorpommern. Also was ist denn nun der echte Norden?

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