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„Seine Zeit ist gekommen“

Müllverbrennungsanlage „Seine Zeit ist gekommen“

Über dem alten Schlackebunker der Müllverbrennungsanlage Kiel (MVK) wird ab Donnerstag ein neuer Kran schweben. Sein Vorgänger wird abgebaut. Damit verschwindet nach 41 Jahren das letzte Stück Anlagentechnik der ersten MVK-Generation von 1975.

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Der neue Schlackekran hängt bereits in der Müllverbrennungsanlage Kiel: Darüber freuen sich (von links) MVK-Chef Frank Ehlers und seine Mitarbeiter Hennning Thode und Heiner Vosgerau.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Seine Zeit ist gekommen“, sagt MVK-Geschäftsführer Frank Ehlers, der am Dienstag zugleich auf das sehr erfolgreiche MVK-Jubiläumsjahr 2015 zurückblickte. Der alte Schlackekran ist grau, der neue blau – sonst gibt es auf den ersten Blick keinen Unterschied. Zurzeit liegen beide Kräne auf den Trägern an der Bunkerdecke, der neue in Warteposition, der alte lässt sich noch willig von Kranführer Heiner Vosgerau hin- und herfahren und greift beherzt in das, was nach dem Verbrennen des Mülls übrigbleibt, um es anschließend auf einen schweren Kipplaster zu heben – die Schlacke. Der neue wird es genauso tun – vielleicht sogar noch besser. „Die Macken des alten Krans haben sich zuletzt gehäuft, irgendwann werden die Reparaturen einfach zu teuer und lohnen sich nicht mehr“, sagt Ehlers. Am Donnerstag hat er ausgedient, wird zerlegt und abtransportiert. Der neue hat 450000 Euro gekostet. Wenn es in der Müllverbrennungsanlage weiter so gut läuft wie im vergangenen Jahr, wird er allein dieses Jahr 35000 Tonnen Schlacke aus der Grube auf die Lkw heben – denn ein Viertel der verbrannten Abfälle werden zu Schlacke, zwölf Prozent davon sind Metalle, die wiederverwertet werden, 88 Prozent werden als Ersatzstoff für den Straßenbau verwendet.

 Im 40. Jahr hat die Müllverbrennungsanlage 140000 Tonnen Siedlungsmüll verbrannt. Und nicht nur das: Sie hat daraus 236700 Megawattstunden Fernwärme erzeugt und in das Fernwärmenetz der Kieler Stadtwerke eingespeist. „Das deckt den Bedarf von 17000 Haushalten“, sagt Ehlers und freut sich: „Wir haben somit die größte Fernwärmemenge seit 1996 geliefert.“ Zusätzlich hat die MVK im vergangenen Jahr 24700 Megawattstunden Strom über die Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, was dem Bedarf von 10000 Haushalten entspricht. Damals, erklärt Ehlers, sei die Rekordleistung erreicht worden, weil der größte Teil der Anlagentechnik erneuert wurde, jetzt, weil die Anlagen in den vergangenen Jahren optimiert wurden, die Anlagenverfügbarkeit 2015 mit 93,5 Prozent ausgezeichnet gewesen sei und weil die MVK so gut mit den Stadtwerken zusammenarbeite.

 Der energetische Wirkungsgrad hat laut Ehlers im vergangenen Jahr 72,5 Prozent betragen, was heißt, dass 72,5 Prozent der im Abfall enthaltenen Energie in Fernwärme und Strom umgewandelt wurde. „Damit sind wir auch 2015 eine der energieeffizientesten Anlagen in Deutschland gewesen“, sagt der Geschäftsführer. Gleichzeitig gilt die MVK als eine der emissionsärmsten und umweltschonendsten Anlagen für thermische Abfallverwertung in Deutschland: Die erzeugte Energie gilt zu 53 Prozent als CO2-neutral, weil nach Berechnungsvorschriften des Umweltbundesamtes der angelieferte Abfall als regenerativer Brennstoff gewertet wird. „Damit leisten wir einen nicht unerheblichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende“, sagt Ehlers. An der MVK ist die Landeshauptstadt Kiel zu 51 Prozent und die Remondis GmbH & Co. KG zu 49 Prozent beteiligt.

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