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WWF fordert Dorsch-Quote für Angler

Ostsee-Fischerei WWF fordert Dorsch-Quote für Angler

Bislang dürfen Angler pro Tag unbegrenzt Dorsch aus der Ostsee holen. Weil der Bestand in der westlichen Ostsee eingebrochen ist, fordert der WWF nun Fang-Limits. Auch die Wissenschaft befürwortet eine solche Reglementierung.

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Auch Angler sollen laut Umweltverband WWF in ihrer Dorsch-Quote aus der Ostsee begrenzt werden.

Quelle: Kathrin Mansfeld

Stralsund/Hamburg. Angesichts des schlechten Dorschbestandes in der westlichen Ostsee fordert der Umweltverband WWF Fang-Limits für Angler. „Die Angelfischerei wirkt sich gravierend auf den schrumpfenden Dorschbestand aus, ist aber bis auf eine Mindestgröße für Fisch überhaupt nicht reguliert“, sagte die WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky am Donnerstag.

Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfiehlt für das kommende Jahr in der westlichen Ostsee eine Reduzierung der Dorschquote um 88 Prozent. Betroffen wären davon die Berufsfischer, die ihre Existenz bedroht sehen, aber nicht die Angler. Begründet wird die geforderte Absenkung mit dem geringen Nachwuchs des Dorschbestandes im vergangenen Jahr und dem jahrelangen hohen Fischereidruck.

Widerstand an den Vorschlägen zu einem Fang-Limit auf vielleicht fünf oder acht Fische pro Tag kommt von den Anglern selbst. „Wir lehnen solche Fang-Limits ab, weil sie nicht zu kontrollieren sind“, sagte der Präsident des Landesanglerverbandes MV, Karl-Heinz Brillowski. Der Deutsche Angelfischer-Verband habe bereits Vorschläge unterbreitet, wie sich die Angler an der Bestandserholung beteiligen. So könne das Mindestmaß der zu fangenden Dorsche von 38 auf 40 Zentimeter heraufgesetzt werden. Zudem könnten sich die Angler an der bislang für Fischer geltenden Schonzeit von Mitte Februar bis Ende März zu beteiligen. Darüber hinaus gehende Regelungen seien eine Gefahr für den Angeltourismus.

Dem Umweltverband WWF geht die vorgeschlagene Selbstverpflichtung des Anglerverbandes nicht weit genug. Wenn die Kontrolle ernst genommen werde, könne ein tägliches Fang-Limit für jeden Angler eine sehr wirksame Maßnahme sein, sagte Nemecky.

Schätzungen zufolge gibt es 160 000 deutsche Ostseeangler. Nach Berechnungen des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock entnehmen diese aus der westlichen Ostsee durchschnittlich rund 2558 Tonnen Dorsch pro Jahr. Dies sei nahezu die Fangmenge, die bislang den Fischern zugebilligt worden sei, sagte der Direktor des Instituts, Christopher Zimmermann. „Im Sinne der Verteilungsgerechtigkeit ist es sinnvoll, Angler mit festgelegten Tages-Limits an der Bestandserholung zu beteiligen“, sagte er.

Eine Erhöhung der Mindestgröße auf 45 Zentimeter für Angler brächten nach Berechnungen der Wissenschaftler 655 Tonnen Dorsch, eine Beteiligung an der Laichschonzeit weitere 330 Tonnen Dorsch, die nicht aus der westlichen Ostsee entnommen würden. Würden zusätzliche Fang-Limits von acht oder fünf Fischen pro Tag greifen, brächte das zusätzliche 500 beziehungsweise 900 Tonnen.

„Das von den Anglern hervorgebrachte Argument der fehlenden Kontrollierbarkeit greift nicht“, sagt der Fischereibiologe Zimmermann. Bei Lachs und Forelle würden seit Jahren Tagesfanggrenzen gelten. Die Angler schauten sich gegenseitig auf die Finger. Zudem müsse jeder Angler mit einer Kontrolle rechnen. „Jeder, der bei einer Fischereikontrolle erwischt wird, riskiert wegen Fischereiwilderei hohe Strafen.“

Die Angler wollen das Thema auf dem Deutschen Fischereitag Ende August in Potsdam diskutieren, wie Anglerverbandschef Brillowski sagte. Aus Sicht des Thünen-Instituts drängt die Zeit, da im Herbst die Fischereiquoten festgelegt werden. Es stehe die Frage, ob die kommerzielle Fischerei die Last allein tragen oder die Angler angemessen beteiligt werden sollen, sagte Zimmermann.

Von dpa

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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