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Neu vernetzt in die Zukunft

Unternehmertag in Elmshorn Neu vernetzt in die Zukunft

Um die Wirtschaft im Norden fit für den zukünftigen Wettbewerb zu machen, sollten Hamburg und Schleswig-Holstein ihre Zusammenarbeit intensivieren: Das forderte am Montag UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz beim gut besuchten Unternehmertag in der privaten Wirtschaftsfachhochschule Nordakademie in Elmshorn.

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UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz sprach am Montag in Elmshorn.

Quelle: Michael Kaniecki

Elmshorn. „Wenn wir in der Liga der Weltmetropolen mitspielen wollen, dann gehören am Ende neben Hamburg wohl auch Kiel und Schwerin dazu“, sagte Wachholtz.

 Um auf die Veränderungen an den Weltmärkten und den Krisen in und um Europa reagieren zu können, sei es entscheidend, den Norden für diese Herausforderung fit zu machen. Deshalb müssten Wirtschaftsförderung, Standort- marketing, Fachkräfteinitiativen, Industriebündnisse und Landesplanung zusammengeführt werden. „Wenn wir dem Wandel nicht proaktiv begegnen, werden Branchen und Standorte im Norden Druck in nicht erahntem Ausmaß bekommen. Daran kann auch die aktuell gute konjunkturelle Entwicklung nicht hinwegtäuschen“, sagte Wachholtz.

 Das unterstrich auch Henning Völpel, Hauptredner des Unternehmertages. „Die Weltwirtschaft ist im Umbruch, das stellt gerade mittelständische und exportorientierte Unternehmen in Norddeutschland vor große Herausforderungen“, sagte der Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Deshalb seien jetzt „kluge Anpassungsmaßnahmen“ notwendig: „Suchen Sie nach Vernetzungen in der Region – und betrachten Sie die Region als ein offenen System, das nicht an Landesgrenzen haltmacht, sondern sich sinnvolle und optimierte Räume sucht.“

Gewinner der „alten Globalisierung“

 Die norddeutsche Wirtschaft sei zwar ein Gewinner der „alten Globalisierung“, allerdings gelten nun neue Regeln und Standards, betonte Völpel. Deshalb seien jetzt regionale Innovationssysteme von größter Wichtigkeit. „Beim Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie hat der Norden zum Beispiel im Vergleich zum Süden Deutschlands großen Nachholbedarf, da muss gehandelt werden“, sagte der HWWI-Chef. Wichtig sei zudem, in einem „optimalen Wirtschaftsraum“ gemeinsam um Fachkräfte und neue Unternehmen zu kämpfen.

 Diese Position teilte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Reinhard Meyer: „Wir sollten weniger Debatten über einen Nordstaat führen, sondern zuerst norddeutsch denken und handeln. Dann ergibt sich ein neuer Verbund von selber – ob der nun Hanseland oder Nordelbien heißt.“ Dabei müsse zuerst geschaut werden, wer was am besten könne: „Was Hamburg kann, sollte Hamburg machen, was Kiel kann, macht Kiel.“ In vielen Bereichen sei die Zusammenarbeit zwischen Kiel und Hamburg erfolgreich, beispielsweise beim Mammutprojekt „Norddeutsche Energiewende 4.0“, dass Erzeugerregionen und Verbraucher künftig optimal vernetzen soll.

 Ganz zufrieden war UV-Nord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich dennoch nicht: „Wir brauchen jetzt den großen Sprung bei der Zusammenarbeit und nicht die vielen kleinen Projekte, die lediglich das Herz wärmen.“ Aus seiner Sicht müsse eine künftige Wirtschaftsregion, die sich nicht endlos in individuellen Marketingkampagnen verstricken dürfe, ähnlich kraftvoll wie Baden-Württemberg auftreten. „Wir können alles – und hochdeutsch“, wandelte Fröhlich die wohl erfolgreichste Länderkampagne kurzerhand um. Entscheidend sei deshalb, selbstbewusst die eigene Schlagkraft der Wirtschaft im Norden herauszuarbeiten und mit gestärktem Selbstbewusstsein nach außen aufzutreten. „Und das geht nur, wenn wir über Grenzen hinweg zusammenarbeiten“, sagte Fröhlich.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Europäische Krisen, Krisen der Weltwirtschaft und die digitale Transformation: Ohne einen schnellen strukturellen Wandel und eine Regionen übergreifende Zusammenarbeit wird die Wirtschaft im Norden abgehängt und gerät auf die Verliererstraße, waren sich Wirtschaftsvertreter, Politiker und Wissenschaftler am Montag beim Unternehmertag Nord in Elmshorn einig.

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