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Das könnte ein böses Erwachen geben

MBG Das könnte ein böses Erwachen geben

Eigentlich könnten Gerd-Rüdiger Steffen und Hans-Peter Petersen ziemlich zufrieden sein. Denn obwohl das Marktumfeld für Förderinstitute nicht gerade positiv ist, sind die Geschäfte der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (MBG) auch im ersten Halbjahr 2016 vergleichsweise gut gelaufen.

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Sie helfen weiter, wenn es an Wagnis-Kapital mangelt: MBG-Gschäftsführer Hans-Peter Petersen (links) und Gerd-Rüdiger Steffen

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Mit einem Bewilligungsvolumen von 9,1 Millionen Euro fiel die Vergabe von Wagniskapital zwar etwas schwächer aus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, doch bei einem Jahresziel von 17 Millionen Euro liegt die MBG nach Angaben ihrer beiden Geschäftsführer absolut im Plan. Doch zum „nicht gerade positiven“ Marktumfeld gehören nicht nur die historisch niedrigen Zinsen, gestiegene Eigenkapitalquoten der Unternehmen und die Tatsache, dass Banken öffentliche Förderinstitute derzeit relativ selten einbinden, sondern auch die geringe Bereitschaft von Unternehmen, in neue Maschinen und Anlagen zu investieren: „Wir haben den Eindruck, dass viele Betriebe auf Verschleiß fahren, und diese Entwicklung bereitet uns Sorge“, sagt Steffen.

Zwar seien die Ausrüstungsinvestitionen in den vergangenen Jahren leicht gestiegen, doch der drastische Einbruch im Krisenjahr 2009 sei damit noch lange nicht kompensiert. Als Grund für die geringe Investitionsneigung vermuten die beiden MBG-Chefs einen gefährlichen Trugschluss: Weil es wirtschaftlich gut läuft, würden viele Unternehmen gar nicht die Notwendigkeit sehen, Geld in die Hand zu nehmen, um ihre Produktivität zu verbessern. Das könnte ein böses Erwachen geben, befürchten Steffen und Petersen. Sobald etwa der schwache Euro als Export-Turbo ausfalle, müssten die Unternehmen mit erheblichen Absatzproblemen rechnen.

Gesellschafter der MBG sind unter anderem die Investitionsbank Schleswig-Holstein, die Kreditwirtschaft im Land, die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern. Aufgabe des Instituts ist es, Unternehmen bei fehlenden Eigenmitteln mit Wagniskapital unter die Arme zu greifen. Aktuell ist die MBG an 510 Unternehmen mit einem Volumen von rund 100 Millionen Euro beteiligt, wobei das Spektrum von 10000 Euro für die Gründung eines Nagelstudios bis zur Millionensumme bei einem Hotelneubau reicht. Während die Banken größere Vorhaben derzeit häufig ohne Wagnisbeteiligung finanzieren, hat die MBG immer häufiger mit kleinen Unternehmen, Start-ups oder komplexeren Themen wie Firmenübernahmen oder Nachfolgelösungen zu tun. Rosinenpickerei? Nein, die wollen die MBG-Chefs den Banken nicht vorwerfen: „Gerade für die kleineren oder komplexeren Fälle sind wir ja da.“ Dass die Kunden der MBG immer kleiner werden, schlägt sich auch in diesen Zahlen nieder: Im ersten Halbjahr konnten mit Hilfe der MBG 959 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert werden – im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es doppelt so viele. Gut angenommen wird ein im Juli 2015 aufgelegter Fonds, der vor allem Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützt.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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