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Mehr Risiko, weniger Rendite

Onshore-Konferenz Mehr Risiko, weniger Rendite

Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sorgt für Frust in der Windenergiebranche. „Immer chaotischer und zielloser“ sei das EEG mit der im Juni verabschiedeten Reform geworden, kritisierte Martin Kopp von der Netzwerkagentur Erneuerbare Energien (EE.SH) im Kieler Schloss.

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2809 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 5578 MW stehen zurzeit in Schleswig-Holstein.

Quelle: dpa

Kiel. „Das, was wir in den vergangenen Monaten über uns ergehen lassen mussten, hätte sich die Branche nicht gefallen lassen dürfen.“ Auf der Konferenz „Windwert“ trafen sich rund 200 Vertreter aus dem Onshore-Sektor in Kiel, um über die politische Entwicklung und technische Neuerungen zu sprechen.

 Robert Habeck (Grüne) äußerte Verständnis. „Sie sind enttäuscht, weil das EEG nicht klar beschreibt, wohin die Reise geht“, so der Energiewendeminister. „Es gibt neue Spielregeln, vor denen vielen bange ist.“ Ab 2017 wird die Förderung von Ökostrom umgestellt: Dann sollen die auf 20 Jahre festgelegten Garantiepreise für die Stromabnahme wegfallen und stattdessen Projekte ausgeschrieben werden. Den Zuschlag soll der Anbieter bekommen, der seinen Strom zum niedrigsten Preis anbietet. „Ich glaube nicht, dass man mit Ausschreibungen eine Akteursvielfalt erreichen kann“, so Kopp. Für kleinere Akteure lohne sich die Investition so kaum noch, es lasse sich immer weniger mit den Anlagen verdienen.

 Gleichzeitig erhöhten sich die Risikokosten. Standortsuche, Projektierung, Planung und Genehmigung müssen vor der Teilnahme an der Ausschreibung laufen, erklärte Juristin Ursula Prall in ihrem Vortrag. Das alles koste die Windanlagenbauer Geld, ohne dass sie wüssten, ob sie den Zuschlag bekommen. Zudem sei das Verfahren komplexer geworden und bedeute mehr Arbeit.

 Mit den Ausschreibungen will der Bund eine höhere Kosteneffizienz und eine bessere Mengensteuerung erreichen. In den kommenden drei Jahren sollen einschließlich Repowering jeweils 2800 Megawatt (MW) pro Jahr ausgeschrieben werden. Das heißt: Jährlich können bundesweit nur noch etwa 1000 Windräder gebaut werden, inklusive der neuen Rotoren, die lediglich alte ersetzen. Schleswig-Holstein wird zusätzlich ausgebremst: Weil hier mehr Windenergie produziert wird, als beim derzeitigen Stand des Netzausbaus eingespeist werden kann, entsteht ein Überschuss. Dieser „Wegwerfstrom“ kostet, deswegen soll der Ausbau von Windanlagen lokal gedrosselt und die Ausschreibungsmenge auf 58 Prozent des durchschnittlichen Zubaus der Jahre 2013 bis 2015 begrenzt werden.

 Obwohl das Oberverwaltungsgericht in Schleswig 2015 die Windenergie-Regionalpläne des Landes kippte, werden in diesem Jahr rund 200 neue Anlagen genehmigt, so Habeck. „Eigentlich müssten wir das Tempo von Schleswig-Holstein bundesweit einschlagen“, sagte Habeck. Das sei aber momentan von Berlin nicht gewollt. „Zeitnah, in den nächsten Monaten“ wolle sein Ministerium mit einem Entwurf für die Neuaufstellung der Landesplanung herausgehen.

 „Bauen Sie keine Windmonster, sondern Anlagen, die möglichst Volllaststunden leisten“, appellierte der Minister an die Branche. Und: „Gehen Sie mit unserem Land sparsam um.“ Im Schnitt bräuchten die Anlagen noch zu viel Fläche.

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Ein Artikel von
Anne Holbach
Wirtschaftsredaktion

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