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Ökolandbau als bessere Perspektive

Bio-Produkte Ökolandbau als bessere Perspektive

Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Produkten steigt ungebrochen an, kann jedoch nicht aus heimischer Produktion befriedigt werden. Landwirtschaftsminister Habeck verweist bei Fachtagung in Rendsburg auf wachsende Nachfrage von Bio-Produkten.

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Ob Schweine in Bio-Qualität oder Produkte vom Acker: Immer mehr Landwirte in Schleswig-Holstein stellen ihre Produktion auf ökologische Landwirtschaft um.

Quelle: dpa

Rendsburg. „Das ist eine Chance für die ökologischen Landwirtschaft in Schleswig-Holstein“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck am Montag bei einer mit 250 Teilnehmern gut besuchten Fachtagung in Rendsburg, die Perspektiven für den Ökolandbau aufzeigen sollte.

Dabei nahm Habeck die Landwirtschaftskammer in die Pflicht: „Wir müssen Landwirtschaft künftig anders denken und hoffe, dass dies die Kammer bei ihren Beratungen der Bauern auch umsetzt.“ Das bisherige „hochgeschraubte System“ mit einer laufenden Steigerung der Produktion verspreche keine Erfolge, allerdings sei eine Umstellung weg von konventioneller Landwirtschaft „ein Angang“, der jedoch auch „aus guten ökonomischen Gründen“ Sinn mache, betonte Habeck.

Vielversprechende Kooperationen

Eine Betriebsberatung über den Ökoring Schleswig-Holstein sei seit Mitte Januar für Landwirte kostenlos, Leitbetriebe im vor zwei Wochen gegründeten Netzwerk Ökolandbau würden zusätzlich mit Praxistipps aufwarten. Genauso wichtig sei es dabei, über Zusammenarbeit wieder erfolgreich zu sein. „Kooperationen von Ackerbau- und Viehhaltungsbetrieben sind dabei vielversprechend, aber auch das grundlegende Wirtschaften in geschlossenen Kreisläufen“, sagte Habeck und ergänzte: „Die Beratung ist dabei die Brücke ’rein in den Markt. Denn so unsicher die Situation zum Beispiel für spezialisierte Milch- oder Schweinebauern ist: Ökolandbau bietet die bessere Perspektive.“

Peter Levsen Johannsen, Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, teilte diese Ansicht nur bedingt: „Man muss den Ökolandbau auch hinterfragen und auf Ressourceneffizienz überprüfen. Eine Umstellung muss ökologisch und ökonomisch Sinn machen.“ Landwirtschaft sei aber immer ein dynamischer Prozess gewesen: „Gerade in schwierigen Zeiten wie jetzt macht es Sinn, sich darauf zu besinnen, was man kann und will.“ Konventionelle und ökologische Landwirtschaft dürften aber nicht gegeneinander ausgespielt werden: „Das wäre töricht“, sagte Johannsen.

Mut und Geld

Um als Landwirt im Ökolandbau erfolgreich zu sein, seien vier grundlegende Faktoren wichtig, sagte Gustav Alvermann vom Ökoring. Zum einen müsste ausreichend bezahlbares Land zur Verfügung stehen, das für gute Ergebnisse nach Möglichkeit einen Tonanteil von unter 15 Prozent aufweisen sollte. Weiterhin müsste künftig im Rahmen einer Verbundwirtschaft gedacht werden, zum Beispiel in Kooperationen mit Biogasanlagenbetreibern oder spezialisierten anderen Betrieben. „Und schlussendlich braucht es Mut und Geld, um zum Beispiel in eine neue Stallanlage zu investieren, die den Richtlinien von Ökolandbau entspricht“, sagte Alvermann.

Als „Win-win-Situation“ für Umsteller bezeichnete auch Björn Ortsmann vom Referat ökologischer Landbau der Landwirtschaftskammer den Zusammenschluss mehrerer Landwirte, um sich gegenseitig zu unterstützen. „Warum sollte ein ökologischer Kreislauf an der Hoftür beendet sein? Wenn zum Beispiel Kleegras hilft, den Boden zu verbessern, kann dies auch für den Biogasanlagenbetreiber hilfreich sein.“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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