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Eingedampft und haltbar gemacht

Milch-Trockenwerk Neumünster Eingedampft und haltbar gemacht

In Schleswig-Holstein wird wesentlich mehr Milch produziert, als verbraucht wird. Mit dem Auslaufen der Quote rechnen die Meiereien im Land nun mit noch mehr Milch. Um sie weltweit zu vermarkten, haben sie in Neumünster ein riesiges Trockenwerk gebaut.

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Nach dem vollautomatisierten Abpacken laufen die Pulversäcke durch einen Metalldetektor.

Quelle: Thies Raetzke

Neumünster. Langsam fährt ein silberfarbener Milchlaster in die dreispurige Abtankhalle ein. „Gute Schmalfelder Milch“ prangt in blauer Schrift auf dem Tank. 25000 Liter Rohmilch sind darin geladen, die im Trockenwerk zu Magermilchpulver verarbeitet werden sollen. „So können wir die Milch konservieren, sie haltbar und transportierbar machen“, sagt Dirk Rowedder, Geschäftsführender Vorstand der Meierei Barmstedt. Gemeinsam mit der Meierei Wasbek, der Meiereigenossenschaft Schmalfeld-Hasenmoor und der Unternehmensgruppe Uelzena hat seine Meierei 64 Millionen Euro in das moderne Milchtrockenwerk investiert.

 „Wir haben für die Region deutlich zu viel Milch. Sie muss also in irgendeiner Form das Land verlassen“, sagt Bernd Gewecke, der den Vertrieb des Trockenwerks leitet. Das Pulver aus Neumünster soll in die ganze Welt verschickt werden. China, Indonesien, Nordafrika heißen die Märkte. Gerade in Asien wachse der Bedarf, und das habe vor allem mit einem veränderten Lebensstil zu tun: „Es etablieren sich westliche Gewohnheiten. Die Menschen in Asien fangen an, mehr Milchprodukte zu konsumieren.“ Nach mehreren Skandalen um verseuchtes Milchpulver in Fernost signalisieren insbesondere chinesische Kunden großes Interesse am deutschen Pulver, weil Deutschland weltweit einen sehr guten Ruf in Bezug auf Produktqualität genieße.

 Dass das Milchtrockenwerk 42 Mitarbeiter beschäftigt, scheint beim Ortstermin fast unglaublich. Die große Produktionshalle, in der die Milch in Pasteuren erhitzt wird und Zentrifugen die Sahne von der Magermilch trennen, ist menschenleer. Alles läuft hier vollautomatisch. Nur ein Schaltwart kontrolliert, ob die Maschinen richtig funktionieren. Bis auf ein paar kleine Anlaufschwierigkeiten im ersten Betriebsjahr sei die Anlage gut angelaufen, sagt Rowedder. „Wir sind zufrieden. Nicht sehr zufrieden, aber auch nicht weniger.“ Die Probeläufe für die Milchtrocknung hatten im Frühjahr 2014 begonnen.

 Riesige Verdampfer entziehen der Magermilch in zwei Schritten ihre Flüssigkeit, bis ein Konzentrat auf den 38 Meter hohen Trockenturm geleitet wird. An der Spitze herrschen Backofentemperaturen. 200 Grad ist die Luft warm, die in den Turm eingespeist wird und das mit hohem Druck eingesprühte Milchkonzentrat so stark trocknet, dass es unten als feines Pulver herausrieselt.

 Zum Jahreswechsel wurden die Produktionsmengen auf eine Auslastung von etwa 90 Prozent hochgefahren. Für 2016 ist eine Zielmenge von 60000 Tonnen angepeilt. Wie stark die Auslastung in diesem Jahr wird, hängt auch vom Wegfall der Milchquote ab und der Reaktion der Landwirte darauf. „Liefern sie nur zwei, drei Prozent mehr oder kommen 15 Prozent mehr Milch? Das ist das große Fragezeichen, vor dem wir stehen“, sagt Rowedder.

 Ebenso ungewiss ist, wie sich die Milchpulverpreise entwickeln. In diesem Januar lag der Preis bei 2050 bis 2200 Euro pro Tonne Magermilchpulver, im Vorjahr gab es dafür noch gut 1000 Euro mehr. „Das besorgt uns natürlich“, sagt Gewecke. Im vergangenen Jahr sei durch das Russland-Embargo ein nicht unwichtiger Markt weggebrochen. Zudem habe sich der Zuwachs der Nachfrage in China verlangsamt. „Mittlerweile stabilisieren sich die Preise. Es sind sogar Anzeichen vorhanden, dass die Preise wieder nach oben gehen.“

 Durch Rohre wird das fertige weiße Pulver in 25-Kilo-Papiersäcke oder Tausend-Kilo-Plastiksäcke gepustet. Zweieinhalb Paletten sind das, was von den 25000 Litern Milch aus dem Tanklaster übrig bleibt – 2500 Kilo Pulver.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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