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Color Line hat Schlagseite

Norwegen-Fährkonzern Color Line hat Schlagseite

Im Dezember feierte die Reederei Color Line das zehnjährige Dienstjubiläum der Kreuzfahrtfähre „Color Fantasy“, die „Color Magic“ ist seit 2007 im Einsatz: Die Indienststellung der beiden Kiel-Oslo-Schiffe könnte langfristig die Reederei retten. Im Moment sind die zwei großen Schiffe ein Garant für die Zukunft der 1990 gegründeten Color Line.

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Inhaber Olav Nils Sunde hat bei der Reederei Color Line seit 1990 das Ruder in der Hand. Nun aber muss er umsteuern.

Quelle: Frank Behling

Oslo. Damals schmiedete der Unternehmer Olav Nils Sunde durch den Zusammenschluss der Reedereien Jahre Line, Norway Line, Fred Olsen und Larvik Line den größten norwegischen Fährkonzern. Doch jetzt steckt dieser Konzern in einer Krise. 2014 gab es wirtschaftliche Einbrüche in allen Bereichen. Es wurden weniger Lastwagen, Autos und Passagiere transportiert. Die Zahlen auf drei der vier Color-Routen brachen ein. Nur auf der Linie Kiel-Oslo steuert das Unternehmen bei Passagierzahlen und Gütern weiter auf Erfolgskurs. Im vorigen Jahr wurden erstmals 1,16 Millionen Passagiere (+ 5,8 Prozent) und 740000 Tonnen Ladung (+ 4,8 Prozent) befördert. Für diese Route hatte Sunde damals auf den Bau der großen Kreuzfahrtfähren persönlich gedrängt.

 Jetzt herrscht jedoch auch auf der „Königslinie“ schlechte Stimmung. Um Kosten zu reduzieren, soll Technik Mitarbeiter ersetzen. Neue Buchungsverfahren via Internet, externe Callcenter, weniger Verwaltung und Terminalpersonal sind der Plan. Mit Folgen: Fast zeitgleich verließ eine Reihe von Führungskräften das Unternehmen. Deutschland-Chef Jörg Rudolph schmiss Ende 2014 hin und wechselte zu einer US-Reederei. Der langjährige Kapitän der „Color Magic“, Gulleik Svalastog, musterte ab und wechselte zu einer Kreuzfahrtreederei. Und für die Leitung des Kieler Büros gibt es immer noch keine langfristige Besetzung.

 Ein weiterer Grund für die wirtschaftliche Schieflage sind die steigenden Umweltauflagen. Mehr als 60 Millionen Euro musste die Reederei 2014 und 2015 in Reinigungstechnik für Abgase und für Landstromanschlüsse investieren. Deshalb sollen jetzt die Kosten beim Betrieb unter norwegischer Flagge reduziert werden. Color-Sprecher Helge Otto Mathisen verweist auf die Wettbewerber, die unter dänischer oder schwedischer Flagge fahren. Eine erste Rechtsprüfung der Ausflaggung sei vor zwei Wochen positiv verlaufen. Da es auch um Zuschüsse geht, soll im Dezember das norwegische Parlament bei den Haushaltsverhandlungen entscheiden.

 Für den Hafen Kiel spielt die Color Line eine zentrale Rolle. „Im Passagierbereich ist die Color Line der aufkommensstärkste Kunde des Kieler Hafens. Jeder zweite Passagier, der in Kiel an oder von Bord eines Fähr- oder Kreuzfahrtschiffes geht, reist mit der Color Line. Im Frachtbereich trägt die Color Line derzeit gut zehn Prozent zum Gesamtumschlag des Hafens bei und rangiert damit hinter DFDS Seaways und der Stena Line auf Platz 3“, sagt Seehafenchef Dirk Claus.

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Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Jahrelang war die Color Line ein Reederei-Imperium auf der Ostsee. Norwegens größte Fährreederei hatte eine unangefochtene Position im Skagerrak. Doch das ist vorbei. In den vergangenen zwei Jahren musste das Unternehmen heftige Rückschläge einstecken. Neue Umweltauflagen haben viel Geld gekostet.

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