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„Die Wehrtechnik im Land stirbt“

Parlamentarischer Abend „Die Wehrtechnik im Land stirbt“

Für viele Wehrtechnik-Unternehmen im Land sieht es gar nicht gut aus. Vor allem mittelständische Zulieferer der großen Systemhäuser wie Rheinmetall, TKMS oder Airbus sehen sich in die Zange genommen von schrumpfenden Bundeswehr-Aufträgen und unkalkulierbaren Genehmigungsverfahren im Exportgeschäft.

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Landtagspräsident Klaus Schlie ist um die Wehrtechnik besorgt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Am Donnerstag hatte der „Arbeitskreis Wehrtechnik“ zu einem Parlamentarischen Abend nach Kiel geladen, um die Landespolitik auf ihre Nöte hinzuweisen.

 Der Alarmruf hätte schriller nicht ausfallen können. „Die Wehrtechnik im Land stirbt“, sagte Stefan Stenzel, Geschäftsführer der Jenoptik-Tochter ESW (Wedel), die in den vergangenen vier Jahren von 800 auf 600 Mitarbeiter geschrumpft ist. „Kürzungen bei Großprojekten sowie die schleppende Bearbeitung von Exportanträgen lassen bei uns die Umsätze wegbrechen“, so Stenzel. ESW entwickelt unter anderem Energieversorgungssysteme, Hilfsantriebe für U-Boote und Beobachtungsgeräte.

 Mit rund 6000 Mitarbeitern plus 10000 Beschäftigten bei Zulieferern erwirtschaftet die Branche im Land einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. Während die großen Unternehmen wie TKMS oder Raytheon Anschütz gut im Geschäft sind, leiden kleinere Betriebe vor allem unter langwierigen Exportgenehmigungen: „Für einen Mittelständler sind Wartezeiten von 30 Monaten bis zu einem Zwischenbericht existenzgefährdend“, sagte Norbert Erichsen vom Fahrzeugbauer FFG in Flensburg. Mittelstand und große Systemhäuser bildeten eine „Schicksalsgemeinschaft“, so Andreas Sedlmayr von Autoflug in Rellingen. Doch diese Schicksalsgemeinschaft drohe zu zerbrechen, weil sich die großen Spieler immer stärker ins Ausland orientierten.

 Schleswig-Holsteins Landtagspräsident Klaus Schlie warnte bei der Veranstaltung vor „undifferenzierter“ Kritik an Waffenausfuhren: „Rüstungsexporte nur zu genehmigen, wenn die Zielländer genau unseren Standards bei Demokratie und Menschenrechten entsprechen, wäre wirtschaftlich und politisch kontraproduktiv.“ Die Politik müsse sich mit der Realität auseinandersetzen und „nicht mit schönen Träumen“. Auch Dieter Hanel, Vorsitzender des Arbeitskreises, forderte mehr politische Unterstützung bei Auslandsprojekten: „Ohne diesen Rückenwind sind internationale Großprojekte nicht mehr zu gewinnen.“

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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So verlässlich Bauern über schlechte Preise schimpfen, so beständig klagen heimische Rüstungsfirmen über Widerstände im Exportgeschäft. Aber wird die Welt nicht besser mit jeder Waffe, die nicht gebaut wird? Wenn es so einfach wäre. Denn für jede Waffe, die in Deutschland nicht gebaut wird, gibt es im Ausland vielfältigen Ersatz.

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