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Metaller sind auf alles gefasst

Neumünster Metaller sind auf alles gefasst

Es ist ein Ritual, und Thomas Beeker lässt es ganz entspannt über sich ergehen. „Fünf Prozent ist ein Statement, wir vertrauen auf konstruktive Verhandlungspartner“, sagt der Geschäftsführer von Danfoss in Neumünster und nimmt das Plakat mit der Aufschrift „Unsere Forderung steht: 5 %“ entgegen.

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IG-Metall-Chef Peter Seeger (li.) übergab mit dem Betriebsratsvorsitzenden Jochen Tombarge die Forderung an Thomas Beeker, Geschäftsführer von Danfoss in Neumünster.

Quelle: Sven Janssen

Neumünster. Rund 50 Mitarbeiter, rausgetrommelt von der Gute-Laune- Formation „Super Rabaztki“, schauen zu. Noch entspannt wäre der Chef, wenn er nicht nur im Sakko zum Werkstor gekommen wäre. Aber nein, die angebotene IG-Metall-Jacke will er nicht überstreifen. Wegen der Farbe. Wobei Metaller-Rot und Danfoss-Rot doch ganz ähnlich sind. Dann also lieber kurz frieren.

Heiß genug dürfte es bei dieser Tarifrunde von ganz allein werden. Diesmal geht es der Gewerkschaft einzig darum, die Portemonnaies der Beschäftigten von den Arbeitgebern füttern zu lassen. Die Nordmetall-Kritik an der Fünf-Prozent-Forderung („gefährlicher Höhenflug“) lässt Peter Seeger an sich abperlen: „Fünf Prozent sind überhaupt nicht überzogen, 2015 haben viele Betriebe ganz erhebliche Gewinne eingefahren“, sagt der Chef der IG Metall Kiel/Neumünster. Danfoss sei Ausdruck der guten wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Jahren, deshalb übergebe man die Tarifforderung hier. Zur ersten Verhandlungsrunde werden Nordmetall und IG Metall Küste sich am 10. März in Oldenburg treffen. Seeger spricht von starkem Rückhalt in der Basis. Bei Danfoss Power Solutions mit 730 Mitarbeitern hat die Gewerkschaft nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Jochen Tombarge einen Organisationsgrad von 60 Prozent. „Für den Betrieb ist die Lohnforderung moderat“, sagt Tombarge, und auch insgesamt gesehen seien fünf Prozent „mehr als berechtigt“.

"Betriebe zukunftsfest machen"

Das sehen die Arbeitgeber natürlich anders: „Durch ihren blinden Höhenflug riskiert die IG Metall den Absturz vieler Unternehmen“, sagt Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch, der die Gewerkschaft auffordert, „rasch auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren“. So seien die Tarifentgelte in den vergangenen acht Jahren um fast 20 Prozent gestiegen, die Produktivität hingegen nicht einmal um zwei Prozent. Schon jetzt zählten die Beschäftigten in der Metall- und Elektro-Industrie mit einem Jahreseinkommen von über 50 000 Euro zu den Spitzenverdienern aller Branchen: „Wer da jetzt noch mal fünf Prozent draufsatteln will, hat die Bodenhaftung verloren.“ Mit Blick auf die Zuwanderung vieler ungelernter Menschen ergänzt der Verhandlungsführer: „Die kostenintensive Ausbildung und Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt können wir nur erfolgreich anpacken, wenn wir unsere Betriebe zukunftsfest machen.“

Wie sein Kollege Seeger sieht jedoch auch Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, keinen Grund zur Bescheidenheit: „Der Branche geht es besser als von den Arbeitgebern behauptet.“ Für den Fall, dass die Verhandlungen keine Annäherung brächten, sei man auf Warnstreiks und notfalls auch auf Streik eingestellt. Die Friedenspflicht endet am 28. April. Bundesweit geht es um die Gehälter von 3,8 Millionen Beschäftigten, im Bezirk Küste arbeiten in der Branche rund 140 000 Menschen.

Von Ulrich Metschies und Sven Janssen

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