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Briten in Kiel reagieren mit großem Unverständnis

+++ Mit Video +++ Briten in Kiel reagieren mit großem Unverständnis

„Diese Entscheidung ist 'stupid’ und gegen jede Vernunft“, wettert Martin Wesson. Der 61-Jährige ist seit 1984 mit dem Großbritannien-Stand auf der Kieler Woche, seit 1999 lebt er in Kiel und führt das Pub „Strongbow’s“.

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Der Kieler Pub-Besitzer: Martin Wesson ist überhaupt nicht begeistert vom Brexit und befürchtet ausschließlich negative Auswirkungen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Denjenigen, die das entschieden haben, ist nicht bewusst, was sie ins Rollen gebracht haben. Das hat langfristige Folgen für das gesamte Vereinigte Königreich.“

Die Abspaltung Schottlands und Nordirlands hält Wesson fast für ausgemacht und befürchtet den Zerfall des Vereinigten Königreichs. „Die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland ist dann eine EU-Außengrenze. Ich denke, dass die Nordiren das nicht einfach hinnehmen werden.“

Wesson verkauft viele britische Produkte in seinem Pub. Es sei jetzt schon kompliziert, diese alle zu bekommen: „Ich weiß nicht, ob ich in Zukunft eine Einfuhrsteuer bezahlen muss.“ Bislang durfte er als EU-Bürger an den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein teilnehmen, mit einem EU-Austritt Großbritanniens wird sich das wohl ändern. „Dort darf ich nicht wählen, weil ich seit mehr als 15 Jahren nicht mehr dort lebe. Bald darf ich also nirgendwo mehr mitentscheiden.“ Seine Mitarbeiterin Sara Schreib stammt aus Kiel, lebt aber seit drei Jahren in Schottland: „Es ist ein komisches Gefühl, nach der Kieler Woche zurückzukehren. Sie werden mich jetzt sicherlich nicht sofort rausschmeißen, aber was genau kommt, weiß keiner.“ Ein Visum werde sie dann wohl brauchen, überlegt die 31-Jährige. „Aber wir hoffen alle darauf, dass Schottland ein zweites Referendum bekommt und nach der Unabhängigkeit in der EU bleiben kann.“

Auswirkungen wird der Brexit auch auf die großen Fährreedereien haben. Die Stena Line betreibt Linien zwischen den Niederlanden und England. Auch viele Verkehre aus dem Baltikum nach England laufen über Kiel. „Alles, was den freien Warenverkehr innerhalb Europas behindert, wird auch Auswirkungen auf den Frachtverkehr haben“, so ein Reedereivertreter. In der Branche besteht die Hoffnung auf eine Lösung wie mit dem Nicht-EU-Land Norwegen. Ein Vorteil hat der Brexit für die Passagierbeförderung: Die Fähren nach England können nach dem Austritt wieder zollfreien Verkauf an Bord anbieten. Diese Einkaufsmöglichkeiten waren am 1. Juli 1999 von der EU abgeschafft worden. Das Ende der „Butterfahrten“ besiegelte auch das Ende der Fährlinien von Hamburg nach Harwich und Newcastle.ans

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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