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So schmeckt Schleswig-Holstein

Mineralwasser-Check So schmeckt Schleswig-Holstein

Mineralwasser ist ein wahrer Durstlöscher: 143,5 Liter trinkt jeder Deutsche pro Jahr – Tendenz steigend. Von der Entwicklung profitiert auch Schleswig-Holsteins Wirtschaft: 25 Handelsmarken werden an elf Orten abgefüllt. Doch Wasser ist nicht gleich Wasser.

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An der Produktionsstraße läuft gerade Hella classic übers Band. Werkleiter Lars Mangelsen (re.) und Geschäftsführer Tobias Giles-Bluhm entnehmen eine Flasche.

Quelle: Sonja Paar

Trappenkamp. Wer eine der großen Mineralwasser-Quellen in Schleswig-Holstein sprudeln sehen möchte, braucht viel Fantasie. An den zehn Abfüllorten bekommt keiner das Wasser schnell zu sehen – auch nicht in Trappenkamp, wo die Handelsmarken Hella, NordQuell, Claudius und Hofgut ihren Ursprung haben. In einer unscheinbaren Halle am Rande des Erlebniswaldes wird das Mineralwasser der Hansa Mineralbrunnen GmbH aus 300 Metern Tiefe in rostfreien Stahlrohren in große Tanks gepumpt. Man hört es laufen, sieht es aber nicht. Und riechen? Erst recht nicht.

Am Quellort von Hella-Mineralwasser riecht es stark nach Desinfektionsmittel, ohne dass man das später schmecken würde. Aber für die Abfüllung muss alles klinisch steril sein. Niemand will krank werden, nur weil Keime ins Mineralwasser gelangt sind. Wer ins Werk möchte, muss deshalb auch seinen ganzen Schmuck ablegen, die Hände desinfizieren und einen weißen Kittel überziehen. „Keime sind unser größter Feind“, erklärt Geschäftsführer Tobias Giles-Bluhm, der gleichzeitig auch noch Vorstand für Vertrieb und Marketing beim Mutterkonzern Hansa-Heemann AG ist. Zusammen mit Werkleiter Lars Mangelsen ist er für den reibungslosen Ablauf in der Produktion und die Qualität des staatlich anerkannten Getränks verantwortlich.

Rund 100 Mitarbeiter beschäftigt die Hansa Mineralbrunnen GmbH in Trappenkamp rund um die Uhr, damit die Deutschen ihr liebstes alkoholfreies Getränk bekommen. „Unser Mineralwasser wird längst nicht mehr nur in Schleswig-Holstein vertrieben“, sagt Tobias Giles-Bluhm. Auch in Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen findet sich Hella in den Getränkeregalen. Rund 100 Lkw-Ladungen voll Wasser verlassen mittlerweile täglich das Werk – und es werden immer mehr: weil die Deutschen stärker auf eine gesunde und kalorienarme Ernährung achten, Wasser in PET-Flaschen leicht transportierbar und das Getränk lebensnotwendig ist.

Obwohl der Mensch aus 50 bis 80 Prozent Wasser besteht, kann er keine Wasserreserven bilden. Den Flüssigkeitsverlust von rund zweieinhalb Litern muss er täglich ausgleichen. Einen Teil nimmt der Körper über die Nahrung auf, den Rest über Getränke. Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Erwachsenen auch, täglich eineinhalb bis zwei Liter Mineralwasser zu trinken. Bei Hitze sogar noch mehr.

Natur drückt individuellen Stempel auf

Mineralwasser ist aber nicht gleich Mineralwasser. Je nach Bodenbeschaffenheit, Fließgeschwindigkeit, Temperatur und anderen Parametern nimmt das Regenwasser auf seinem langen Weg ins Erdinnere unterschiedlich viele Mineralstoffe, Spurenelemente und Kohlensäure auf. So schmeckt das Wasser, das in Reinbek bei Hamburg abgefüllt wird, anders als Mineralwasser von der Insel Sylt. Selbst wenn das Wasser an einem Ort abgefüllt wird, muss es nicht gleich stark mineralisiert sein. „In den unterschiedlichen Tiefen stößt man mit dem entsprechenden Glück auch auf Wasser mit unterschiedlichen Eigenschaften“, sagt Sebastian Rau, Geologe beim SGS Institut Fresenius. Dass die Natur jedem Mineralwasser einen einzigartigen Geschmack verleiht, zeigt folgender Vergleich: Die Gesamtmineralisierung von Mineralwasser aus Trappenkamp liegt zwischen 256 mg/Liter (Hofgut) und 383 mg/Liter (NordQuell). Am Abfüllort Husum sind zwischen311 mg/Liter (Godehard-Quelle) und 365 mg/Liter (Unser gutes Husumer) möglich.

