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Nord-Ostsee-Kanal Lieber über Skagen

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal ist es im Sommer sehr ruhig geworden. Die Zahl der Schiffe ist im zweistelligen Prozentbereich zurückgegangen. Die Faktoren sind vielschichtig.

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Der Container „Valencia Express“ wurde 1996 in Korea gebaut und ist für die Winterfahrt in der Ostsee extra verstärkt worden.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. Der niedrige Ölpreis, die Russlandkrise und auch Veränderungen bei den Flotten der großen Containerreedereien haben ihren Anteil an der Verkehrsentwicklung. Denn nach Maersk und MSC hat jetzt auch die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd Zubringerschiffe in die Ostsee geschickt, die nicht durch den Nord-Ostsee-Kanal passen: die Frachter „Milan Express“ und „Valencia Express“.

 Die beiden Schiffe sind 20 Jahre zwischen Europa und den kanadischen Häfen am St. Lawrence-Strom gependelt. Sie trotzten Eis, Sturm und Schnee. Im Mai dieses Jahres nun hat Hapag-Lloyd die Schiffe auf dieser Route aber durch zwei größere Frachter ersetzt. Gleichzeitig wurden in der Ostsee zwei von sechs Feederdiensten von Hapag-Lloyd zusammengelegt und die Route neu angepasst. Statt mit zuvor vier Schiffen mit einer Kapazität von 1200 bis 1400 Standardcontainern wird der optimierte Feederdienst nun mit den Kanada-Schiffen mit einer Kapazität von je 2300 bis 2600 TEU bedient.

 Der Haken: Die „Milan Express“ und „Valencia Express“ passen mit Ladung nicht durch den Nord-Ostsee-Kanal. Sie sind 216 Meter lang und 32,2 Meter breit. Mit diesen Abmessungen dürften sie im Kanal wegen der engen Kurven bei Kiel nur einen Tiefgang von sieben Metern haben. Meist fahren beide Schiffe jedoch mit neun bis zehn Meter Tiefgang.

 Wäre die Oststrecke des Nord-Ostsee-Kanals heute begradigt und vertieft, könnten diese Schiffe durch den Kanal. „Das zeigt, wie wichtig der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals ist“, sagt Jens-Broder Knudsen von der Initiative Kiel Canal. Seit 2006 wird an den Planungen gearbeitet. Das Baurecht liegt vor. Derzeit mangelt es aber an der Ausschreibung, die noch nicht erstellt ist. Erst vor kurzem musste die Ausschreibung noch einmal um ein Jahr verschoben werden.

 „Ein Grund ist, dass es für die Überwachung der Bauarbeiten am Kanal an Personal mangelt. Es fehlen etwa 30 Mitarbeiter“, kritisiert Knudsen. Mit der Vorhersage, dass der Ausbau bis 2030 dauern könnte, hat sich die Wirtschaft fast abgefunden. „In Deutschland ist das eben so“, sagt Knudsen mit einem Unterton der Resignation. „Wichtig ist aber, dass auf keinen Fall die Fehler der 90er-Jahre wiederholt werden und die Arbeiten am Kanal nicht mehr weitergehen“, so der Schiffsmakler. Nach der Wiedervereinigung hatte der Bund alle Baumaßnahmen gestoppt.

 Die vier Containerschiffe, die zuvor von Hapag-Lloyd auf den Diensten Fix und Rex nach Finnland und Russland eingesetzt worden sind, werden jetzt in andere Dienste in Europa verlegt. Stattdessen starten die beiden großen Kanada-Frachter nun jeweils donnerstags ab Hamburg und umrunden auf dem Weg nach St. Petersburg Skagen. Auf dem Rückweg laufen sie Helsinki und Gdingen an, bevor sie via Skagen zurückkehren.

 Im Vergleich zum Weg durch den Kanal fahren sie einen Umweg von rund 1000 Kilometern. Der Treibstoff ist aber so günstig, dass dies eine untergeordnete Rolle spielt. „Für den Kanal sind aber nicht nur die Containerschiffe von Bedeutung. Sie machen nur 15 Prozent aus. Es muss auch für Tanker und Massengutschiffe attraktiv sein. Und daran arbeiten wir jetzt verstärkt“, sagt Knudsen.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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