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Komplett vernetzt in die Zukunft

„Norddeutsche Energiewende 4.0“ Komplett vernetzt in die Zukunft

Das Ziel ist ambitioniert, die Akteure zuversichtlich: Mit dem Projekt „Norddeutsche Energiewende 4.0“ (NEW 4.0) wollen sich Schleswig-Holstein und Hamburg bis 2035 zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen.

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Norddeutsche Energiewende 4.0: Schleswig-Holstein und Hamburg wollen sich bis 2035 zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Kiel. Während dies in Schleswig-Holstein bereits heute der Fall ist, deckt Hamburg seinen Energiebedarf derzeit nur zu drei Prozent mit grünem Strom. Als eines der „zentralsten Projekte“ in Schleswig-Holstein bezeichnet Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) das Vorhaben beider Länder, das im Rahmen eines Förderprogramms vom Bund mit etwa 40 Millionen Euro über vier Jahre unterstützt wird.

 Mehr als 60 Industrieunternehmen, Energieversorger, Netzbetreiber, Hochschulen und Behörden aus dem Norden haben sich seit der Projektstartphase im Mai 2014 zur Allianz NEW 4.0 zusammengeschlossen und wollen selber etwa 60 Millionen Euro für etwa 45 Einzelprojekte beisteuern. Ziel sei es, so Meyer, die auf bis zu 20000 Megawatt geschätzten Erzeugungspotenziale für Strom aus erneuerbaren Energien auszuschöpfen und punktgenau in beiden Bundesländern zu verteilen. „Wir wollen nicht nur grünen Strom zum Beispiel aus Windkraft produzieren und über Trassen abtransportieren, sondern diese Energie hier selber verbrauchen und veredeln, zum Beispiel auch als Wärme zum Heizen.“ Dazu seien ein effektives Lastmanagement, Speicher- und Wärmeerzeugungstechnologien sowie ein leistungsstarkes Breitbandnetz vonnöten.

 Aus Sicht von Matthias Boxberger, Vorstandsvorsitzender vom Energiedienstleister Hansewerk aus Quickborn, könne mit dem Modellprojekt nachgewiesen werden, dass eine Stromversorgung ausschließlich aus erneuerbaren Energien möglich sei. „Mit einer intelligenten Kopplung von Verbrauchern und Produzenten und einem neuen für alle Markteilnehmer transparenten Netzsystem wird dies gelingen. Die Energieversorgung wird dabei dezentral vernetzt und bedarfsgenau gelenkt“, erläutert Boxberger. Im festgelegten Rahmen bedürfe es dazu „Eingriffe in die Steuerung“, um den Leistungsbedarf aller Verbraucher zu optimieren.

Effektiver vernetzen

 In einigen Jahren, erläutert Martin Grundmann von der Arge Netz, in der etwa 300 Unternehmen mit Schwerpunkt erneuerbarer Energien gebündelt sind, werde die Zahl dezentraler Energieanlagen deutlich steigen. „Wichtig ist die Versorgungssicherheit. Deshalb müssen Verbraucher und Erzeuger effektiv vernetzt werden. Und dafür brauchen wir neue gesetzliche Rahmenbedingungen.“ Für energieintensive Unternehmen bedeutet dies, künftig die Produktion in Zeiten zu verlegen, wo ausreichend preiswerter Strom zur Verfügung steht. „Die Betriebsabläufe werden sich da, wo es möglich ist, verändern – das ist die Herausforderung“, sagt Grundmann.

 Auch Endverbraucher werden, wie berichtet, nach und nach über die vom Gesetzgeber gewünschten intelligenten Stromzähler (Smart Meter) eingebunden, um das Stromnetz stabil halten zu können. „Wenn es uns gelingt, im Rahmen dieses Projektes nachzuweisen, dass durch Vernetzung und gezielte Verbrauchsumstellung grüner Strom genügt, brauchen wir in Zukunft auch kein Kohlekraftwerk mehr“, betont Minister Meyer.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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