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Auch das Segeln wird digital

Netzwerken in Kiel Auch das Segeln wird digital

Das Land Schleswig-Holstein verhandelt mit namhaften Konzernen über die Einrichtung eines Sommercamps für Start-ups im Norden. Ein Schwerpunkt werde die Förderung von Existenzgründern in der digitalen Wirtschaft sein, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Frank Nägele.

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Natürlich lockt auch die Kieler Woche: die Teilnehmer des Branchentreffens vor ihrem Segeltörn-Start in Schilksee.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Mehr als 50 Unternehmer aus dem ganzen Bundesgebiet sind der Einladung zu dieser Veranstaltung gefolgt, mit der die Initiatoren – darunter der Verband der Internetwirtschaft (eco), der Internetprovider Addix und die Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi) – nach den Worten von KiWi-Chef Werner Kässens nicht nur die Vernetzung digitaler Akteure vor Ort vorantreiben sondern auch weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins für den Digital-Standort Kiel werben wollen.

Am Anfang scheint es fast, als würde sich der OB ein wenig lustig machen. „Digitalisierung“, das sei doch eines jener trendigen Schlagworte, ohne das heutzutage keine Rede mehr auskomme. Und diese Veranstaltung hier im Kieler Wissenschaftszentrum, konstatiert Ulf Kämpfer, liefere gleich noch ein weiteres „buzzword“ obendrauf – „Transformation“ nämlich. Doch dann macht der Oberbürgermeister doch unmissverständlich klar, wie wichtig ihm dieses Treffen unter dem Motto „Die Kieler Woche im Zeichen der Digitalen Transformation“ ist – und dass Digitalisierung doch mehr sei als ein Modewort. Künftig soll die Veranstaltung regelmäßig während der Kieler Woche stattfinden, die bekanntlich gut geeignet ist, Entscheidungsträger nach Kiel zu locken, die sich sonst nicht so schnell in den Norden verirren.

Auch wenn die Kieler Stadtverwaltung in Sachen Digitalisierung – vorsichtig gesagt – noch jede Menge Potenzial hat (Kämpfer: „Die Knöllchenvergabe ist gut durchdigitalisiert, aber beim Bürgerservice führt die analoge Aktenwirtschaft noch zu unglaublichen Reibungsverlusten), sieht der Oberbürgermeister die Landeshauptstadt als Standort für IT-Unternehmen gut auf Kurs. So sei die Zahl der direkt in der digitalen Wirtschaft beschäftigten Menschen innerhalb von fünf Jahren von 5000 auf 10000 gestiegen. Das sind mehr Arbeitsplätze, als Werftindustrie und Marine gemeinsam auf die Waage bringen. Und es wäre doch schön, so Kämpfer, wenn sich der Digital-Anteil während seiner laufenden Amtszeit noch einmal verdoppeln würde. Groß ist beim Kieler OB weiterhin die Freude über das Angebot eines kostenlosen Internetzuganges über #KN_WLAN, ein Gemeinschaftsprojekt von Addixx und Kieler Nachrichten, von dem die Stadt insgesamt erheblich profitiere, aber „nix“ habe dazutun müssen. Um den Standort Kiel für die IT-Wirtschaft von einer „1b-“ zu einem „1a-Lage“ zu entwickeln, müsse jedoch auch das Land im Rahmen seiner künftigen Digitalstrategie seine Energie auf die Landeshauptstadt mit ihrem digitalen Cluster konzentrieren.

Entsprechende Zusagen wollte Wirtschaftsstaatsekretär Frank Nägel (SPD) in dieser Hinsicht zwar nicht machen, stellte jedoch in Aussicht, dass die Landesregierung alles unternehmen werde, um für 2017 große Software-und IT-Konzerne zum Aufbau eines viermonatigen Sommer-Camps an der Förde zu bewegen. Dort hätten digitale Start-Ups dann die Möglichkeit, nicht nur ihre Geschäftsideen von Branchenprofis unter die Lupe nehmen zu lassen oder sich in Sachen Vermarktung coachen zu lassen, sondern eventuell auch, einen Investor für ihr Projekt zu finden.

Einen starken Partner gefunden hat bereits der Ex-Profi-Segler Marcus Baur, Projektleiter und künftiger Geschäftsführer von Sail-Tracks. Gemeinsam mit dem Softwareriesen SAP will das gerade entstehende Unternehmen die Faszination des Segelns für die breite Öffentlichkeit erlebbar machen – unter anderem mit intelligenten Karten zum Stand von Regatten und Live-Bildern von Bord, die auf Großleinwände oder Smartphones übertragen werden: „Technisch sind wir soweit, dass wir zu Travemünder Woche an den Start gehen können.“

Und noch zwei weitere digitale Start-Ups zeigten im Wissenschaftszentrum, was sie zu bieten haben. Daniel Faulhaber und sein Team wollen mit der App „Bummelbu.de“ unter dem Motto „Kauf, wo wohnst“ das Beste aus Online-Welt und dem Einzelhandel vor Ort zusammenführen: „Wir bieten ein digitales Schaufenster, das wirklich zeigt, was eine Stadt an Besonderem zu bieten hat.“ Und Peer Richelsen will für Sammelkartenspiel „Magic“ mit weltweit rund 20 Millionen Spielern die App „Snapcardster“ auf den Markt bringen, die dem Sammler nicht nur die digitale Archivierung abnimmt, sondern als Online-Marktplatz auch richtig Geld verdienen soll. Ehrgeiziges Ziel des Kielers: „Wir wollen das Ebay für die Sammler von Magic-Karten werden.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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