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Taxigewerbe im Norden fordert Flexibilität

Personenbeförderung Taxigewerbe im Norden fordert Flexibilität

Uber, mytaxi, Blablacar und andere dem Internet entwachsene Akteure, aber auch neue individuelle Mobilitätstrends könnten den Markt der Personenbeförderung dramatisch verändern. Die Auswirkungen wurden jetzt beim Taxi- und Mietwagentag in Kiel diskutiert.

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Die Geschäftsaussichten für das Taxigewerbe sind eigentlich gut – wären da nicht die starren Tarife.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Umso mehr sollten die klassischen Taxiunternehmer in Schleswig-Holstein „über den Tellerrand hinausblicken“ und sich dem Wandel stellen, meint deren Landesverbandsvorsitzender Thomas Krotz. Doch das ist wegen der starren rechtlichen Regelungen gar nicht so einfach.

Beim Taxi- und Mietwagentag Schleswig-Holstein in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Kiel blickte die Branche mit Hilfe von Prof. Jan Ninnemann vom auf Mobilitätsthemen spezialisierten Büro Hanseatic Transport Consultancy aus Hamburg ziemlich weit hinaus über besagten Tellerrand. Nur drei Prozent der jüngeren Deutschen, so zitierte er eine Umfrage, könnten sich ein Leben ohne Smartphone vorstellen, immerhin 36 Prozent würden dagegen die Vorstellung, nie ein eigenes Auto zu haben, keineswegs schrecken.

Smarte Kisten besser nutzen

Nur folgerichtig erscheint da der von Ninnemann beschriebene Trend, dass Mobilität zunehmend mit den kleinen smarten Kisten organisiert wird. Je nach Situation besorgt man sich digital unterstützt ein Leihfahrrad, nimmt Carsharing in Anspruch oder ordert ein Taxi. Die Entwicklung geht laut Ninnemann „steil, steil nach oben“.

Reguliert ist das Taxigewerbe derweil immer noch fast wie in alten Droschken-Zeiten. Knackpunkt sind die verordneten Tarife, von denen es weder nach oben noch nach unten Abweichungen geben darf. Also fehlen aus Sicht des Hamburger Professors Anreize, in Qualität zu investieren. Zudem sei es schwer oder gar nicht möglich, mit differenzierten Preismodellen etwa nach Wagenklasse oder Tageszeit zu arbeiten oder aber bestimmten Kundenkreisen wie Firmen oder Jugendlichen spezielle Preise anzubieten.

Sinnvoll wäre nach Einschätzung von Jan Ninnemann ein System nach Vorbild der Fluggesellschaft: Wer mit wenig Komfort und Service zufrieden ist, nimmt sich ein Billig-Taxi, wer das Gepäck an die Haustür getragen haben will oder von einem Fahrer in Anzug und Krawatte zu einem repräsentativen Termin chauffiert werden will, greift entsprechend tiefer in die Tasche und wählt die Nobel-Variante.

Mindestlohn geringeres Problem

Durchaus abgefunden zu haben scheinen sich unterdessen die etwa 170 Teilnehmer des Taxitages mit dem Mindestlohn, der seit Januar 2015 gilt. Das ist offensichtlich auch gut so, wie ein Vortrag von Rolf Tzschaschel vom Hauptzollamt Kiel nahelegte. Die Kontrollen des Zolls werden aufgrund personeller Aufstockung nach seiner Ansicht in Zukunft eher noch zunehmen. Schon bisher seien im Taxigewerbe teils eklatante Verstöße mit fälligen Nachzahlungen von mehr als 500000 Euro aufgedeckt worden. „Wer sich nicht an die Regeln hält, riskiert seine Existenz“, warnte Tzschaschel, dessen Nachredner Edo Diekmann von der Oberfinanzdirektion Niedersachsen genau das bekräftigte. In Niedersachsen wurden nach seinen Angaben zuletzt bei 25000 Betriebsprüfungen in drei Prozent aller Fälle so schwere Verstöße festgestellt, dass es ein Fall für die Steuerfahndung war – satte 15 Prozent betrug diese Quote dagegen im Taxi- und Mietwagengewerbe. Als Konsequenz kündigte er mehr Prüfungen gerade auch kleinerer Betriebe an. Dies werde auch in den anderen Bundesländern geschehen, und zwar häufig unangemeldet oder nach sehr kurzer Vorwarnzeit.

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