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Zwischen Risiken und Chancen

Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Zwischen Risiken und Chancen

Wo gewöhnliche Bänker zu nervösen Zuckungen neigen, legen die Leute der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) Schleswig-Holstein gelassenes Interesse an den Tag. Sie statten Betriebe, die es aus sich heraus nicht schaffen, mit Eigenkapital aus – und bewirken damit seit nunmehr 20 Jahren immer wieder kleine Jobwunder. Das zeigt ein Blick in die aktuelle Jahresbilanz.

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Geschäftsführer Gerd-Rüdiger Steffen (re.) ist mit dem vergangenen Jahr sehr zufrieden.

Quelle: hfr

Kiel. Mit dem Verlauf des vergangenen Jahres sei er „sehr zufrieden“, sagte Geschäftsführer Gerd-Rüdiger Steffen. Trotz eines eher mauen konjunkturellen Umfelds blieb das Neugeschäft mit einem Volumen von 18 Millionen Euro gegenüber 2012 (18,5 Millionen Euro) nahezu stabil. Gefördert wurden 104 Unternehmen mit durchschnittlich jeweils 173000 Euro. Bezogen auf die Arbeitsplätze sieht die Bilanz besonders gut aus: 4200 wurden im Jahr 2012 gesichert oder neu geschaffen, fast 6900 waren es 2013. Dieses Ergebnis habe allerdings keine strukturellen Ursachen, betonten Steffen und sein gleichberechtigter Geschäftsführungskollege Hans-Peter Petersen. Je nachdem, ob mehr oder weniger Großbetriebe einbezogen werden müssten, könne der Zeiger stets nach oben oder unten ausschlagen.

 Durchaus strukturell ist hingegen der Trend, wonach sich die Betriebe zunehmend robust darstellen. Die im Vergleich zu den europäischen Nachbarn traditionell geringe Eigenkapitalausstattung der kleinen und mittleren Betriebe ist nach den Erhebungen der MBG deutlich besser geworden. Dennoch ist die Beteiligungsgesellschaft nach wie vor häufig nötig. Fast 30 Prozent der Handwerkerfirmen weisen weniger als zehn Prozent Eigenkapital auf und gehören damit zum klassischen Klientel der MBG. Dienstleistung, Handel, aber auch Gastronomie und Hard- oder Softwarebetriebe gehören ebenso zu diesem Kreis, von dem im Grundsatz niemand ausgeschlossen ist.

 Ebenfalls ein klassischer Anlass, um mit der MBG ins Geschäft zu kommen, ist schnelles Wachstum. Das zieht entsprechenden Investitionsbedarf nach sich und drückt die Eigenkapitalquote nach unten. Belastbare Zahlen, aber auch der Glaube an die Zukunftsfähigkeit eines Konzeptes müssen unabhängig von der Branche da sein, um zum Zug zu kommen. Oftmals, so berichteten Petersen und Steffen, haben sich dabei gerade vermeintliche Wackelkandidaten prächtig entwickelt.

 Gleichwohl klappt es nicht immer. Etwa vier Prozent der vergebenen Mittel sieht die von privatwirtschaftlichen Unternehmen getragenen MBG aktuell nicht mehr wieder. Geht es mit der Konjunktur abwärts, kann dieser Wert auf sechs Prozent steigen.

 Vor diesem Hintergrund sei die Haltung der Landesregierung „sehr lobenswert“, sagte Steffen. Seit dem allerersten Tag und unhabhängig von der politischen Couleur erfahre man Unterstützung. „Wenn wir arbeiten, können wir auch Geld verlieren. Aber für das Land ist klar, dass nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen gesehen werden müssen“, so der MBG-Geschäftsführer.

 Die Zukunft lässt die Beteiligungsgesellschaft aber erst einmal Gutes erwarten. Zurzeit hat die MBG mehr als 100 Millionen Euro in zumeist stille Beteiligungen investiert. Und es könnte noch mehr werden. Das erste Quartal 2014 war das bisher beste überhaupt und könnte der Beginn eines neuen Rekordjahres werden.

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