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Meyer baut Senioren-Kreuzfahrer

Papenburg Meyer baut Senioren-Kreuzfahrer

Keine Kinder, keine Disko und auch keine Pool-Party: Wer bei der Reederei Saga Cruises an Bord will, der muss schon nach Ruhe lechzen. Die Reederei setzt als einziges Unternehmen der Branche ausschließlich auf Kreuzfahrtgäste ab 50. Jetzt trumpft die Reederei aus dem kleinen südenglischen Hafen Folkestone erneut auf.

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Die britische Reederei Saga Cruises setzt auf klassische Linien: Das alte Kreuzfahrtschiff „Arkona“ der DDR-Staatsreederei DSR fährt heute als „Saga Pearl II“ für britische Senioren. 2021 wird das Schiff durch einen Neubau der Meyer Werft ersetzt.

Quelle: Frank Behling

Papenburg. Bei der Meyer Werft in Papenburg platzierte Saga Cruises am Mittwoch einen Großauftrag. Die Werft soll den Briten bis 2021 zwei Neubauten liefern – geschätzter Auftragswert rund 800 Millionen Euro.

 Die Senioren-Kreuzfahrer unterscheiden sich deutlich von dem, was auf dem Markt heute üblich ist: Sie sind mit Platz für deutlich weniger als 1000 Passagiere kleiner als die Schiffe der Konkurrenz, und sie sollen ihre spezielle Zielgruppe auch mit überwiegend klassischem Design ansprechen. Markantestes Beispiel: Der Schornstein der Neubauten soll exakt so aussehen wie der Schornstein der 1965 gebauten „Saga Rose“, die 2011 verschrottet wurde. Sie schuf 1996 als erstes Saga-Schiff die Grundlage für den Erfolg der Briten.

 Und so ausgefallen wie die Wahl der Schiffe, so ausgefallen sind auch die Mitfahrbedingungen. Als erste Kreuzfahrtgesellschaft führte Saga ein Passagier-Mindestalter von 50 Jahren ein. Damit werden Kinder und junge Menschen mit potenziell ausgeprägtem Hang zum Feiern rigoros ausgeschlossen. Und da es auch eine wachsende Anzahl älterer Singles gibt, geht Saga bei den Neubauten noch einen Schritt weiter: 15 Prozent der Kabinen sind für Singles reserviert.

 Für Werftchef Bernard Meyer ist der Auftrag aus Folkestone ein großer Erfolg: „Wir freuen uns sehr und sind stolz, die ersten Schiffsneubauten für die britische Reederei liefern zu dürfen.“ Der Auftrag war alles andere als ein Selbstgänger: Die Verhandlungen zwischen Werft und Reederei liefen bereits seit Jahren.

 Wie Meyer mitteilt, wird diese Schiffsklasse eine Länge von 234 Metern und eine Breite von 30,8 Metern haben. Die Vermessung liegt bei 55900 BRZ. Im Sommer 2021 soll das erste Schiff in Dienst gestellt werden. Von dem Auftrag der Briten profitieren auch Unternehmen aus Schleswig-Holstein, denn eingebunden werden Zulieferungen aus dem gesamten norddeutschen Raum.

 Eine Besonderheit am Rande: Für den Bau reaktiviert die Werft das Baudock 1 in Papenburg. Dieses wurde bis 2013 für die sieben Neubauten der Sphinx-Klasse im Auftrag der Rostocker Reederei Aida benötigt. Nach der Ablieferung der „Aidastella“ wurde in dem Dock nur noch das Forschungsschiff „Sonne“ montiert. Für die anderen Meyer-Neubauten ist dieses 250 Meter lange Dock mit einer Breite von 35 Metern inzwischen zu klein. Doch für Saga Cruises reicht der Platz locker aus.

 Der Auftrag für die jeweils rund 400 Millionen Euro teuren Schiffe markiert einen Kurswechsel in der Investitionspolitik der Reederei. Seit der Gründung 1996 hatte sich Saga ausschließlich auf dem Markt für gebrauchte Kreuzfahrtschiffe bedient. Doch der ist inzwischen nahezu leergefegt. Entsprechend groß ist die Freude bei Saga-Vorstandsmitglied Robin Shaw: „Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft von Saga Cruises, und wir freuen uns, dieses Schiff zusammen mit der Meyer Werft individuell für unsere Bedürfnisse zu entwickeln.“

 Eine Frage ist aber noch offen: die Höhe der Neubauten. Sind sie höher als 40 Meter, wird der Nord-Ostsee-Kanal von den Reiserouten verschwinden. Und auch das wäre ein Meilenstein – wenn auch ein unerfreulicher für Schleswig-Holstein: Seit 1996 gehört Saga zu den Stammkunden des Kanals.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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