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Myright will für VW-Kunden streiten

USA Myright will für VW-Kunden streiten

Der Druck auf VW im Dieselskandal wächst. Im Rahmen einer bundesweiten Kampagne macht der Hamburger Rechtsdienstleister Myright Schadenersatzforderungen nach US-Vorbild gegen den weltgrößten Autobauer geltend.

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Wegen der Dieselaffäre muss VW in den USA 14,7 Milliarden Euro Schadensersatz zahlen. In Deutschland drohen die Kunden leer auszugehen. .

Quelle: Friso Gentsch

Kiel. Auch im Norden wirbt das Unternehmen um betroffene VW-Kunden. Allein in Kiel und Umgebung seien 10000 Fahrzeughalter betroffen, sagte Myright-Gründer Jan-Eike Andresen den Kieler Nachrichten. Bei einer geschätzten Schadensprognose einschließlich Wertverlust von rund 5000 Euro pro Fahrzeug – der Hälfte dessen, was der Konzern seinen amerikanische Kunden als Höchstsumme freiwillig zahlt – kämen VW-Fahrer aus dem Kieler Raum auf Ansprüche in Höhe von 50 Millionen Euro: „Und das ist vorsichtig kalkuliert.“

 Die Rechnung basiert auf einer Schätzung: Bundesweit sind rund 2,6 Millionen Fahrzeuge des Konzerns von der Abgasmanipulation betroffen. Nimmt man den Anteil Kiels an der bundesdeutschen Bevölkerung (etwa 0,3 Prozent) als Orientierungsgröße, kommt man für die Stadt Kiel allein auf mehr als 8000 Betroffene. Diese Schätzung sei in anderen Städten auf Basis von Zulassungsdaten überprüft worden und habe sich bewährt, so der Myright-Gründer. Auf das Land übertragen würde dies bedeuten, dass rund 90000 Schleswig-Holsteiner Ansprüche in Höhe von mehr als 440 Millionen Euro geltend machen könnten.

 Bereits vor der VW-Hauptversammlung im Juni hatte das Unternehmen „Sammelklagen“ von 100000 geprellten Dieselskandal-Kunden angekündigt. Doch anders als in den USA bietet das deutsche Recht Verbrauchern nicht die Möglichkeit einer Sammelklage. Andresen hält an dem Begriff fest: „Die deutsche Zivilprozessordnung sieht die Bündelung gleichgerichteter Ansprüche gegen denselben Beklagten ausdrücklich vor.“

 Wer sich bei dem Rechtsdienstleister registriert, tritt seine Ansprüche ab, Myright strebt dann einen Vergleich mit VW an – oder zieht vor Gericht. Kosten für die Kunden entstehen erst dann, wenn Myright Erfolg hat. Dann jedoch sind 35 Prozent der Entschädigungssumme fällig. „Ein stolzer Preis“, sagt Boris Wita, Referent für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Für Betroffene, die die Kosten des Rechtsweges scheuen, sei das Angebot von Myright zwar durchaus eine Option. „Man sollte aber zweimal überlegen, bevor man seine Ansprüche abtritt.“ So könne man durchaus das Nachsehen haben, wenn sich VW doch zu einer Kulanzregelung bereit erkläre. Andresen kontert: „Niemand fährt mit Myright schlechter.“ Bislang habe VW nur auf gerichtlichen Druck hin reagiert: „Das war in den USA so, und das wird in Deutschland nicht anders sein.“ Der Konzern baue darauf, dass Kunden ihre Ansprüche aufgrund der aufwendigen Nachweispflichten nicht geltend machen würden. „Es kann doch aber nicht sein, dass die großen Konzerne selbst bei Betrug keine Konsequenzen fürchten müssen, während beim Verbraucher jeder Verzug bei der GEZ-Zahlung sofort geahndet wird.“

 Kritisch sieht der ADAC das Geschäftsmodell von Myright. Statt Zahlungen für einen Teil der Kunden zu erstreiten, müsse der Konzern durch politischen Druck dazu gebracht werden, alle Kunden zu entschädigen. Der VW-Konzern betonte auf Anfrage: „Wir sind der Ansicht, dass es für Kundenklagen keine Rechtsgrundlage gibt.“ Zudem gehe man derzeit davon aus, „dass die Überarbeitung der betroffenen Fahrzeuge keine nachteiligen Auswirkungen auf den Restwert haben wird“.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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