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Neue AGB bei Facebook Das allwissende Netzwerk

Wer sich seit Freitag bei Facebook einloggt, hat sie automatisch akzeptiert: die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Online-Netzwerks.

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Wer sich seit Freitag bei Facebook einloggt, hat sie automatisch akzeptiert: die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Online-Netzwerks.

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Kiel. Schon im Vorfeld haben die neuen Regeln einen Sturm der Kritik unter Datenschützern und Politikern ausgelöst. Doch was verbirgt sich hinter dem seitenlangen Kleingedruckten und wie kann sich der Nutzer gegen unerwünschte Einblicke in seine persönlichen Daten wehren?

Im Groben zusammengefasst, bedeuten die neuen AGB, dass der berühmte „gläserne Internetnutzer“ für Facebook noch durchschaubarer wird. Denn mit den seit Freitag geltenden Richtlinien wirft das Portal sein Fangnetz für persönliche Daten quer durch das World Wide Web aus.

 Analysierte Facebook bislang die Interessen seiner Mitglieder vor allem über die „Gefällt mir“-Funktion, bezieht das Unternehmen nun Daten von anderen Webseitenbetreibern über das gesamte Surfverhalten des einzelnen Nutzers. Und erfährt so, ob jemand beispielsweise oft Internetseiten zum Thema Musik oder Mode besucht. Auch über die Smartphone-App wird Facebook ab jetzt mit Details über seine Mitglieder gefüttert: Wo halten sie sich gerade auf? Welche Restaurants oder Geschäfte besuchen sie? Ziel dieser Daten-Sammelwut sind vollere Kassen durch Werbeeinnahmen. Denn mithilfe der Informationen kann Facebook Werbeanzeigen noch gezielter auf den Nutzer abstimmen.

 Gefragt wird ein Mitglied vor der Weitergabe seiner Daten nicht. „Mit dem Einloggen holt sich Facebook seit Freitag automatisch die Genehmigung, die Informationen an andere Unternehmen weiterzugeben“, sagt Datenschützer Thilo Weichert. So steht es auch unter Punkt neun der AGB: „Du erteilst uns deine Erlaubnis zur Nutzung deines Namens, Profilbilds, deiner Inhalte und Informationen im Zusammenhang mit kommerziellen, gesponserten oder verwandten Inhalten.“ Und weiter: „Dies bedeutet beispielsweise, dass du einem Unternehmen bzw. einer sonstigen Organisation die Erlaubnis erteilst, uns dafür zu bezahlen, deinen Namen und/oder dein Profilbild zusammen mit deinen Inhalten oder Informationen ohne irgendeine Entlohnung für dich anzuzeigen.“

 Laut Facebook dienen diese passgenauen Werbeanzeigen auch den Nutzern, denn sie können künftig bewerten, ob eine Werbung ansprechend war. Zudem laufen bei dem Unternehmen derzeit erste Tests, um in den Online-Handel einzusteigen. Geplant ist ein „Kaufen“-Button, mit dem Produkte direkt über das Netzwerk bestellt werden können. Was aber automatisch zur Folge hätte, dass auch Informationen wie die Kreditkartennummer oder Bankverbindung im Datenpool des Portals landen.

 Wen die Weitergabe seiner Daten stört, dem bietet Facebook ein Schlupfloch. In seiner Datenrichtlinie (www.facebook.com/about/privacy/), verweist das Unternehmen auf die Webseite youronlinechoices.com. Dort kann der Nutzer einstellen, an welche Firmen Daten vermittelt werden. Leicht zu finden, ist das Schlupfloch allerdings nicht: Der Nutzer muss über die Privatsphäre-Verknüpfungen auf Facebook auf die Privatsphäre-Grundlagen gehen, sich anschließend die Datenrichtlinie aufrufen und hier den Reiter „Einstellungen für Facebook-Werbeanzeigen“. In dem Text findet sich im letzten Absatz ein Link, der über die European Digital Advertising Alliance auf die gewünschte Webseite führt.

 „Facebook tut alles, damit der Nutzer der Weitergabe von Daten nicht widerspricht“, betont Thilo Weichert. Zudem ändere die Ablehnung der Weitergabe von Daten nicht, dass diese prinzipiell von Facebook erhoben werden.

 Facebook-Mitgliedern bleiben aber noch andere Wege, um der Sammelwut Steine in den Weg zu legen: Beim Surfen sollten stets die Cookies deaktiviert werden, ebenso wie die GPS-Funktion auf dem Handy. Auch bei Facebook direkt sollten Mitglieder der Nutzung von Namen und Fotos durch Dritte widersprechen. Die Möglichkeit findet sich in den erweiterten Privatsphäre-Einstellungen – hier sollte unter dem Reiter „Werbeanzeigen“ die Rubrik „Kombination Werbeanzeigen und Freunde“ auf „niemand“ gestellt werden. Wer allerdings ganz sicher gehen möchte, nicht durch Facebook ausgespäht zu werden, dem bleibt letztendlich nur eins: der Austritt aus dem Netzwerk.

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Ein Artikel von
Susann Burwitz
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