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Kühe sollen ab auf die Weide

Milchbauern Kühe sollen ab auf die Weide

Milchbauern spüren den Preisdruck. Kann Kuhhaltung auf der Weide die Produktion günstiger machen? 1,3 Millionen Euro haben die Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel und das Land Schleswig-Holstein investiert, um eine Antwort auf diese Frage finden zu können.

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Im neuen Stall auf dem Uni-Versuchsgut Lindhof soll auf ökologischer Basis Weidemilch erzeugt werden. Landwirtschaftsminister Robert Habeck sah sich die Kälber an. Das interessierte auch Kinder wie Frederik Loy.

Quelle: Rainer Krüger

Noer/Kiel. Mittwochnachmittag gaben Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und CAU-Vertreter auf dem Versuchsgut Lindhof in Noer den Startschuss für das Forschungsprojekt „Ökoeffiziente Weidemilcherzeugung Lindhof“.

Forschung nah am Leben

Anlass für den Besuch war die Schlüsselübergabe für den im Rahmen des Projekts gebauten Stall. 78 für die Forschung angeschaffte Jersey-Kühe werden nach Angaben von Betriebsleiterin Sabine Mues auf dem Lindhof gehalten. Habeck machte klar, warum das Projekt in den vergangenen Monaten an Relevanz gewonnen hat. „Die Lage am Milchmarkt hat sich dramatisch zugespitzt. Der Preis bewegt sich steil auf 20 Cent zu. Für die Erzeuger wird daher die Frage interessant, wie sie mit geringerem Input konstante Erträge erzielen können“, verdeutlichte der Minister. Wenn durch das Weiden effizient Kraftfutter gespart werden könne, sei das auch für konventionelle Landwirte von Belang. „Das hier ist kein reines Öko-Projekt.“ Habeck hofft, dass seine Ergebnisse zu einer Win-Win-Situation für Ökonomie und Ökologie führen.

Den Schlüssel von Habeck nahm der geschäftsführende CAU-Kanzler Ulf Holst in Empfang. Für ihn beweist das Projekt an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät, dass die Uni „nah am praktischen Leben forscht“. Er hofft auf Wissenstransfer in die Landwirtschaft. Auch über die Finanzierung des Projekts klärte er auf: 60 Prozent deckten Fördermittel des Ministeriums, den Rest die Einrichtungen der CAU.

Ziel sind mehr al 10 000 Liter

Lindhof-Chef Professor Friedhelm Taube stellte das Projekt im Detail vor. Der Fokus liege nicht darauf, einen maximalen Ertrag pro Kuh zu erzielen. „Es geht um die maximale Milchleistung pro Hektar Weidefläche“, betonte er. „Ziel ist es, mehr als 10 000 Liter Milch je Hektar Kleegras zu erzeugen.“ Weil das Gras bestmöglich genutzt werden soll, wurden Jersey-Kühe gekauft. Sie sind leichter als herkömmliche Milchrinder. Deshalb sei bei den Jersey-Kühen der Grundenergiebedarf geringer, so dass sie mit dem Futter auf der Weide auskommen. Zwar sei auch ihre Jahresleistung im Mittel geringer als bei den herkömmlichen Rindern, dafür könne aber auf den Einsatz importierten Kraftfutters verzichtet werden.

Auf dem Lindhof werde auf Blockabkalbung gesetzt, das heißt, alle Kühe kommen nach der Stallhaltung über Winter im Frühjahr nieder. So gab es auf dem Lindhof auch Kälber der inzwischen auf 40 Hektar Weidefäche rasenden Kühe zu sehen. Sabine Mues erklärte, wie es mit den Geburten im Block steht. „63 Kühe haben schon gekalbt, 15 folgen in den nächsten zwei Wochen.“ Dass Jersey-Kühe absolut optimal für das Projekt sind, glaubt Taube allerdings nicht. Deshalb sollen in Zukunft Kreuzungen zum Einsatz kommen.

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Seit Jahren versucht Agrarminister Robert Habeck Schleswig-Holsteins Landwirte davon zu überzeugen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann mit der konventionellen Landwirtschaft. Dass sich Bauern Nischen erschließen und dabei Tierwohl, Regionalität und Umweltschutz im Blick haben müssen, wenn sie nicht am Tropf von Handel und Industrie verhungern wollen. Doch der Weg in eine nachhaltige Landwirtschaft ist steinig.

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