Mineralwasser aus Trappenkamp | Create infographics

So unterschiedlich die Gesamtmineralisierung ist, eins verbindet alle in Schleswig-Holstein abgefüllten Mineralwässer: ihr verhältnismäßig hoher Calcium- und Hydrogencarbonatanteil. Dieser entsteht, weil die Mineralwässer aus Norddeutschland über 5000 Jahre Lockergesteine oder kalkhaltige Steine durchlaufen haben. In Trappenkamp ist es eine Glimmertonschicht aus Meeresablagerungen der Urnordsee, die dem Wasser seinen unverwechselbaren Geschmack verleiht. „Darunter zirkuliert das Mineralwasser in Schichten aus feinen und groben Sandlagen der voreiszeitlichen Tertiär-Zeit“, sagt Tobias Giles-Bluhm.

Kein Wasser ohne Analyse

Aus welchen Bestandteilen sich das Mineralwasser zusammensetzt, analysieren unter anderem die LUFA-ITL GmbH aus Kiel, das Institut Romeis aus Bad Kissingen und das SGS Institut Fresenius aus dem Taunusstein regelmäßig. Der Gesetzgeber schreibt das vor – denn Mineralwasser ist in Deutschland das einzig staatlich anerkannte Lebensmittel. „Wir müssen nachweisen, dass die Mineralisierung konstant bleibt, damit unsere Verbraucher dem Produkt auch weiterhin Vertrauen schenken können“, sagt Hella-Werkleiter Lars Mangelsen. Würde es plötzlich zu viel Natrium enthalten, wäre es beispielsweise für die Herstellung von Babynahrung nicht mehr geeignet.

Die aufwendigste Prüfung durchläuft das Wasser vor einer Markteinführung. Ist das Produkt im Handel erhältlich, werden Qualität und Mineralisierung nur noch alle paar Monate überprüft. „Es gibt Hunderte bis Tausende Parameter, die wir analysieren können. Entweder schicken uns die Hersteller dafür eine Wasserprobe oder wir entnehmen sie direkt am Quellkopf. Durch die eigene Entnahme können wir dem Hersteller garantieren, dass niemand auf die Probe Einfluss genommen hat“, sagt Sebastian Rau. Am häufigsten würden mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt, bei denen geschaut wird, ob außer den wassertypischen Keimen noch andere, gesundheitsschädigende Keime im Wasser sind. Solche Tests würden schon mal einen Monat dauern. Sie seien aber enorm wichtig, um die Hygiene im Betrieb und die Hygiene der Produkte zu gewährleisten. „Eine tägliche Überprüfung ist nicht notwendig, weil das Jahrtausend alte Wasser aus einer geschützten Quelle stammt“, sagt Sebastian Rau. Bei Trinkwasser, das sich aus unterschiedlichen Quellen zusammensetzt, sei das anders.

Ein Analyse-Ergebnis können alle Verbraucher jederzeit einsehen: den Auszug aus der Mineralwasseranalyse, der sich auf den Etiketten befindet. Es ist der individuelle Stempel der Natur, der hier sichtbar wird. Seit ein paar Jahren kleben die Etiketten immer häufiger auf PET-Flaschen. Aus gutem Grund: „PET-Flaschen gehen nicht so leicht kaputt wie Glasflaschen, zudem sind sie keimfreier“, erklärt Tobias Giles-Bluhm. Denn anders als die Glasflaschen werden die PET-Flaschen nicht gespült. Sie werden vor jeder Abfüllung aus Rohlingen neu geformt. Locker 25000 Flaschen pro Stunde, bei über 100 Grad, direkt vor Ort. So ist die Hansa Mineralbrunnen GmbH längst nicht mehr nur ein Hersteller von Mineralwasser, sondern auch ein großer Produzent von Wasserflaschen.

Dreiklang ist wichtig

Bei Hella wird in den PET-Flaschen aber schon lange nicht mehr ausschließlich Mineralwasser abgefüllt. Die Hansa Mineralbrunnen GmbH hat in den vergangenen Jahren ihr Sortiment um den Near-Water-Bereich erweitert. Das sind Wässer mit Geschmack, isotonische Getränke oder Saftschorlen, die von den Kunden immer häufiger nachgefragt werden. „Unser Sortiment ist mittlerweile auf 25 Sorten gewachsen“, sagt Tobias Giles-Bluhm. Doch nicht alle sind ganzjährig erhältlich. Den erfrischend-prickelnden Hella Waldmeister-Flip gibt es vorerst nur im Frühling und Sommer.

„Wir testen immer wieder neue Geschmacksrichtungen und schauen, wie diese beim Kunden ankommen“, sagt Tobias Giles-Bluhm. Generell dürfe das Getränk nicht zu süß und exotisch sein. Letztlich entscheide aber ein Dreiklang, ob die Kunden das neue Getränk annehmen: Sieht es so aus, wie es heißt, schmeckt es so, wie es erwartet wird, und riecht es so, wie sich die Zutatenliste zusammensetzt? Erst, wenn das Getränk alle drei Komponenten erfüllt, hat es gute Chancen, dauerhaft am Markt zu bestehen.

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Ein Artikel von
Tanja Köhler
Ressortleiterin Digitale Angebote

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