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Umweltberatung ging der Saft aus

Pleite des Lübecker Solar-Unternehmens Umweltberatung ging der Saft aus

„Deutsche Umweltberatung“ – der Name suggeriert Neutralität mit offiziellem Gütesiegel. Seit 2007 machte das Lübecker Unternehmen Geschäfte mit der Energiewende. Im Norden und Osten der Republik pachtete die Firma Dachflächen auf Privathäusern und kommunalen Gebäuden, um darauf Solaranlagen zu setzen. Nun ist die „Umweltberatung“ pleite, der Schaden für die Kunden kaum abzusehen.

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Bau von Bürgersolarparks auf den Dächern öffentlicher Gebäude: Damit wollte die „Deutsche Umweltberatung“ punkten. Inzwischen ist das Lübecker Unternehmen insolvent.

Quelle: dpa

Lübeck. „Solar-Rente beantragen“, „Rendite und ein gutes Gewissen“ – so schön grün lesen sich noch immer die Versprechungen auf der Internetseite des Unternehmens. Das Geschäftsmodell der Deutschen Umweltberatung (DUB) basierte im Wesentlichen auf zwei Säulen. Zum einen bot das Unternehmen Investoren die Möglichkeit, eine private Photovoltaikanlage auf einem Fremd-Dach zu bauen. Dabei setzte das Unternehmen vor allem auf Dachflächen kommunaler Gebäude. Das Modell: Die DUB pachtete Dächer auf Schulen, Kindergärten, Feuerwehrgerätehäusern oder Verwaltungsgebäuden und errichtete darauf entweder auf eigene Rechnung Solaranlagen, oder bot Investoren an, sich an „Bürgersolarparks“ zu beteiligen. Zweites Standbein war das Geschäft des Tochterunternehmens Deutsche Umwelt Invest GmbH, die als Kapitalanlagegesellschaft Genussrechte herausgab. Mit dieser riskanten und zuletzt durch den Fall Prokon in Verruf geratenen Anlageform sollten Investoren die Möglichkeit erhalten, „sich an der Umorientierung der Energiewirtschaft zugunsten regenerativer Energieformen aktiv zu beteiligen.“

Nun stellt sich die Frage, was aus dem eingesammelten Geld wird – oder schon geworden ist. Denn nachdem Ende März das Amtsgericht Lübeck das Insolvenzverfahren eröffnet hatte, zeichnete sich ab, dass die Insolvenzmasse der Deutsche Umweltberatung GmbH & Co. KG nicht einmal ausreicht, um die Kosten des Insolvenzverfahrens und andere vorrangig zu bedienende Verbindlichkeiten zu bezahlen: Am 4. April zeigte Insolvenzverwalter Klaus Pannen (Hamburg) dem Amtsgericht Lübeck die sogenannte Masseunzulänglichkeit an.

Nach „so einer dramatischen Information“ müssten Anleger prüfen, welche Ansprüche sie gegen das Unternehmen und dessen Hintermänner haben“, sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Ein Teil der Anleger habe in Nachrangdarlehen investiert: „Hier muss geprüft werden, ob und gegen wen ein Anspruch auf Rückabwicklung dieses Vertrages besteht.“ Diejenigen, die eine Photovoltaik-Anlage samt Wartungsvertrag von der DUB erworben hätten, müssten sicherstellen, dass die Anlage ordnungsgemäß weiterbetrieben wird: „Dann fließen wenigstens in Zukunft Einspeisevergütungen.“

Seit 2007 hat die DUB nach Angaben auf ihrer Internetseite vor allem im Norden und Osten Deutschlands 64 Photovoltaikanlagen und „Bürgersolarkraftwerke“ realisiert, unter anderem auch in Lübeck, Nortorf und Fockbeck.

Gemeinsam große Pläne hatten die Stadt Neumünster und die DUB. Im November 2011 besiegelten Frank Rahlf, geschäftsführender Gesellschafter der DUB und OB Olaf Tauras einen Pachtvertrag für zehn Schuldächer, auf denen die DUB Solaranlagen errichten wollte. An diesen sollten sich Privatanleger mit einer Summe ab 10000 Euro beteiligen können. Im Sommer 2012 sollte „Neumünsters erster Bürgersolarpark“ mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern ans Netz gehen. Über Pacht und die spätere Beteiligung an der Einspeisevergütung für den Sonnenstrom sollten insgesamt rund 60000 Euro in die Stadtkasse fließen. Bis zu 750000 Euro Investitionen hatte Rahlf in Aussicht gestellt.

 Doch daraus wurde nichts. Nach Angaben eines Stadt-Sprechers kam kein einziges Solar-Modul aufs Schuldach, auch wegen statischer Fragen. Weder Rahlf noch Insolvenzverwalter Pannen waren am Freitag erreichbar.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion