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Norden hofft auf Aufträge in Milliardenhöhe

Atomabkommen mit Iran Norden hofft auf Aufträge in Milliardenhöhe

Nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran rechnen deutsche Unternehmen auf Aufträge in Milliardenhöhe. Auch die Wirtschaft im Norden begrüßt das in der vergangenen Woche in Wien ausgehandelte Abkommen: „Der Abschluss nährt die Hoffnung zur Wiederbelebung der wirtschaftlichen Beziehungen“, sagte der Hauptgeschäftsführer von UV Nord, Michael Thomas Fröhlich.

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Werner Koopmann, Geschäftsführer der IHK Kiel.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. „Er wird absehbar hilfreich sein für die schleswig-holsteinische Industrie und Exportwirtschaft.“ Auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) zeigte sich zuversichtlich: „Von der geplanten Lockerung der Sanktionen können Unternehmen in Schleswig-Holstein enorm profitieren.“ Ähnlich äußerte sich Werner Koopmann, Bereichsleiter International bei der Industrie- und Handelskammer in Kiel: „Die Betriebe werden die Chancen, die sich jetzt auftun, genau prüfen und nutzen.“

 Dennoch ist die Freude über die Beilegung des Jahrzehnte währenden Atomstreits verhalten: Die Stimmung lasse sich in etwa mit der Formel „positiv, aber nicht euphorisch“ zusammenfassen, sagte Koopmann. Denn bis die Sanktionen gegenüber der Islamischen Republik tatsächlich aufgehoben würden, werde es noch dauern: Frühestens am Ende des Jahres könne die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) den Ausstieg des Landes aus dem umstrittenen Atomwaffen-Programm bestätigen. „Aber es kommt Bewegung in die Sache.“

 Profitieren könnten jetzt vor allem Unternehmen aus der Maschinen- und Anlagenbaubranche. Der Iran sei aber auch an moderner Energie-, Wasser- und Umwelttechnik interessiert, berichtet Koopmann. „Chancen ergeben sich außerdem für Firmen im Gesundheitssektor und der Agrarwirtschaft.“ Bei einer IHK-Veranstaltung zum Handel mit dem Iran vor wenigen Tagen in Kiel hätten sich bereits Vertreter von 25 Unternehmen informiert. Derzeit gebe es jedoch noch eine Reihe von Unsicherheiten, die die Politik in den kommenden Monaten entschärfen müsse. So forderte Koopmann unter anderem eine Bestandsschutzklausel, mit der sichergestellt werden soll, dass Verträge auch bei einer Wiedereinführung von Sanktionen noch erfüllt werden könnten. Außerdem solle der Bund für Geschäfte mit dem Iran wieder Hermes-Exportkreditversicherungen anbieten. „Vieles spricht dafür, dass er das bald wieder macht.“

 Noch 2012 war Deutschland mit einem Handelsvolumen von rund 3,9 Milliarden Euro der drittgrößte Handelspartner des Iran – nach Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nachdem die Sanktionen noch einmal verschärft worden waren, sank das Volumen im vergangenen Jahr auf 2,4 Milliarden Euro – auf die Wirtschaft im Norden entfielen davon gut 66 Millionen Euro. Gleichzeitig hätten jedoch Länder wie China ihren Handel mit dem Iran vervielfacht, gab Koopmann zu bedenken. „Den iranische Markt zu erschließen ist kein Selbstläufer.“ Dieser Einschätzung schließt sich der UV Nord an: „Kurzfristige Sondereffekte oder ein deutliches Ankurbeln der Konjunktur wird die Einigung mit dem Iran nicht auslösen“, sagte Hauptgeschäftsführer Fröhlich. Damit geben sich die norddeutschen Wirtschaftsvertreter skeptischer als ihre Kollegen in Berlin. So hält etwa der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mittelfristig ein Exportvolumen von mehr als zehn Milliarden Euro für realistisch. Auch der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, rechnet damit, „in drei, vier Jahren die Zehn-Milliarden-Marke“ zu knacken.

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