17 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Burgfrieden im Muschelkrieg

Kompromiss Burgfrieden im Muschelkrieg

Der Muschelkrieg an der Nordsee ist nach mehr als 30 Jahren vorerst beigelegt. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) verständigte sich am Montag mit Fischern und Öko-Verbänden auf einen Kompromiss. Demnach darf die Jagd auf Miesmuscheln im Nationalpark Wattenmeer fortgesetzt werden, das allerdings in verkleinerten Fanggebieten.

Voriger Artikel
Bürgerbeteiligung bei Ostküstenleitung eröffnet neue Trassen
Nächster Artikel
Fortsetzung der Tarifverhandlungen für den Einzelhandel

Nach zähen Verhandlungen haben sich Naturschützer, Muschelfischer und der zuständige Minister Robert Habeck (Grüne) auf gemeinsame Eckpunkte zur Muschelnutzung im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer verständigt.

Quelle: Deutsche See

Kiel. „Ich hoffe, dass sowohl die wirtschaftliche Zukunft der Muschelfischerei als auch die klare Perspektive für den Nationalpark Wattenmeer gesichert ist“, sagte Habeck. Der Kompromiss könne die Grundlage sein, um die jahrzehntelange „Kampfgeschichte“ und das gegenseitige „Sich-an-die-Gurgel Gehen“ zu beenden. Bei Habecks versöhnlichen Worten verfinsterten sich die Mienen seiner Nachbarn Peter Ewaldsen und Hans-Ulrich Rösner. Ewaldsen führt die Geschäfte der Erzeugergemeinschaft der Muschelfischer in Schleswig-Holstein, Rösner ist als WWF-Experte Sprecher der fünf am Kompromiss beteiligten Naturschutzverbände.

Als erstes polterte Ewaldsen los. „Wir sind nicht zufrieden.“ Der knorrige Friese erinnerte flugs daran, dass er schon 1985 davor gewarnt hatte, das Wattenmeer „gegen den Willen der Bevölkerung“ zum Nationalpark zu erklären. „Das Wattenmeer ist ein Wirtschaftsraum.“ Alles andere sei „Etikettenschwindel“. Ewaldsen bekam allerdings die Kurve, kündigte an, die Kompromissregelung einzuhalten. Rösner, dem der Frust ins Gesicht geschrieben war, lobte den Kompromiss schmallippig. „Das ist eine Regelung, die wir gerade noch verantworten können.“

Habeck rief die Streithähne auf seine Art zur Ordnung. „Schietegal, was gewesen ist, jetzt müssen wir den Ball nach vorn spielen.“ Ewaldsen riss sich zusammen, brummte zustimmend, Rösner atmete durch, nickte kurz.

Das Ergebnis der Verhandlungen, die sich über 18 Monate hingezogen hatten: Die acht Kutterbetriebe dürfen im Wattenmeer nur noch 1700 Hektar (bisher 2000 Hektar) bewirtschaften. Auf bis zu 250 Hektar davon dürfen sie „Saatmuschel-Gewinnungsanlagen“ installieren. Gemeint sind Netze, an denen Mini-Miesmuscheln haften und bis zur Aussaat auf Kulturflächen im Watt wachsen sollen. Im Gegenzug dürfen die Kutter solche jungen „Wildmuscheln“ nur noch in vier großen Tidebecken des Wattenmeers (bisher acht) fischen. Tabu ist unter anderem künftig das Wattenmeer nördlich des Hindenburgdamms nach Sylt.

„Es besteht nun die Hoffnung, dass sich die Miesmuschelbänke in den kommenden Jahren erholen“, sagte Rösner. Aus seiner Sicht ist vor allem die Fischerei daran Schuld, dass die Muschelbestände deutlich zurückgegangen sind. Ewaldsen geht davon aus, dass vor allem räuberische Kleinkrebse den Muscheln den Garaus machen.

In der Vereinbarung, die 15 Jahre gelten soll, wurden allerdings einige Streitpunkte ausgeklammert. So soll noch geprüft werden, ob die Fischer auch Jungmuscheln aus dem niedersächsischen oder dänischen Watt aussetzen dürfen.

Für Ewaldsen hängt daran im Ernstfall die Zukunft der Kutter. Rösner lehnt derartige Importe entschieden ab, weil mit den Jungmuscheln andere Arten eingeschleppt werden können. Auch hier gibt es eine erste Annäherung: Laut Kompromiss sollen zumindest Muscheln aus dem Ärmelkanal und der Irischen See nicht mehr im Nationalpark Wattenmeer angesiedelt werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3