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Keramikwalzen als Ventilersatz

Passau/Kiel Keramikwalzen als Ventilersatz

Wird der Einfall eines ehemaligen Kieler Forschers die Motorenindustrie revolutionieren? Jochen von Seidlitz glaubt fest an seine Erfindung, deren Wurzeln an der Förde liegen.

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Den Ingenieur Jochen von Seidlitz hat ein technisches Problem aus seinen Tagen bei der Kieler MaK nicht losgelassen. 40 Jahre später hat er eine Lösung gefunden und will mit seinen Patenten den Motoren-Markt revolutionieren.

Quelle: Franz Danninger/Passauer Neue Presse

Passau/Kiel. Mitten im Kalten Krieg sollte Jochen von Seidlitz als junger Ingenieur neue Antriebstechniken für Schiffe und Torpedos entwickeln. Im Auftrag der deutschen Militärs forschte er nach seinem Maschinenbau-Studium Ende der 60er Jahre in der Kieler MaK an effizienten Motoren. Doch immer wieder stieß er dabei an die Grenzen von Material und Technik. Die Verbrennungsmotoren waren am Limit. Das Problem: Ab etwa 830 Grad Celsius am Auslasstellerventil wurden die Aggregate so heiß, dass die Ventile brachen. „Unser Ziel war es, durch eine bessere Verdichtung 500 PS aus den Motoren rauszuholen. Doch mehr als 270 PS haben wir nicht geschafft. Das Material machte schlapp.“

 Nach 30 Jahren Kindheit, Studium und Forschung in Kiel, vielen Jahren als Abteilungsleiter beim Technologiekonzern KraussMaffei in München und mehreren Weltreisen lebt Jochen von Seidlitz jetzt in Passau, genießt dort seinen Ruhestand. Das Problem mit den Motoren aus seinen Kieler Zeiten ließ ihn jedoch nicht los. Jedes Mal, wenn er im Fernsehen die Rennen der Formel 1 verfolgte, erinnerte er sich an das Material, das der Motorentechnik auch heute noch die Grenzen setzt. „2009 begann ich mich wieder intensiv zu fragen, wie man die Leistung von Motoren steigern kann“, so der Wahlbayer. Mitten im Ruhestand erinnerte er sich an seine Jahre bei der Kieler MaK, besorgte sich Reißbrett und Zeichengeräte und begann zu tüfteln. Schließlich kam ihm der richtige Einfall. Mit Werkstoffen aus Keramik will der 75-Jährige den Bau von Ventilen für Otto- und Dieselmotoren revolutionieren. Die klassischen Auslassventile will er durch Walzen aus Keramik ersetzen, Kanten und tote Winkel im Zylinder entfallen. Durch die neuen Materialien könnten eines Tages robuste Motoren mit deutlich höheren Verdichtungen gebaut werden, ist er sich sicher. Das spare Brennstoff und erhöhe die Leistung. All seine Ideen hat der Ruheständler inzwischen auf Papier gebracht, Pläne und Skizzen gefertigt und mit ehemaligen Kollegen besprochen. Auch einen Patentanwalt im Ruhestand hat von Seidlitz für seine Idee begeistert.

 „Wochenlang habe ich im vergangenen Herbst in München im Deutschen Patent- und Markenamt geforscht, ob es etwas ähnliches schon gibt“, sagt von Seidlitz. „Zwar haben die Koreaner vor Jahren schon etwas in dieser Art angemeldet. Doch das ist noch nicht ausgereift und funktioniert nicht.“ Jetzt hat der Tüftler seine Erfindung über zwei Patente unter dem Titel „Brennkraftmaschine“ angemeldet und zunächst für eineinhalb Jahre weltweit schützen lassen. Jochen von Seidlitz hofft, bald einen Hersteller zu finden, der mit den Keramikwalzen als Ventilersatz etwas anfangen kann. „In den kommenden Monaten will ich mit BMW, Audi und Porsche über meine Erfindung sprechen“, sagt der Erfinder, der seiner einstigen Heimat im Norden immer treu geblieben ist. „Mindestens einmal im Jahr komme ich noch zu Besuch an die Förde. Mir fehlt sonst das Wasser.“

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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